Panorama

Virologe Drosten erklärt Warum die Todesrate jetzt steigt

9511e9b36b542f4c23baddbff148e56a.jpg

Drosten erklärt die steigende Todesrate.

(Foto: dpa)

Die Todesrate der Covid-19-Patienten in Deutschland steigt auf immerhin 0,8 Prozent. Der Berliner Virologe Drosten erklärt im NDR, woran das liegt, teilt neue Infos über die Ansteckungsgefahr und ruft zum Tragen einer Maske auf.

Die steigende Todesrate bei Covid-19-Fällen ist dem Virologen Christian Drosten zufolge mit einer wachsenden Zahl älterer Patienten und einem sich andeutenden Mangel an Tests zu erklären. "Wir haben den Beginn einer neuen Entwicklung", sagte der Professor von der Berliner Charité im täglichen NDR-Podcast. Anfangs hätten sich vor allem jüngere Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. "Das waren die Karnevalsflüchter, die in Norditalien Urlaub gemacht haben", sagte er. Das seien sportliche Leute gewesen, die Ski gefahren seien.

*Datenschutz

Unter ihnen sei die Fallsterblichkeit sehr gering gewesen. Mittlerweile habe das Virus aber auch ältere Bevölkerungsschichten erreicht. So werde es "zwangsläufig ein Ansteigen der Fallsterblichkeit geben", sagte der Wissenschaftler. Die Todesrate, die zuvor lange unter der Marke von 0,5 geblieben war, sei bereits auf 0,8 Prozent gestiegen. Älteren Covid-19-Patienten und solchen mit Vorerkrankungen droht deutlich häufiger ein schwerer Verlauf als Jüngeren.

Der zweite Grund für die steigende Fallsterblichkeit in Deutschland habe mit der Diagnostik zu tun, so Drosten. Dieser hatte bereits zuvor erläutert, dass die hohe Zahl an Tests in Deutschland zu der niedrigen Fallsterblichkeit führe. Denn so werden auch zahlreiche mildere Fälle getestet. Dadurch fallen die Verstorbenen in der Statistik nicht so sehr ins Gewicht wie etwa in Italien. Mittlerweile gebe es aber so viele Fälle - ihre Zahl steigt exponentiell - dass die Diagnostik nicht mehr hinterherkomme. Gleichwohl sei Deutschland führend bei der Masse an Tests.

Erkenntnisse zur Ansteckungsgefahr

Dass deren Zahl noch signifikant gesteigert werden könnte, glaubt Drosten eher nicht. Derzeit gebe es die Kapazität, mehr als 500.000 Tests pro Woche durchzuführen. Man müsse die Tests nach der aufwendigen PCR-Methode künftig wohl noch zielgerichteter einsetzen, so der Virologe. Darüber könne man in den kommenden Wochen nachdenken - ebenso wie jetzt die Zeit sei, mögliche Lockerungen der weitreichenden Stilllegung des öffentlichen Lebens abzuwägen. Er sprach sich aber dagegen aus, dies vor dem 20. April zu tun, so wie es am Wochenende auch Kanzleramtsminister Helge Braun getan hatte.

Drosten erwähnte im Podcast auch neue Erkenntnisse zum Ansteckungsrisiko - einer Studie zum Münchener Ausbruch beim Autozulieferer Webasto im Januar zufolge hätten sich fünf Prozent mit Hochrisikokontakten infiziert. Als solche gelten Begegnungen, bei denen sich Personen mindestens 15 Minuten lang in Gesprächsnähe zu einem Infizierten aufgehalten hätten. "Das kann vielleicht jeder auf seinen Alltag übertragen", sagte er. In einem anderen Fall habe sich jemand angesteckt, der in der Kantine Rücken an Rücken mit einem Infizierten gesessen und sich einmal umgedreht habe, um nach dem Salzstreuer zu fragen.

Masken-Aufruf und Medienkritik

Der Virologe rief erneut dazu auf, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Für ihn ein Akt der Höflichkeit, wie er sagte. Denn der Schutz diene nicht dem Träger, sondern den Menschen, denen dieser begegnet. Wie er bereits in der Vergangenheit mehrfach erläutert hatte, bieten einfache Masken zwar keinen Schutz vor einer Ansteckung, können aber verhindern, dass der Maskenträger selbst andere infiziert. Da angesichts der Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen niemand genau wissen kann, ob er das Virus bereits in sich trägt, sei dies sinnvoll. Drosten sagte, sich selbst eine Maske zu nähen, sei eine gute Idee. Noch werde man fürs Tragen einer Maske aber "merkwürdig angesehen", berichtete er aus eigener Erfahrung.

Hörbar ungehalten zeigte sich der Wissenschaftler über die Annahme, derzeit würden Wissenschaftler in Deutschland regieren. Die hätten kein politisches Mandat, seien nicht gewählt worden und würden lediglich Daten liefern und diese erklären. Trotz mehrfacher Klarstellungen seitens Politik und Professoren werde dieses Bild weiter in manchen Medien transportiert. "Wir sind langsam an einem Punkt, an dem die Wissenschaft den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört", so der Virologe.

Quelle: ntv.de, vpe