Panorama

Lage, Grenzpolitik, Fasching Warum gibt es kaum Infizierte im Nordosten?

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Urlaub ist an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns vorerst nicht erlaubt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Coronavirus breitet sich weiter in Deutschland aus - doch manche Regionen und Bundesländer sind dabei weit stärker betroffen als andere. Während in Nordrhein-Westfalen 11.523, in Bayern 10.180 und in Baden-Württemberg 8441 Fälle bestätigt sind, sind es in Mecklenburg-Vorpommern derzeit bislang nur 261. Zudem ist der Nordosten die bislang einzige Region, in der niemand an einer Infektion gestorben ist. Das könnte ganz unterschiedliche Gründe haben:

Geographische Lage

Das besonders betroffene Bundesland Bayern grenzt an den Corona-Hotspot Tirol, auch Baden-Württemberg ist nicht weit entfernt. Wegen der geographischen Nähe dürften während der Faschingsferien im Februar zahlreiche Menschen aus den südlichen Bundesländern dorthin in den Skiurlaub gefahren sein - und brachten das Coronavirus anschließend möglicherweise mit zurück nach Hause. Mecklenburg-Vorpommern dagegen ist von europäischen Corona-Hotspots weit entfernt. Das angrenzende Polen ist weit weniger von dem Virus betroffen als beispielsweise Österreich und Italien.

Rigorose Grenzpolitik

Mecklenburg-Vorpommern führte nicht nur Kontrollen an der Grenze zu Polen ein, sondern auch an der Grenze zu Brandenburg: Nur Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern wohnen oder arbeiten, dürfen sich noch dort aufhalten. Touristen wird bereits seit dem 18. März die Einreise verweigert, Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Regel. Urlauber, die sich bereits im Bundesland befanden, wurden per Lautsprecherdurchsage von der Polizei zur Abreise aufgefordert. Urlaubsinseln wie Rügen, Usedom und Hiddensee wurden abgeriegelt, auch Tagesausflüge aus anderen Bundesländern sind nicht mehr möglich.

Geringe Bevölkerungsdichte

Wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, kann sich das Virus besonders schnell ausbreiten. Mecklenburg-Vorpommern könnte deshalb auch von seiner geringen Bevölkerungsdichte profitieren. Während Nordrhein-Westfalen - abgesehen von den Stadtstaaten - mit 525 Einwohnern pro Quadratkilometer am dichtesten besiedelt ist und in Baden-Württemberg immerhin noch 308 Einwohner auf einen Quadratkilometer kommen, ist Mecklenburg-Vorpommern mit 69 Bewohnern pro Quadratkilometer das am dünnsten besiedelte Bundesland. Das könnte es den Viren schwerer machen, sich zu verbreiten.

Fasching weniger verbreitet

Ende Februar wurde in Nordrhein-Westfalen noch ausgiebig Karneval gefeiert und auch in Baden-Württemberg und Bayern strömten die Narren zu Faschingsfeiern und -umzügen. Im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg etwa gehen zahlreiche Coronavirus-Infektionen auf eine Karnevalsveranstaltung in Gangelt-Langbroich zurück, bei der ein unwissentlich Infizierter mitfeierte. Dass in Mecklenburg-Vorpommern nur vereinzelt Fasching gefeiert wird, könnte deshalb mitverantwortlich für die geringe Infiziertenzahl sein.

*Datenschutz

Letztendlich kann eine Vielzahl von Gründen dazu beitragen, dass sich das Coronavirus in Deutschland unterschiedlich schnell verbreitet. Ob der derzeitige Trend sich in den einzelnen Regionen fortsetzt, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Quelle: ntv.de, ftü