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Vergleichstests für Schüler Was Eltern gegen Schulstress tun können

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Hausaufgaben sind eine gute Übung für Eltern, im Loslassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Schüler schneiden im internationalen Vergleich nicht gerade bravourös ab. Das versuchen Eltern oft mit mehr Druck auf ihre Kinder wettzumachen. Aber das ist genau der falsche Weg. Trotzdem sind Mütter und Väter keineswegs ohnmächtig.

Regelmäßig legen Pisa- und TIMSS-Studien seit einigen Jahren die Schwächen des deutschen Bildungssystems bloß. Für Eltern erhöht das noch den Stress, den sie ohnehin mit dem Schulbesuch ihrer Kinder haben. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Kinder einfach die zuständige Grundschule besuchten und später auf die Schule wechselten, die die Lehrer empfahlen. Inzwischen klagen Eltern schon für ABC-Schützen die Aufnahme auf der bevorzugten Grundschule ein, und der Übertritt - je nach Bundesland zur fünften oder siebten Klasse - entwickelt sich zu einem Rennen, bei dem es um Leben und Tod zu gehen scheint.

Der Pädagoge und Schulberater Detlef Träbert erlebt die Eltern und Kinder heute sehr viel schulgestresster als noch vor 20 oder 30 Jahren. Eine Ursache dafür steht regelmäßig in den Pisa-Befunden. Deutschland teilt Mädchen und Jungen je nach Bundesland nach der vierten oder sechsten Klasse auf verschiedene Schularten auf. Dieses Schulsystem binde die Aufmerksamkeit von Eltern und das Denken von Kindern gleichermaßen, so Träbert im Gespräch mit n-tv.de. Statt Lebens- und Lernfreude stehen schon in den ersten Grundschuljahren Konkurrenz und Leistungsdruck für die Kinder im Mittelpunkt.

Der Stress aus dem Schulsystem sei inzwischen auch zwischen Eltern und Kindern ein ständiger Konfliktherd. Das sei doppelt tragisch, so Träbert. Denn Stress blockiert das Frontalhirn und damit das Lernen. Außerdem wird die Beziehung zwischen Eltern und Kindern belastet, was zusätzlichen Kummer bereitet. Da sich das Schulsystem aber nur langsam verändere, rät er Eltern dazu, sich mit dem Teil zu beschäftigen, den sie beeinflussen können: sich selbst.

Schule als Kindersache

"Ich denke, dass Eltern ein Teil des Problems sind, weil sie den Kindern nicht den Freiraum im Umgang mit der Schule lassen, den Menschen meiner Generation als Kinder noch erlebt haben", sagt Träbert und ist damit direkt bei einem anderen Schulstressthema: den Hausaufgaben. Wenn Kinder früher Hausaufgaben aufbekamen, sei es ihre Sache gewesen, ob sie sie machten oder nicht. Der Lehrer setzte sich mit dem Schüler darüber auseinander, nicht mit dessen Eltern. "Wenn man in eigener Verantwortung seine Sachen erledigen muss, dann fühlt man sich auch entsprechend angesprochen und ernst genommen und weiß: Ich muss jetzt was tun." Das wüssten Kinder heute oftmals nicht mehr.

Er gehe davon aus, dass heute noch maximal zehn Prozent aller Kinder ihre Hausaufgaben selbständig erledigten. Damit entfalle eine wichtige Funktion dieser Aufgaben, dass Lehrer nämlich überprüfen können, ob ihre Schüler den Stoff verstanden haben. Noch schlimmer sei aber, dass Kinder so keine Eigenverantwortung lernen. Die sei aber wiederum eine wichtige Quelle für Motivation und für Konzentration. "Wer motiviert ist, bringt Konzentration auf, wer nicht, der eben nicht. Da Kinder gar keine eigenen Ziele mehr haben, sondern mit denen überschüttet werden, die die Erwachsenen ihnen vorgeben, brauchen sie sich ja auch nicht darum zu kümmern, diese Ziele zu erreichen." Das Ergebnis seien immer öfter Kinder mit massiven Konzentrationsproblemen, deren schulische Arbeitsleistungen zu wünschen ließen.

Vielen Eltern, die ihn um Hilfe bitten, rät Träbert deshalb, sie sollten ihren Kindern ermöglichen, ein altersgemäßes Maß an Eigenverantwortung zu tragen. In seinem Buch "Das 1x1 des Schulerfolgs" nennt der Pädagoge Beispiele wie den eigenständigen Schulweg zu Fuß, die selbständige Organisation der Schulwoche mit klar festgelegten Hausaufgabenzeiten und das Ausprobieren von Lernstrategien, die zum eigenen Kind passen. Die "Pädagogisierung der Kindheit in Form von Kursen und Angeboten" hält er hingegen durch die Überbeanspruchung eher für schädlich. Er plädiert statt dessen für Familienzeit mit Ausflügen und Gesellschaftsspielen, für Bewegung und Sport und vor allem für Gelassenheit.

All denen, die sich dennoch um den Bildungserfolg ihres Kindes sorgen, gibt er noch mit auf den Weg: "Entwicklungen lassen sich ja nun mal nicht vorhersehen, weil der Mensch spätestens mit der Pubertät Einbrüche erleben kann oder auch beflügelnde Impulse bekommt, die ihn ganz andere Wege einschlagen lassen." Und wichtiger als Schulform oder Zensuren seien dafür die Erhaltung von Wissbegier und Lernfreude.

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Quelle: n-tv.de

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