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Bald bei Aldi und Lidl Was Heim-Schnelltests können und wie sie funktionieren

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Mit einer einfachen Bedienungsanleitung kann jeder Antigen-Schnelltests zu Hause einsetzen.

(Foto: Technomed)

Die ersten drei Antigen-Schnelltests erhalten Sonderzulassungen für den Heimgebrauch. Sie sollen besonders einfach, aber trotzdem sehr zuverlässig sein. Unter anderem verkaufen demnächst die Discounter Aldi und Lidl die Schnelltests für zu Hause.

Wie sich Anfang des Monats schon abzeichnete, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jetzt die ersten Sonderzulassungen für Corona-Laien-Schnelltests erteilt. Die drei Hersteller können schon bald liefern, da ihre Produkte bereits im Einsatz durch geschultes Personal sind. Die Schnelltests für den Heimgebrauch werden leicht zugänglich sein, unter anderem werden die Discounter Aldi und Lidl die Tests anbieten.

Geprüfte Qualität

Der bekannteste Antragsteller des Trios ist Siemens Healthcare, er ist aber nicht der Hersteller. Wie die beiden anderen Schnelltests stammt auch der "Clinitest Rapid COVID-19 Self-Test" letztendlich aus China. Siemens gibt als Hersteller zwar die texanische Firma Healgen Scientific LLC an, diese ist aber eine 100-prozentige Tochter von Zhejiang Orient Gene Biotech.

Das österreichische Unternehmen Technomed hat den "COVID-19 Boson Antigen Schnelltest" eingereicht, der von Xiamen Boson Biotech stammt, Lissner Qi bringt den "LYHER Covid-19 Antigen Schnelltest" auf den Markt.

Dass die Produkte aus China kommen, bedeutet keineswegs, dass sie nicht hochwertig sind. Denn alle drei Schnelltests erfüllen die vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) festgelegten Mindestkriterien. Das heißt unter anderem, dass sie von mindestens 100 Personen mit Covid-19-Symptomen innerhalb von sieben Tagen nach Symptom-Beginn mehr als 80 Infektionen feststellen können (Sensitivität). Außerdem muss sichergestellt sein, dass sie fast nie Fehlalarme produzieren. Das bedeutet, ihre Spezifität muss größer als 97 Prozent betragen.

Einfacher Nasenabstrich genügt

Dabei brauchen Anwender nicht zu befürchten, mit einem Tupfer tief in den Rachen bohren zu müssen. Die Schnelltests sind zwar dafür konzipiert worden, funktionieren aber im Heimgebrauch auch mit einem einfachen Nasen-Abstrich. Siemens Healthcare gibt für seinen Test bei einem Nasen-Rachen-Abstrich eine Sensitivität von 98,3 und eine Spezifität von 99,6 Prozent an. Bei Nasenabstrichen betragen die Werte 97,25 und 100 Prozent.

Die weiteren Schritte sind so unkompliziert, dass kaum Fehler möglich sind, zumal die Anbieter entsprechende Gebrauchsanweisungen mitliefern müssen. Grundsätzlich füllt man eine Flüssigkeit (Probenextraktionspuffer) in ein Röhrchen, drückt und dreht den Tupfer darin, schließt das Röhrchen und gibt daraus einige Tropfen auf die Testkassette. Das Ergebnis erkennt man dann an ein oder zwei Strichen, die sich in 15 bis 20 Minuten bilden. Bei der Interpretation des Testergebnisses kann es zwar kaum zu Missverständnissen kommen, die Hersteller bieten aber gewöhnlich online und telefonisch Hilfestellungen an.

Schon bald im Handel

Wie lange es noch ungefähr dauert, bis die Heim-Schnelltests zu haben sind, hat ntv.de vom Anbieter Technomed erfahren, dessen Test in Österreich und Deutschland bereits etabliert ist. Die Firma ist auch ein Lieferant der jüngsten Bestellung des Bundesgesundheitsministeriums von insgesamt rund 800 Millionen Tests.

Geschäftsführer Moritz Bubik geht davon aus, dass der Boson-Schnelltest in einer Woche auf dem Markt sein könnte. Der chinesische Lieferant müsse nur noch Verpackung und Beipackzettel anpassen, sagt er. Aktuell liege die Produktionskapazität bei 6 Millionen Stück pro Woche, demnächst seien 10 Millionen möglich. Zu den ersten Kunden der Österreicher gehören Aldi und Lidl, auch Drogeriemärkte und andere Geschäfte sollen die Heim-Schnelltests künftig verkaufen.

Der Bedarf ist mittelfristig weit größer. Nicht nur die Initiative RapidTests.de wünscht sich, dass wenigstens die Hälfte der Bevölkerung ein bis zwei Tests wöchentlich durchführt, um versteckte Infektionen zu finden und so die Verbreitung des Coronavirus entscheidend einzudämmen. Da aber noch mindestens 30 weitere Sonderzulassungen in der Pipeline sind, sollten wöchentlich 40 oder 80 Millionen verfügbare Laien-Schnelltests alleine schon damit durchaus realistisch sein. Hinzu kommen Anbieter, die ihr Produkt für eine reguläre CE-Zertifizierung eingereicht haben.

Spucken und Gurgeln für Heimtests weniger geeignet

Dabei sind auch Speichel-, Gurgel- oder Spuck-Tests im Gespräch. Moritz Bubik hält sie aber aus einem verständlichen Grund für den Heimgebrauch kaum tauglich. Es gäbe schlicht zu viele Faktoren, die zu unbrauchbaren Testergebnissen führten, sagt er. Ein Problem sei eine Verdünnung des Speichels, schon ein Kaugummi vor dem Test könne zu einem negativen Ergebnis führen. Mundspülungen seien sogar in der Lage, vorübergehend den Großteil der Viren zu beseitigen.

Aus ähnlichen Gründen wird es auch kein sogenanntes Freitesten mit den Heimanwendungen geben - ohne Aufsicht wäre die Gefahr einfach zu groß, dass geschummelt wird. Für den Zugang zu Bildungseinrichtungen, Arbeitsstelle, Kultur- oder Sportveranstaltungen wird ein Test nötig sein, der nach aktuellen Plänen der Bundesregierung noch im März von geschultem Personal, unter anderem in Apotheken, durchgeführt werden soll.

Kostenerstattung noch ungeklärt

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Eine offene Frage bei den Heim-Schnelltests ist noch die Kostenübernahme durch die Länder, die dafür zuständig sind. Das Bundesgesundheitsministerium hat bisher lediglich einen "niedrigschwelligen Zugang - gegebenenfalls gegen eine geringe Eigenbeteiligung von 1 Euro" - empfohlen.

Der Endpreis wird mittelfristig wahrscheinlich irgendwo zwischen 5 und 10 Euro liegen. Der Technomed-Test soll laut Moritz Bubik vermutlich im Einzel-Verkauf erstmal 10 bis 12 Euro kosten, größere Mengen könnten entsprechend günstiger sein. Clinitest von Siemens Healthcare wird derzeit online im 20er-Pack für rund 150 Euro plus Versand und Mehrwertsteuer angeboten.

Quelle: ntv.de

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