Panorama

Abschied vom Rekordniveau Was bringt die große Wetterumstellung?

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Die Zeit der Wetter-Extreme ist zunächst vorbei.

(Foto: imago images/onw-images)

Jüngst haben 180 Wetterstationen in Deutschland Temperaturrekorde für den Februar gemeldet. Doch mit dem Achterbahn-Wetter ist nun vorerst Schluss. Die nächsten Tage werden mild, aber etwas kühler. Dann jedoch gehen die Modelle auseinander, wie ntv-Meteorologe Björn Alexander sagt. Eines der Szenarien verheißt nichts Gutes.

ntv.de: Die große Wetterumstellung steht bevor: Kommt der Winter zurück?

Björn Alexander: Erst einmal nicht. Aber wir verlassen jetzt bald das extreme Rekordniveau.

Wie viel Rekorde sind denn gefallen?

Bis jetzt wurden bereits an über 180 Wetterstationen neue Februar-Rekorde gemeldet. Eine absolut außergewöhnliche Wetterlage also, bei der die Sahara-Luft bis weit rauf in den Norden unseres Landes gereicht und das Frühlingsgefühl sogar an die Küsten von Nord- und Ostsee transportiert hat. Und selbst die Abkühlung lässt am Wochenende noch eher milde 7 bis 14 Grad zu. Mit Winter hat das - trotz sich ausbreitender Nachtfröste - also nach wie vor wenig zu tun.

Müssen wir denn im März noch mit dem fast schon berüchtigten Märzwinter rechnen?

Für den März gehen die Wettercomputer momentan natürlich sehr weit auseinander. In der ersten Märzwoche herrscht zwar noch eine relative Einigkeit. Aber so um den 8. bis 10. März herum wären bei einigen Wettermodelle durchaus spätwinterliche Ansätze dabei. Mit Schnee auf den Bergen. Und auch im Flachland wären ein paar nasse Flocken sowie mäßiger Frost denkbar.

Sollte der März 2021 denn nicht eigentlich viel zu trocken werden?

Das kommt ebenfalls darauf an, welche Berechnungen sich in den kommenden Tagen bewahrheiten. Eine mittelschwere Katastrophe würde aus den experimentellen Langzeitprognosen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA folgen.

Björn Alexander

Björn Alexander

Wie sehen denn die März-Berechnungen aus?

Demnach würde der März 2021 knochentrocken ausfallen. Auch andere Vorhersagen sehen ein sehr stabiles Hoch über das erste Monatsdrittel hinaus auf uns zukommen. Doch diese Meinung ist glücklicherweise alles andere als in Stein gemeißelt.

Warum?

Weil gerade der März als erster Frühlingsmonat - meteorologischer Frühlingsbeginn ist ja bereits am 1. März - als Grundlage für das gesamte Frühjahr in Sachen Wasserbilanz enorm wichtig ist. Zumal der April in den letzten Jahrzehnten seinen wechselhaften Charakter mit Schauerwetter ziemlich verloren hat und wir somit fast schon davon ausgehen müssen, dass der April 2021 eher zu trocken als zu nass ausfallen könnte. Zwei zu trockene Monate in Folge sind im Frühling, also in der Jahreszeit, in der unsere Pflanzen "sehr durstig" sind, extrem verheerend.

Was heißt denn "spätwinterliche Ansätze" für den März: Welche Temperaturen könnten uns dann erwarten?

Nach dem Wochenende steigen die Werte tagsüber auf jeden Fall zunächst einmal etwas an. Von Winter gibt es vorerst keine Spur. Anschließend wird es spannender in Sachen Luftmassen-Lotto. Derzeit liegen die vorhergesagten Tiefstwerte für Mitte März in einigen Berechnungen im Bergland bei um oder unter minus 10 Grad Celsius. Im Flachland ist mäßiger Frost unter minus 5 Grad nicht auszuschließen. Aber das ist natürlich noch meilenweit von den Wetter-Rekorden im März entfernt.

Wo liegt denn so die untere Kante, die wir in Deutschland im März bekommen können?

Schaut man beispielsweise mal auf die Rekord-Tiefstwerte des zweiten Monatsdrittels, dann sind es zum Teil sogar unter minus 20 Grad. Im ersten Monatsdrittel sogar unter minus 25 Grad. Da wäre also bis zur Untergrenze der Möglichkeiten schon noch reichlich Luft.

Und wie warm kann es im März maximal sein?

Im letzten Märzdrittel sind frühsommerliche Werte möglich. Zumindest liegen die Rekordwerte häufig bei über 25, teilweise sogar bei über 26 Grad. Der absolute März-Rekord liegt bei 26,8 Grad aus dem Jahr 1989 in Schallstadt-Mengen in Baden-Württemberg.

Vom März zum letzten Februarwochenende: Was machen die Wetterkarten?

Die bringen uns hinter der Kaltfront von Tief "Dieter" einen Luftmassenwechsel. Damit wird es nicht nur kühler. Der Saharastaub ist ebenfalls weg und ebenso die zum Teil sehr hohe Feinstaub-Belastung, die vor allem im Süden und Osten zuletzt deutlich über dem europäischen Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter lag. Teilweise waren es sogar über 100 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Wie sieht es bei den Pollen aus? Allergiker haben momentan nämlich kaum etwas zu lachen.

Vor allem Erle und Hasel sind in sehr hohen Konzentrationen unterwegs. Nach dem Ende der teils eiskalten Temperaturen und mit der Frühlingsluft ist die Pollenbelastung geradezu explodiert. Und leider gibt es hier auch nur wenig Entlastung. Vorübergehend kann die Konzentration mal kurz runtergehen. Alles in allem bleibt das Niveau aber hoch, da kein nennenswerter und flächendeckender Regen in Sicht ist.

Was macht denn die Sonne am Wochenende? Die meldet sich mit dem nächsten Hoch "Jacqueline" von Südwesten und Westen her erneut zurück. Lediglich im Osten bleibt es bis einschließlich Sonntag tendenziell noch wolkiger. Die Temperaturen erreichen hierbei am Samstag zwischen 5 und 13 Grad. Am Sonntag werden es 7 bis 13 Grad.

Und Nachtfrost?

In der Nacht zum Samstag muss man besonders in der Mitte sowie im Westen mit leichtem Frost oder Bodenfrost rechnen. Die Nacht zum Sonntag kann dann aber auch im übrigen Land frostig verlaufen.

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Welches Wetter bekommen wir zum Märzbeginn?

Frühlingshaft schönes und mildes Wetter mit reichlich Sonne. Zumindest für die meisten von uns. Denn zwei Ausnahmen gibt es: einerseits die teilweise trüben Tal- und Nebellagen im Süden, andererseits die Nordlichter. Hier breiten sich zum Mittwoch nämlich auch mal kompaktere Wolkenfelder aus. Dazu bleibt es sehr mild mit 7 bis 14 Grad am Montag. Der Dienstag bringt 8 bis 18, der Mittwoch 7 bis 17 Grad.

Quelle: ntv.de

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