Mindestens 164 ToteWas zum Erdbeben in Venezuela bisher bekannt ist

Binnen weniger Sekunden erschütterte ein Doppel-Erdbeben Venezuela. Mindestens 164 Menschen sterben, mindestens rund 1000 sind verletzt. Was bislang bekannt ist – und welche Fragen offen bleiben:
Was wir wissen
Zahl der Toten: Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten nach Angaben der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf mindestens 164 gestiegen. Mindestens 971 Menschen wurden verletzt, wie Rodríguez im Sender VTV mitteilte. Bei den Erdstößen stürzten zahlreiche Gebäude ein. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Wo genau die 164 Toten geborgen wurden, ist noch nicht bekannt.
Ort des Erdbebens: Das erste Beben ereignete sich um 18.04 Uhr Ortszeit (0.04 Uhr MESZ), 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein. Wie Rodríguez zuvor mitgeteilt hatte, wurde der Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste am schwersten getroffen. Er liegt etwa 200 Kilometer östlich der Epizentren. Dort befinden sich auch der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen des Landes.
Stärke des Erdbebens: Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es gab demnach schon 20 Nachbeben. Es war das stärkste Beben in dem Land seit mehr als einem Jahrhundert.
Welche Hilfe angeboten wird: US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. US-Außenminister Marco Rubio erklärte kurze Zeit später, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Zudem sind von den Vereinten Nationen koordinierte Rettungsteams auf dem Weg in das südamerikanische Land. Die Retter "sind schon auf dem Weg in unser Land", um bei der Suche nach Verschütteten zu helfen, sagte Rodríguez. Die Schweiz kündigte die Entsendung eines 80-köpfigen Teams von Rettungshelfern und Spürhunden nach Venezuela an. Zudem sollten 18 Tonnen Hilfsgüter in das Land geflogen werden, erklärte das Außenministerium in Bern. Da Venezuelas Luftraum derzeit für die meisten europäischen Fluggesellschaften gesperrt sei, werde derzeit nach einem Weg gesucht, die Retter und ihre Ausrüstung so schnell wie möglich in das Land zu bringen. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, sein Land werde "sofort" ein Team von 85 auf Such- und Trümmerräumungseinsätze spezialisierten Helfern nach Venezuela entsenden.
Was tut Deutschland? Deutschland stellt Venezuela kurzfristig Hilfe in Aussicht. Die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern, teilt das Verteidigungsministerium mit. Bundeskanzler Merz zeigt sich betroffen. "Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. "Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung." Auch Außenminister Johann Wadephul zeigte sich auf X "zutiefst bestürzt" und sagte Hilfe zu.
Was wir nicht wissen
Zahl der Opfer: Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte USGS legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. Allein in den relativ nahe der Epizentren gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede. Rettungskräfte suchen in den Trümmern nach Überlebenden und weiteren Opfern. Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als 1000 Todesopfern nahe.
Sind Deutsche unter den Opfern? Die Bundesregierung hat bislang keine Erkenntnisse über deutsche Staatsangehörige unter den Opfern. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die Lage sei noch unübersichtlich und das gesamte Ausmaß nicht absehbar. Es sei leider mit sehr vielen Todesopfern zu rechnen. Aktuell würden Hilfsoptionen über verschiedene Partner geprüft. Der Krisenstab der Bundesregierung solle zur weiteren Koordinierung im Auswärtigen Amt zusammentreten. In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts sei eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger in dem Land eingetragen. Die Zahl gibt nicht die tatsächliche Anzahl deutscher Staatsangehöriger im Land wieder, da Deutsche im Ausland keiner Meldepflicht unterliegen. Venezuela gilt derzeit nicht als Reiseland, wegen der Sicherheitslage besteht seit längerem eine Teilreisewarnung.