Panorama

Missbrauch in Lügde Weitere Kinder aus Familien genommen

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Mehrfach haben Polizeibeamte in der abgesperrten Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde bereits Spuren gesichert.

(Foto: dpa)

Der Missbrauchsfall in Lügde weitet sich aus: Nun nimmt das zuständige Jugendamt fünf weitere Kinder in Obhut. Auch sie sollen Missbrauchsopfer gewesen sein. Ihre Eltern könnten die Täter dabei unterstützt haben.

Im Zusammenhang mit dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde hat das Jugendamt Lippe fünf weitere Kinder in Obhut genommen. Das bestätigte ein Sprecher des Kreises. "Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz", sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John dem WDR. John erläuterte, es bestehe der Verdacht, dass die Eltern die Kinder den mutmaßlichen Tätern zum Missbrauch "zugeführt hätten".

Die fünf Kinder stammten aus drei Familien. Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, sagte der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums von Mittwoch handelt es sich um vier Kinder eines alleinerziehenden Vaters, von denen drei Opfer des massenhaften Missbrauchs auf dem Campingplatz geworden seien. Das vierte Kind sei vorsorglich in Obhut genommen worden. Der Vater werde schon länger der Beihilfe zum Missbrauch verdächtigt. Damit widersprach das Innenministerium den Angaben des Kreises. Der hatte alle vier Kinder als Opfer bezeichnet. Das fünfte in Obhut genommene Kind gehöre zu einer alleinerziehenden Mutter. Das Kind sei ebenfalls Opfer, die Mutter stehe aber nicht im Verdacht der Beihilfe.

In dem ersten bekannt gewordenen Fall soll ein arbeitsloser Dauercamper gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Es ist von tausenfachem Missbrauch die Rede, dem mehr als 30 Kinder zum Opfer fielen. Der 56-jährige Hauptverdächtige soll dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, eingesetzt haben, um andere Opfer anzulocken.

Anfang 2017 hatte der Mann auf Wunsch der im Kreis Hameln in Niedersachsen lebenden Mutter die Pflegschaft für das Mädchen erhalten, das schon länger bei ihm lebte. Von den insgesamt sechs in Obhut genommenen Kindern würden aktuell noch fünf in stationären Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien betreut, sagte der Kreissprecher.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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