"The 1953 Trust"Wem Jeffrey Epstein sein Vermögen vererben wollte
Von Solveig Bach
Unter den neu veröffentlichten Epstein-Akten sind auch Dokumente, die der verurteilte Sexualstraftäter für den Fall seines Todes vorbereitet hatte. Sie geben Einblicke in sein Netzwerk - und seine Familienplanung.
Zwei Tage vor seinen Suizid in Haft unterzeichnete Jeffrey Epstein das Testament, das dann nach seinem Tod gültig wurde. Das ist seit August 2019 bekannt. Damals blieben große Teile des letzten Willens vom 8. August 2019 geheim, es hieß lediglich, Epsteins Haupterbe sei sein Bruder.
Nun lassen die Epstein-Akten einen Einblick in den letzten Willen des verurteilten Sexualstraftäters zu und auch in das Vermögen - damals auf 630 Millionen Dollar geschätzt - das er vererben wollte. Die Einzelheiten sind laut dem "Business Insider" in einem Dokument namens "The 1953 Trust" beschrieben. Darin hatte Epstein festgelegt, wer sein Vermögen erhalten sollte. "The 1953 Trust" ersetzte dem Medienbericht zufolge ein anderes Dokument aus dem Januar 2019. Geschwärzte Versionen beider Dokumente wurden am Freitagabend vom US-Justizministerium als Teil von mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten veröffentlicht.
Der Treuhandvertrag legt detailliert fest, wie mehr als eine Viertelmilliarde Dollar sowie seine diversen Immobilien auf der ganzen Welt nach seinem Tod an mindestens 44 Begünstigte verteilt werden sollten.
Löwen-Anteil für Beinahe-Ehefrau
Den mit Abstand größten Teil aus dem Erbe sollte demnach Karyna Shuliak erhalten. Die Zahnärztin und gebürtige Belarussin ist die letzte bekannte Partnerin von Epstein. Sie ist auch die letzte Person außerhalb des Manhattan Correctional Center, die nachweislich mit Epstein gesprochen hat. Aufzeichnungen des Gefängnisamtes belegen, dass er am Abend vor seinem Tod ein 20-minütiges, nicht aufgezeichnetes Telefongespräch mit ihr führte.
Ihr wollte Epstein insgesamt 100 Millionen US-Dollar hinterlassen, 50 Millionen sofort und weitere 50 Millionen in Form einer Rente. Er plante außerdem, ihr seine weitläufige Zorro-Ranch in New Mexico, sein berüchtigtes Anwesen in Little Saint James sowie sein Grundstück in Great Saint James zu vererben. Darüber hinaus sollte sie seine Wohnung in einer der exklusivsten Gegenden von Paris nahe dem Arc de Triomphe, sein Anwesen in Palm Beach und sein berüchtigtes Stadthaus in Manhattans vornehmer Upper East Side erhalten.
In einer handschriftlichen Notiz auf dem Dokument erklärte Epstein außerdem, er habe Shuliak zusätzlich zu einem 32,73 Karat schweren Verlobungsring 48 lose Diamanten geschenkt, die sie behalten dürfe, falls die Ehe nicht vollzogen würde oder Epstein sterben sollte.
Zehn Millionen hier, zehn Millionen da
Seine Komplizin Ghislaine Maxwell sollte gemäß dem Dokument lediglich 10 Millionen Dollar erhalten. Die heute 64-Jährige wurde 2022 wegen Sexhandels mit Minderjährigen und weiterer Vergehen zu 20 Jahren Haft verurteilt, die sie derzeit im Federal Prison Camp Bryan, einem Frauengefängnis in Bryan, im US-Bundesstaat Texas verbüßt. Die Britin hatte über Jahre minderjährige Mädchen und junge Frauen für den sexuellen Missbrauch durch Epstein rekrutiert.
Darren Indyke, Epsteins langjähriger persönlicher Anwalt, sollte 50 Millionen Dollar erhalten, sein langjähriger persönlicher Buchhalter, Richard Kahn, 25 Millionen Dollar. Epsteins Bruder, Mark Epstein, waren 10 Millionen Dollar zugedacht, allerdings in Form eines Treuhandfonds für seine Kinder.
Sieben weitere Personen, deren Namen jedoch geschwärzt sind, sollten zwischen drei und zehn Millionen Dollar erhalten. Ein nicht geschwärzter Name ist der von Cecile de Jongh. Die ehemalige First Lady der Jungferninseln und Mitarbeiterin von Epstein sollte eine Million Dollar erhalten. Unter den anderen Begünstigten sind weitere Mitarbeitende von Epstein, darunter seine Haushälterinnen sowie Privatjet-Piloten und Wissenschaftler, die Zeit mit Epstein verbrachten und zuvor Forschungsgelder von ihm erhalten hatten.
Zu seinen Erben ernannte Epstein auch die beiden Kinder der norwegischen Botschafterin Mona Juul mit einer Summe von insgesamt zehn Millionen US-Dollar. Juul amtierte früher als Norwegens Botschafterin bei den Vereinten Nationen, heute ist sie als Chefdiplomatin in Jordanien tätig. Bis zur Klärung möglicher Verbindungen zu Epstein wurde sie am Montag von Norwegens Außenminister Espen Barth-Eide suspendiert. Aus früheren Epstein-Dokumenten war bereits bekannt, dass Juuls Ehemann Terje Rød Larsen einen persönlichen Kredit von Epstein erhalten hatte und Epstein außerdem erhebliche Beträge an das von Rød Larsen geleitete International Peace Institute (IPI) gespendet hatte.
Bisher nur Geld für die Opfer
Tatsächlich geflossen sind die Gelder bisher ohnehin nicht. Das liegt weniger an Epsteins Festlegung, dass die Gelder erst zwei Jahre nach seinem Tod ausgezahlt werden sollen, als daran, dass seit Epsteins Tod über den Nachlass juristisch gestritten wird. Im Rahmen eines Entschädigungsprogramms wurden 125 Millionen US-Dollar an mehr als 100 Opfer ausgezahlt. Hinzu kommen dem Business Insider zufolge noch Hunderte Millionen US-Dollar an Steuern, Entschädigungszahlungen und sonstigen Ausgaben.
Epsteins verbliebenes Vermögen reicht bei Weitem nicht mehr aus, um die Vorgaben aus dem 1953 Trust zu erfüllen. Laut der letzten öffentlich zugänglichen Vermögensaufstellung, die beim Nachlassgericht der Amerikanischen Jungferninseln eingereicht wurde, sind lediglich 127 Millionen US-Dollar übrig. Dieser Betrag ist weiterhin bei den Gerichten der Amerikanischen Jungferninseln anhängig.