Panorama

Verbindungen zu Ulvi K. Wer ist der Verdächtige im Fall Peggy?

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In diesem Bushäuschen will Manuel S. Peggy leblos vorgefunden haben.

(Foto: dpa)

Der Tod der neunjährigen Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg beschäftigt die Ermittler seit Jahren. Nun gibt es das Geständnis eines Mannes, allerdings nur für den Transport der Leiche. Der Mann ist der Polizei bereits bekannt.

Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig eine Pressekonferenz anberaumen, können sie meist einen Ermittlungserfolg vermelden. Das war auch am Freitag nicht anders, als die Soko Peggy einen Termin anberaumte. Doch auch mehr als 17 Jahre nach dem Verschwinden der Neunjährigen konnten die Ermittler nicht die Festnahme des oder der mutmaßlichen Täter verkünden.

Aber immerhin haben sie ein weiteres Puzzleteil in dem höchst komplizierten Fall gefunden: Manuel S., den Mann, der Peggys Leiche nach Thüringen brachte. Dort waren 2016 die sterblichen Überreste des Kindes von einem Pilzsammler gefunden worden. Die intensive Ermittlungsarbeit, die dieser Fund nach sich zog, führte schließlich zu Manuel S.

Denn die Ermittler hatten zusammen mit den Skelettteilen auch großflächig Erde aus dem Wald bei Rodacherbrunn abgetragen. In dieser Erde wurden bei einer forensischen Pollenanalyse Torfspuren entdeckt. Der Fund passte zu Pflanzarbeiten, die S. am Tattag ausgeführt hatte. Außerdem wurden Farbreste entdeckt, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", sagte Daniel Götz, Gruppenleiter der Staatsanwaltschaft Bayreuth, dazu.

Leiche im Bushäuschen

Daraufhin wurden das Eltern- und das jetzige Wohnhaus von S. durchsucht, er selbst wurde erneut vernommen. Bei dieser Vernehmung gestand S., er habe Peggys leblosen Körper am 7. Mai 2001 in das Waldstück nach Thüringen gebracht. Ein ihm bekannter Mann habe ihn zu einem Bushäuschen in Lichtenberg gerufen, wo er das Kind zunächst versucht habe wiederzubeleben. Als ihm das nicht gelang, habe er Peggy in eine rote Decke eingewickelt, in den Kofferraum gelegt und sei die etwa 20 Kilometer bis nach Rodacherbrunn gefahren. Wenige Tage später habe er Peggys Ranzen und ihre Jacke bei sich zu Hause verbrannt.

Manuel S. ist inzwischen wieder frei, gegen ihn bestehe kein dringender Tatverdacht, heißt es von der Polizei. Trotzdem ist der 41-Jährige der einzige konkrete Verdächtige, den die Polizei derzeit hat. Für die Ermittler ist er keineswegs ein neues Gesicht. Als Peggy am 7. Mai 2001 verschwand, lebte S. nur drei Häuser von dem Mädchen entfernt, beteiligte sich auch an der Suche nach dem Kind. S. feierte an diesem Tag seinen 24. Geburtstag.

Sogar der Vorwurf, S. habe Peggys Leiche abtransportiert, stand schon einmal im Raum. Erhoben wurde er von Ulvi K., der für den angeblichen Mord sogar verurteilt wurde. Allerdings hatte K. auch andere Namen genannt. Eine der Hauptbelastungszeuginnen gegen Ulvi K. war die Mutter von Manuel S. Ihr Sohn und K. gelten seit einem "Vorfall" in der gemeinsamen Jugend als "verfeindet", schreibt die "Coburger Presse". Vorher waren sie offenbar Freunde. Das Urteil gegen den geistig zurückgebliebenen Mann wurde 2014 jedoch aufgehoben. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge könnte Ulvi K. nun der Mann sein, den S. belastet hat.

Lücken im Alibi

Manuel S. ist von der Polizei auch schon mehrfach nach seinem Alibi befragt worden. Demnach half er seiner Mutter an dem Tag bei Pflanzarbeiten und aß Geburtstagskuchen. Der Mutter zufolge war ihr Sohn den ganzen Tag mit ihr zusammen. Der Polizei liegen aber Aufnahmen aus der Lichtenberger Sparkassenfiliale vor, die S. zeigen, wie er Geld abhebt. Außerdem fuhr Manuel S. noch nach Thüringen, wie inzwischen feststeht.

S. nutzte damals einen goldfarbenen Audi, den die Polizei sicherstellen konnte. Das Auto wird gerade kriminaltechnisch untersucht. Bei ihren Zeugenaufrufen fragt die Polizei gerade noch einmal, wer den Audi am Tattag gesehen hat, vielleicht sogar mit Peggy als Fahrgast. Eine andere wichtige Frage: Hatte Manuel S. schon vor dem Tattag persönlichen Kontakt zu Peggy?

Noch sind diese Fragen nicht beantwortet, die Polizei konnte am Freitag keinen Täter präsentieren. "Die Geschehnisse vor der Verbringung sind noch nicht geklärt", hieß es dazu lediglich. Auch Angaben dazu,  wer die Leiche an S. übergeben haben soll, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen. Vielleicht sind sie aber den entscheidenden Schritt vorangekommen.

Quelle: ntv.de

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