Panorama

Kein normales Silvester Wie Berlin und Köln ins Jahr 2017 kamen

Hunderttausende am Brandenburger Tor begrüßen das neue Jahr - trotz des Terroranschlags vor rund zwei Wochen. In Köln zeigt die Polizei rund um den Dom und am Hauptbahnhof massive Präsenz - auch Polizeipräsident Mathies persönlich.

Selfie-Sticks werden in die Höhe gestreckt, 90er-Jahre-Hits dröhnen durch die Nacht. Um Mitternacht leuchtet ein Feuerwerk minutenlang am Himmel über dem Brandenburger Tor. Ein normales Silvester in Berlin? Wie hier in der Hauptstadt ist vieles anders als sonst.

Diesmal wurde Deutschlands größte Silvesterparty mit deutlich mehr Polizei und hinter Betonsperren gefeiert.  Rund 1500 Polizisten und 600 Ordner sorgten auf der Partymeile am Brandenburger Tor für die Sicherheit. Auch in Köln, Frankfurt und München war die Stimmung zeitweise angespannt. Ein Terroranschlag vor rund zwei Wochen in Berlin hatte viele Menschen erschüttert: Ein Lkw rast auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche, zwölf Opfer sterben. Unter den Toten und Verletzten waren viele Touristen.

Dennoch waren viele Besucher aus der ganzen Welt gekommen, um am Brandenburger Tor ins neue Jahr zu feiern. Der Veranstalter sprach von Hunderttausenden. Abends warteten so viele Besucher an den Kontrollen, dass Eingänge geschlossen wurden. Auch Sicht der Berliner Polizei verlief die Silvesternacht nach bisherigen Erkenntnissen "weitgehend friedlich". Auf der Partymeile habe es vereinzelt Festnahmen wegen Rangeleien gegeben.

Zweifelhafte Kontrollkriterien

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In Köln wurde eine "böllerfreie Zone" ausgerufen.

(Foto: dpa)

Auch auf die Feiern in Köln schauten viele Menschen genau. Die Ereignisse dort sorgten international für Entsetzen. In diesem Jahr wollten Stadt und Polizei alles besser machen, seit Monaten liefen die Vorbereitungen. Die Welt werde an dem symbolträchtigen Tag nach Köln schauen, hieß es. Deswegen hatte man auch den Berliner Lichtkünstler Philipp Geist engagiert, um die Gegend um den weltbekannten Dom mit Licht, Nebel und sphärischen Klängen zu einer Attraktion zu machen.

Was die Welt an Silvester 2016/17 in Köln allerdings auch sah, war sehr viel Polizei. 1500 Beamte waren planmäßig im Einsatz, zehnmal so viele wie vor einem Jahr. In Trupps liefen sie etwa über die Domplatte, die in diesem Jahr von Absperrgittern umringt war. An den Einlassstellen wurden Taschen auf Feuerwerk kontrolliert - es galt eine "böllerfreie Zone".

Am Hauptbahnhof wurden junge Männer von Beamten eingekreist und kontrolliert - nach zweifelhaften Kriterien, wie ein Reporter von n-tv.de berichtete. Die Polizei sagt, sie ähnelten äußerlich "der Klientel vom vergangenen Jahr", also vor allem aus Nordafrika. Polizeipräsident Mathies sprach von 1000 Personen. Er war persönlich vor Ort. Anderen Polizeiangaben zufolge wurden rund 650 Migranten aus Nordafrika und anderen Ländern kontrolliert. Dabei wurden sechs Menschen festgenommen, 29 weitere in Gewahrsam genommen und 30 Platzverweise erteilt.

In Berlin erlebte die Polizei erlebt die Stimmung auf der Partymeile als überwiegend ausgelassen. Dass mit den Ordnungshütern nicht zu spaßen ist, erfuhr ein Besucher am eigenen Leib. Er soll "Bombe, Bombe, Bombe" gerufen haben. Die Antwort beschrieb die Polizei kurz und knapp bei Twitter: "Festnahme & Anzeige. Er feiert nun #Welcome2017 bei uns."

Doch nicht für alle war es eine fröhliche Party. Es habe vereinzelt Festnahmen wegen Rangeleien gegeben, berichtete die Polizei. Außerdem seien zwei Fälle von sexueller Belästigung gemeldet worden. Drei Frauen schilderten der Deutschen Presse-Agentur, sie seien vor der Hauptbühne mehrfach begrapscht worden. "Ich bin im Gedränge an Stellen berührt worden, an denen man nicht berührt worden möchte", erzählt eine junge Schottin.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa

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