Panorama

Der Altkanzler und seine Frau Wie Helmut Kohl seine Tage verbringt

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Das Ehepaar Kohl im Juni in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jedes Mal, wenn Helmut Kohl in der Öffentlichkeit auftritt, ist das Interesse riesengroß. Noch vor Kurzem gab es schlimmste Befürchtungen, wie es Kohl gesundheitlich geht. Nun gibt es neue Einblicke in den Alltag des Kanzlers der Einheit.

Altkanzler Helmut Kohl hat sich von seinem Sturz im Februar 2008 wieder gut erholt. Der "Stern" berichtet, der CDU-Politiker benutze nach seinem Schädel-Hirn-Trauma inzwischen die linke Hand, um zu essen und spreche noch immer undeutlich, insgesamt gehe es ihm aber wieder deutlich besser. Kohl hatte vor zehn Tagen in Berlin an der Verabschiedung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt teilgenommen und dabei auch vor den mehreren hundert Gästen aus Politik und Wirtschaft gesprochen.

Dem Magazin zufolge ist Kohls Terminkalender noch immer prall gefüllt. Er könne die vielen Anfragen kaum bewältigen. Bevor der Altkanzler jedoch sein Tagwerk beginne, schwimme der 83-Jährige im Pool des inzwischen behindertengerecht umgebauten Wohnhauses in Oggersheim. Dazu werde er mit einem Hebesitz in das warme Wasser gelassen, in dem er dann an der Haltestange entlang "pflüge". Danach habe er Frühstückshunger auf Schinkenbrot. Freunde lesen ihm täglich aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Neuen Zürcher Zeitung" vor, weil Kohl wegen seines grauen Stars nicht mehr selbst lesen könne. An fünf Tagen in der Woche sei ein Pfleger im Haus, um Kohl bei seinen Verrichtungen zu unterstützen.

Die Hauptlast der täglichen Betreuung Kohls trage jedoch seine Ehefrau. Die inzwischen 49-jährige promovierte Volkswirtin Maike Kohl-Richter sorge dafür, "dass ihr Mann möglichst viele Erlebnisse hat", schreibt das Magazin und berichtet von Ausflügen ins Elsass, ins Allgäu oder an den Tegernsee. Kohl-Richter fahre dann den Mercedes-Geländewagen, Kohl habe einen drehbaren Beifahrersitz, um ihm, der meist auf den Rollstuhl angewiesen ist, das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.

Eine besondere Liebe

"Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben", hatte Kohl im vergangenen Jahr bei der Feier zum 30. Jahrestag seines Amtsantritts gesagt. In den vergangenen Jahren hatten sich indes die Stimmen gemehrt, Kohls zweite Ehefrau unterbinde den Kontakt zu alten Weggefährten und Freunden. Auch Kohls Söhne, Walter und Peter, hatten berichtet, wie ihnen von Kohl-Richter der Zutritt in das Haus des Vaters verwehrt wurde. Die Rede war von einer "Rasputina, die den armen willenlosen Mann in ihren Klauen hielt". Hintergrund dieser Vorwürfe war unter anderem, dass Kohl-Richter dem Ehepaar Seeber überraschend die Haus- und Autoschlüssel abgenommen hatte. Eckhard Seeber hatte Kohl jahrzehntelang als Fahrer gedient, Hilde Seeber den Kohls den Haushalt geführt. Sie war es auch, die Hannelore Kohl nach ihrem Selbstmord am 5. Juli 2001 gefunden hatte. Auch Kohls frühere Mitarbeiterin Juliane Weber hatte von heute auf morgen keine Möglichkeit mehr, ihren ehemaligen Chef zu erreichen.

Inzwischen hat Kohl-Richter, die unmittelbar nach der Hochzeit 2008 noch Maike Richter-Kohl genannt wurde, möglicherweise verstanden, wie wichtig Kohl seine alten Freunde und sozialen Kontakte sind. Nach dem Besuch des Zurich Film Festivals im Oktober berichtete der Chef des Medienunternehmens Ringier, Marc Walder, Kohl-Richter habe "fürsorglich, umsichtig und stets bemüht" dafür gesorgt, dass ihr Mann jeden, den der kannte, auch begrüßen konnte. Dieter Hundt sprach nach seiner jüngsten Begegnung mit dem Ehepaar Kohl davon, dass "stets einer die Hand des anderen suche".

Guter Kontakt zu Freunden

Zu Kohls engem Freundeskreis gehören noch immer der Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner und "Bild"-Chef Kai Diekmann. Als Holthoff-Pförtner im Sommer seinen langjährigen Lebensgefährten heiratete, war Kohl dabei. Und als Maike Kohl-Richter kurz darauf einige Tage Urlaub machte, sei Diekmann mit seiner Frau Katja Kessler gekommen, um dem Altkanzler Gesellschaft zu leisten. Die drei Tage mit Diekmann seien ein "Ferienspaß ganz nach Kohls Geschmack gewesen". Das habe nicht zuletzt daran gelegen, dass man bei der Lektüre von den Erinnerungen des Bundespräsidenten Theodor Heuss auf alte Briefe von Franz Josef Strauß aus dem Privatarchiv Kohls gewechselt sei.

Selbst Kohls Enttäuschung über Angela Merkel hat sich dem Magazinbericht zufolge inzwischen gelegt. Sie hatte ihren politischen Ziehvater nach der Spendenaffäre der CDU den Ehrenvorsitz der Partei abgenommen, ein Schlag, von dem er sich ebenso wie vom Suizid seiner Frau bis heute noch nicht erholt habe. Auch wenn sich Kohls Unrechtsbewusstsein in der Spendenaffäre bis heute in Grenzen hält, über Merkel spricht er inzwischen auch wieder freundlicher. In der Finanzkrise habe Merkel einfach alles richtig gemacht, soll Kohl die Kanzlerin gelobt haben.

Nach Zeiten der Sorge scheint Kohl zur Ruhe gekommen zu sein. Zu wünschen wäre ihm, dass er den Frieden, den er mit seiner Frau und seiner Partei gefunden hat, auch noch mit seinen Söhnen machen kann.

Quelle: n-tv.de

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