Panorama

Sportler und Laien sind ein Team Wie Profisegler Thunbergs Reise ermöglichen

14 Tage und Nächte mit lärmenden Wellen, Astronautenkost und wenig Schlaf. Auch für Profisegler Boris Herrmann ist der Trip mit Klimaaktivistin Greta Thunberg ein außergewöhnliches Erlebnis. Der Segelalltag wird für alle hart, denn an Bord gibt es weder eine Toilette noch Privatsphäre.

Greta Thunberg, Vater Svante, die beiden Profisegler Boris Herrmann und Pierre Casiraghi sowie ein Filmemacher bilden ein Team, das Tag und Nacht auf dem Atlantik verbringen wird, um in die USA zu segeln. Das Ziel von Greta Thunberg ist der UN-Klimagipfel in New York, zu dem sie mit dem klimafreundlichen Boot anreist und ganz bewusst auf das Flugzeug verzichtet. Dafür nehmen alle Segel-Teammitglieder viele Strapazen auf sich.

Nicht nur für die 16-jährige Klimaaktivistin ist die rund zweiwöchige Überfahrt mit dem Boot etwas Besonderes. Auch der deutsche Skipper Herrmann ist von der Idee begeistert, weil die Schwedin etwa Neues wagt: "Es hat so was noch nie in der Geschichte des Segelns gegeben, dass jemand in einem Rennboot über den Atlantik segelt, der gar keine Segelerfahrung hat", sagt er im Interview mit n-tv. Er führt das Team an und ist für das Wohl der Segler verantwortlich.

Für die Profis an Bord ist es auch eine Umstellung: "Diese Reise wird natürlich etwas anders als unsere Regatten. Normalerweise würde wir uns nicht darum scheren, wie stark der Wind ist. Wir wollen da so schnell wie möglich segeln und würden das Boot durch die See prügeln. Aber in diesem Fall mit Greta an Bord versuchen wir die Reise an Bord so erträglich wie möglich zu machen", erklärt der Deutsche bei n-tv. Sie müssten einen Weg finden, wo es nicht zu viel See- und Wellengang gäbe, beschreibt er die große Besonderheit.

Die Hightech-Segeljacht wird normalerweise bei Hochseerennen eingesetzt. Thunberg hat sich das Boot "Malizia" extra ausgesucht, weil es emissionsfrei unterwegs ist. Beispielsweise erzeugen Solarmodule Strom, den die Crew für vielerlei Dinge nutzen kann. Bei einer Besichtigung erklärt Herrmann, wie das alles genau funktioniert und zeigt auch, wie herausfordernd die Situation für das zusammengewürfelte Segelteam aus Laien und Profis sein wird. "Mit diesem Strom betreiben wir den Computer, das Telefon, die Elektronik und den Autopiloten - eben alles, was man so braucht."

Als Rennjacht muss die "Malizia" besonders leicht sein. Deswegen gibt es keinerlei Komfort, weder Dusche noch Toilette. Für die Notdurft muss ein Eimer ausreichen. In den Kojen wird in Schichten geschlafen, Privatsphäre gibt es nur durch einen schwarzen Vorhang.

Alles ist spartanisch und abenteuerlich

Genauso spartanisch wie der Rest sieht die Küchen-Ausstattung an Bord aus: "Die Küche besteht aus einem Campinggaskocher, der sehr schnell Wasser erhitzen kann. Und dieses Wasser kommt dann in einen Beutel mit gefriergetrocknetem Essen. Das sind unsere Hauptmahlzeiten und zwischendurch gibt es dann natürlich auch ein paar Früchte und Snacks", berichtet Herrmann.

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Auf diesem Weg segelt die Crew in die USA.

(Foto: n-tv.de)

Greta Thunberg hat keine Segelerfahrung und kann, wenn sie möchte, ein paar Kniffe von zwei echten Profis lernen. Herrmann würde ihr gerne etwas beibringen. Er habe mit ihr auch Übungen zur Selbstberuhigung gesprochen. Für sie sei die Tour ein "großer Sprung ins Ungewisse".

Das Team wird sich in den kommenden Tagen und Wochen arrangieren müssen. Die Reise im Sinne der Klimarettung ist nicht nur ein mediales Großereignis, sondern für das Team eine echte sportliche und menschliche Herausforderung. Wenn alles gut läuft, werden sie in rund zwei Wochen ihr Ziel erreichen.

Quelle: n-tv.de