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Gefährliche Liebe Wie sich zwei Soldaten im Irakkrieg verliebten

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Nayyef Hrebid und Btoo Allami lernten sich im Irak-Krieg kennen und lieben.

(Foto: outofiraq/youtube)

Sie lernen sich in Ramadi kennen - einem der grausamsten Schauplätze des Irakkriegs. Umgeben von Mord und Leid verlieben sich Nayyef Hrebid und Btoo Allami. Es ist eine gefährliche Liebe.

Als sich Nayyef Hrebid und Btoo Allami 2003 in Ramadi kennenlernen, explodieren dort täglich Bomben. Hrebid ist US-Dolmetscher, Allami ein irakischer Soldat. Sie verlieben sich, doch das Schicksal stellt die beiden Männer auf eine harte Probe: 12 Jahre vergehen, bis sie als Paar zusammenleben können.

Im Interview mit der britischen BBC erzählen sie ihre Geschichte. Hrebid, der gerade ein Kunststudium abgeschlossen hatte und auf Jobsuche war, heuert als Dolmetscher bei der US-Armee an. Er bekommt den Job und wird in Ramadi stationiert - einem der grausamsten Schauplätze des Irakkriegs. Hrebid fühlt sich an diesem schrecklichen Ort fehl und fragt sich: "Warum bin ich hier, warum tue ich das?"

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Bis eine zufällige Begegnung alles ändern soll: "Eines Tages saß ich vor den Duschkabinen und da sah ich Btoo zum ersten Mal. Seine Haare glänzten schwarz und er lächelte. Ich hatte noch nie etwas Schöneres gesehen", zitiert die BBC Hrebid. Doch zunächst traut er sich nicht, Btoo anzusprechen. Vier Tage vergehen, bis ein Zufall die beiden Soldaten erneut zusammenbringt und er von Btoo zum Essen eingeladen wird. An diesem Abend reden sie die ganze Nacht hindurch. Als sie sich später zum ersten Mal küssen, ist beiden Männern klar: Ihre Beziehung muss geheim bleiben.

Homosexualität ist im Irak zwar nicht offiziell verboten, trotzdem müssen homosexuelle Menschen mit Verfolgung, Gewalt oder sogar Mord rechnen, wenn man sie ertappt. Doch Hrebid und Allami verbringen immer mehr Zeit miteinander und schon bald können sie ihre aufkeimende Liebe nicht mehr verheimlichen. "Einige Soldaten redeten ab dem Moment nicht mehr mit uns. Ein Kollege, der wie ich als Dolmetscher arbeitete, attackierte mich und brach mir den Arm", erinnert sich Hrebid.

Hochzeit am Valentinstag

2007 folgt ein Einsatz in Diwaniyah im Süden des Iraks. Zwar sind sie wieder in derselben Stadt, aber ihre Beziehung müssen sie immer noch geheimhalten. 2009 beantragt Nrebid schließlich Asyl in den USA. Er hat schon zu lange für die US-Armee gearbeitet und konnte in seiner Heimat als Verräter betrachtet werden, erzählt er in dem BBC-Interview. Als sein Asylantrag angenommen wird, zieht er nach Seattle. Doch die Hoffnung, sein Geliebter würde schnell nach kommen, erfüllt sich nicht.

Denn Allamis Familie findet heraus, dass Btoo schwul ist. Sie organisiert eine Hochzeit mit einer Frau, doch Allami gelingt die Flucht nach Beirut. Dort hat Allami insgesamt neun Gespräche mit UN-Flüchtligsvertretern, immer wieder wird ihm der Flüchtlingsstatus verweigert. "Das Warten war sehr hart", erinnert sich Allami.

Erst als er versucht, ein Visum in Kanada zu bekommen, hat er Glück. 2013 siedelt Allami nach Vancouver um. Jetzt trennt das Paar nur noch 225 Kilometer. Jedes Wochenende legt Hrebid die Strecke mit dem Bus zurück, um seinen Freund zu besuchen. Am Valentinstag 2014 heiraten die beiden in Kanada und Allami beantragt erneut ein Visum für die USA. Es dauert ein weiteres Jahr, bis die Einladung der US-Behörde für ein Interview kommt. Nach knapp vier Fragen überbringt die Beamtin die frohe Botschaft: "Ihr Antrag wurde zugelassen, Sie dürfen in die USA einwandern."

Einen Monat später ziehen die beiden Männer zusammen und heiraten in Seattle ein zweites Mal. "Das war der glücklichste Tag meines Lebens".

Die ungewöhnliche Liebesgeschichte wurde verfilmt. In der Dokumentation "Out of Iraq" erzählen die beiden, wie schön es ist, endlich Hand in Hand auf der Straße zu laufen. "Wir leben unseren Traum".

Quelle: n-tv.de, dsi

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