Panorama

Ansturm auf Vakzin bleibt aus Wird Sputnik in der Slowakei zum Ladenhüter?

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Das Verfallsdatum der eingelagerten Sputnik-V-Dosen, die in der Slowakei viele Verwerfungen auslösten, rückt näher. Daher beginnt das Land heute mit der Verimpfung des russischen Vakzins.

(Foto: picture alliance/dpa/TASR)

200.000 Dosen Sputnik V lösen vor drei Monaten in der Slowakei eine Regierungskrise aus. Lange ist nicht klar, ob der Impfstoff zum Einsatz kommt. Trotz großem Widerstand gibt die Regierung heute schließlich den Startschuss. Doch die Nachfrage nach dem russischen Vakzin ist bislang gering.

Mehr als drei Monate nach dem umstrittenen Ankauf von Sputnik V kommt der russische Corona-Impfstoff in der Slowakei nun zum Einsatz. Nach Ungarn ist die Slowakei damit das zweite EU-Land, in dem das Vakzin verimpft wird. Denn eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) steht bislang aus. Der damalige Ministerpräsident Igor Matovic setzte große Hoffnungen in den russischen Impfstoff, der die schleppende Impfkampagne im Land auf Touren bringen sollte. Doch schon vor dem heutigen Impfstart zeichnete sich ab: Die Slowaken haben wenig Interesse an Sputnik V. Nur wenige haben sich seit Beginn der Registrierung für einen Termin angemeldet.

Einer von ihnen ist ein Mann aus der Industriestadt Zilina. Er erhielt heute als Erster eine Spritze mit Sputnik V, wie der Sender TA3 berichtet. "Ich habe wirklich auf Sputnik gewartet", sagte der Slowake, der in christlicher Pilgertracht erschien. Russland habe eine lange Tradition bei der Impfstoffentwicklung.

Auf Menschen wie ihn setzte Ex-Regierungschef Matovic, als er am 19. Februar auf eigene Faust zwei Millionen Sputnik-Dosen orderte. Und das, obwohl sich sein eigenes Kabinett nur einen Tag zuvor dagegen ausgesprochen hatte. Als dann Anfang März die erste und bisher einzige Lieferung von 200.000 Dosen am Flughafen im ostslowakischen Kosice ankam, nahm er diese dort persönlich in Empfang. "Die Slowakei wird auf der Grundlage von Sputnik das Tempo der Impfungen um mehr als 40 Prozent beschleunigen", versprach der damalige Ministerpräsident.

Doch zunächst bereiten die gelieferten Sputnik-Dosen nur Probleme: Erst erklärt die Arzneimittelbehörde in Bratislava, dass das Gelieferte nicht dem entspreche, was man erwartet habe. Dafür muss sie sich von Matovic beschimpfen lassen. Dann fordert die russische Seite den Impfstoff zurück: Die Slowakei habe gegen Vertragsbestimmungen verstoßen, heißt es. Somit liegt der Impfstoff monatelang im Schrank - und das Verfallsdatum rückt immer näher.

Später Triumph für Matovic?

Die Haltbarkeit des Vakzins läuft im Sommer ab. Vergangene Woche ringen sich schließlich die Behörden dazu durch, trotz heftiger innenpolitischer Kritik, Sputnik V den Startschuss zu erteilen. Dass der Impfstoff jetzt doch ohne Zulassung der EMA und trotz der Vorbehalte der slowakischen Arzneimittelbehörde und mehrerer Regierungsmitglieder verimpft werden soll, gilt als später Triumph Matovics - und Moskaus. Gesundheitsminister Vladimir Lengvarsky hatte noch vor einer Woche bemängelt, dass Russland noch immer nicht die komplette Dokumentation geliefert habe, die eine nationale Zulassung rechtfertigen würde.

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Mit seiner Forderung, den Impfstoff erst nach einer EU-Zulassung einzusetzen, konnte sich Lengvarsky jedoch nicht gegen die Mehrheit der anderen Minister der Vier-Parteien-Koalition durchsetzen. Wie das Angebot einer Sputnik-Impfung angenommen wird, darüber will Lengvarsky keine Prognose abgeben. Matovic, den sein Alleingang inzwischen sein Amt gekostet hat, hatte damals argumentiert, dass viele seiner Landsleute sich eben nur mit Sputnik V impfen lassen würden. "Es gibt Schätzungen, die von 80.000 Interessenten ausgehen", sagte jüngst auch der Gesundheitsminister. Man müsse aber in Betracht ziehen, dass die Altersgruppe für Sputnik V begrenzt ist auf die Spanne von 18 bis 60 Jahren. "Wir haben Impfstoff für 100.000 vollständige Impfungen. Ich hoffe - nein: Ich denke, dass das ausreichen wird."

Nach den bisher veröffentlichen Zahlen dürfte er Recht behalten: Bislang haben sich im ganzen Land nur rund 5000 Impfwillige gemeldet. Für das zurückhaltende Interesse der Bevölkerung macht Matovic, der auf den Posten des Finanzministers gerückt ist, in einem Eintrag in den sozialen Netzwerken eine "dreimonatige niederträchtige Kampagne" gegen Sputnik V verantwortlich. Doch auch er selbst will sich nicht damit impfen lassen. Er müsse als Minister viel reisen, sagte er vor Kurzem der Zeitung "Sme". Die Sputnik-V-Impfung werde aber nicht von allen Ländern anerkannt.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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