Panorama

Verheerendes Beben in Italien Zahl der Erdbeben-Toten steigt auf 73

Ein schweres Erdbeben lässt vor allem in der zentral-italienischen Provinz Rieta zahlreiche Häuser einstürzen. Dutzende Menschen werden unter Trümmern eingeschlossen, die Opferzahlen steigen. Bei den Menschen erwachen Erinnerungen an das verheerende Beben 2009 in L'Aquila.

Ein schweres Erdbeben hat in Mittelitalien mehrere kleine Orte in einer Bergregion etwa 150 Kilometer nordöstlich von Rom verwüstet. Zahlreiche Menschen wurden verschüttet. Häuser glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Straßen. Die Zahl der Toten steigt beinahe im Stundentakt. Der Zivilschutz sprach am Nachmittag von 73 Menschen, die ums Leben kamen. Die Opfer stammen aus den Orten Pescara del Tronto, Accumoli und Amatrice.

Die Lage blieb auch am Mittag unübersichtlich. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen. Das Erdbeben von einer Stärke von mehr als 6 und mehrere Nachbeben hatten in der Nacht die gesamte Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken erschüttert. Das Beben war auch in Rom und an der Adria-Küste zu spüren.

Der Erdstoß hatte sein Zentrum in der Provinz Rieti. Gebäude stürzten ein, Menschen wurden unter Trümmern begraben. Nach ersten Schätzungen sind mehrere Hundert Menschen obdachlos. Allein der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar. "Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren", sagte er der Nachrichtenagentur Ansa. "Obwohl August ist, herrschen hier nachts zehn Grad."

Deutschland bietet Hilfe an

Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, sprach von einem Beben, das vergleichbar sei mit dem in L'Aquila im Jahr 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, vor allem weil das Beben direkt die Stadt mit Zehntausenden Einwohnern traf. L'Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.

Um 3.30 Uhr in der Nacht hatte die Erde plötzlich begonnen, zu beben. "Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern", sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24. Straßen waren blockiert, der Strom war ausgefallen. Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte der Region jegliche Unterstützung zu. "Wir lassen niemanden alleine", sagte Renzi in einer kurzen Erklärung. Es gehe nun vor allem darum, weitere Opfer aus den Trümmern zu retten. Er dankte den Helfern, die teils vom ersten Moment mit bloßen Händen nach Verschütteten gegraben hatten. Er werde selbst am Nachmittag in das Erdbebengebiet reisen.

2c030afca4236033733e5997ecdee00a.jpg

Pescara del Tronto war mit am schwersten von dem Beben betroffen.

(Foto: dpa)

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier bot Italien Unterstützung an. "Die Nachrichten über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen. Wir stehen in dieser Stunde in Trauer und Solidarität vereint an der Seite unserer italienischen Freunde und Partner", hieß in seiner Mittelung. "Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten."

Italien fragt Satellitenbilder an

Angenommen hat Italien bereits ein Hilfsangebot der Europäischen Union. Krisenmanagement-Kommissar Christos Stylianides teilte mit, das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen sei in Kontakt mit den italienischen Behörden. In einem ersten Schritt habe Italien die Nutzung des EU-Satellitenbilder-Dienstes EMS angefragt. Dieser Dienst wurde eingerichtet, um im Katastrophenfall die Lagebeurteilung zu erleichtern. Die Karten können zum Beispiel detailliert das Ausmaß der Schäden zeigen.

Das Beben hatte nach Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,1 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Die italienische Erdbebenwarte gab eine Stärke von 6 an. Das US-Erdbebeninstitut sprach von der Stärke 6,2. Die betroffene Region liegt ungefähr 150 Kilometer nordöstlich von Rom. Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt. Auch Touristen an der Adria-Küste meldeten sich besorgt bei den Feuerwehren.

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. So starben 1908 in Messina auf Sizilien und in Süd-Kalabrien mehr als 100.000 Menschen. Mindestens 3000 Menschen wurden im November 1980 bei Erdstößen in Neapel und 100 weiteren Orten der Region Kampanien getötet.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.