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Mediziner zog auch gesunde Zähne Zahnarzt wegen Körperverletzung verurteilt

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Der angeklagte Zahnarzt im Hamburger Amtsgericht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Zahnarzt in Hamburg verspricht seinen Patienten ein perfektes Lächeln und zieht dafür reihenweise Zähne, um sie durch Implantate zu ersetzen. Wegen seiner radikalen Eingriffe verurteilt ein Gericht den Mediziner zu einer Bewährungsstrafe. Zudem muss er Schmerzensgeld zahlen.

Wegen gravierender Behandlungsfehler hat das Amtsgericht Hamburg einen Zahnarzt zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 55-Jährige habe sich in vier Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte Richterin Jessica Oeser. Den vier Patienten muss der Angeklagte ein Schmerzensgeld von jeweils 9000 Euro zahlen.

Der Mediziner hatte bei den drei Frauen und einem Mann zwischen März 2009 und November 2010 radikale Eingriffe vorgenommen. Einer heute 58-Jährigen, die an Heiligabend wegen Schmerzen in seine Praxis gekommen war, hatte er gleich am ersten Weihnachtstag in einer achtstündigen Operation unter Vollnarkose 15 Zähne gezogen, darunter 10 gesunde. Ihre 7 übrigen Zähne entfernte er bei einer zweiten OP. Nach Ansicht des Staatsanwalts war dieser Eingriff medizinisch nicht notwendig. Der Zahnarzt soll für die achtstündige OP 18.000 Euro in bar kassiert haben.

Verteidiger plädiert auf Freispruch

Der Zahnarzt habe seine Patienten vor der Behandlung nicht oder nur unzureichend über die riskanten Eingriffe aufgeklärt, sagte der Staatsanwalt. Damit habe er seine besondere Vertrauensstellung als Arzt missbraucht. Die Patienten hätten gravierende Folgen und erhebliche Schmerzen erlitten, auch durch weitere medizinische Fehler. Nach jahrelangen Ermittlungen hatte das Gericht 2015 einen Strafbefehl erlassen, mit dem der Zahnarzt zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt werden sollte. Dagegen hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt.

Der Verteidiger sah in drei Fällen kein strafbares Verhalten seines Mandanten. Zumindest zwei der Patientinnen hätten sich durch die Behandlung ein "Hollywood-Smile" erhofft, sagte Verteidiger. Er zog eine Parallele zur Schönheitschirurgie: "Es gibt vieles, was medizinisch nicht notwendig ist, was aber nicht verboten ist."

Ob der Mediziner aus finanziellen Gründen die Taten beging, wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer meinte, ließ die Richterin Oeser offen. Sie stellte lediglich fest, dass der Angeklagte nach einer Insolvenz wieder eine Praxis eröffnet habe. Da es keine neuen Beschwerden von Patienten gebe und die alten schon so lange zurücklägen, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Mit der Strafe blieb das Gericht knapp unter der Forderung des Staatsanwalts, der ein Jahr und acht Monate auf Bewährung beantragt hatte. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Er ließ offen, ob er das Urteil anfechten werde.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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