Panorama

Nach Kontakt zu Infiziertem Zweiter Corona-Fall in NRW bestätigt

Nach zwei Infizierten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hat sich ein weiterer Verdachtsfall des Coronavirus bestätigt. Dabei handelt es sich um die Ehefrau des Patienten aus Heinsberg. Zudem zeigt eine Klinikmitarbeiterin in Köln Symptome. Laut einem Bericht steht auch ein Bundeswehrsoldat im Fokus.

Nordrhein-Westfalen hat einen zweiten bestätigen Coronavirus-Fall. Wie das Universitätsklinikum Düsseldorf mitteilte, werden dort aktuell zwei Patienten behandelt, die infiziert sind. "Bei der zweiten Person, aus dem engen persönlichen Umfeld des Patienten, liegt nun auch ein positives Testergebnis vor", hieß es in einer Mitteilung. Laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann handelt sich um die Ehefrau des ersten Patienten aus dem Kreis Heinsberg. Sie sei Erzieherin. Das Paar habe zwei schulpflichtige Kinder. Die beiden hätten derzeit allerdings keine Symptome und würden von der Großmutter versorgt, so der CDU-Politiker. Die Ergebnisse, ob die Kinder mit dem Coronavirus infiziert seien, sollen nach Laumans Worten in den nächsten Stunden vorliegen.

Der Patient aus dem Kreis Heinsberg hatte laut dem Heinsberger Landrat Stephan Pusch in den vergangenen 10 bis 14 Tagen eine "unendliche Vielzahl von Kontakten" zu anderen Menschen. Laut NRW-Gesundheitsminister Laumann hatte er - bereits ansteckend - noch während der Karnevalszeit am gesellschaftlichen Leben teilgenommen. Pusch sagte, es gehe jetzt darum, die "Infektionsketten zu unterbrechen".

Nach einem Kontakt mit dem ersten nachgewiesenen Coronavirus-Patienten in Nordrhein-Westfalen zeigt derweil eine Mitarbeiterin der Uniklinik Köln Krankheitssymptome. Das Ergebnis des Coronavirus-Tests stehe bei ihr aber noch aus, sagte der Direktor der Virologie der Uniklinik Köln, Florian Klein. "Es gibt eine Kontaktperson aus dem medizinischen Personal, die leichte Symptome zeigt", sagte er. Sie sei in der Uniklinik isoliert und werde gerade untersucht. Die Frau sei von sich aus in die Klinik gekommen und habe gesagt, sie fühle sich nicht gut. Sie sei daraufhin isoliert worden.

Der Patient war am 13. und am 19. Februar zu regulären Nachsorgeuntersuchungen in der Uniklinik. Nachdem das Kölner Gesundheitsamt am Dienstagabend darüber informiert worden war, dass bei dem Mann das Coronavirus festgestellt worden war, wurde ermittelt, wer mit dem Patienten in Kontakt gekommen war. Ermittelt worden seien zehn Mitarbeitende der Uniklinik und 31 Patienten, sagte ein Sprecher der Stadt Köln. Von diesen 41 Kontakten sei die Frau aus dem medizinischen Personal die einzige, die Symptome aufweise.

Bericht: Verdachtsfall bei Bundeswehrsoldat

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Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, gibt es neben der Klinikmitarbeiterin jedoch noch einen weiteren Verdachtsfall. Demnach soll ein Bundeswehrsoldat mit Verdacht auf das Virus im Bundeswehr-Krankenhaus in Koblenz liegen. Ein Test soll am Nachmittag Klarheit bringen. Die Zeitung beruft sich auf Sicherheitskreise. Der Soldat soll - genauso wie offenbar auch die Kölner Klinikmitarbeiterin - Kontakt zu einem 47-jährigen Corona-Patienten gehabt haben, der derzeit in Lebensgefahr schwebt. Aufgrund des Verdachtsfalls wurde ein Teil des Luftwaffenstützpunktes in Köln-Wahn kurzzeitig abgeriegelt.

Der infizierte Patient in Baden-Württemberg hat sich unterdessen zwei Tage nach den ersten Symptomen beim Gesundheitsamt gemeldet. Der 25-Jährige sei am Freitag (21. Februar) von einem Mailand-Aufenthalt zurückgekehrt, habe am Sonntagmittag Husten bekommen und am Dienstagmorgen Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen, sagte Stefan Brockmann, der Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz am Landesgesundheitsamt (LGA). Noch am selben Tag sei ein Abstrich im LGA untersucht worden, der Patient sei in eine Klinik gekommen.

Mit der Ausbreitung des Coronavirus in Italien und den neuen Fällen in Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesregierung eine "neue Situation" entstanden. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Das Virus ist uns damit deutlich nähergerückt", sagte Seibert. Bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und zu behandeln und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Eine Expertengruppe mehrerer Bundesministerien wollte dazu erneut im Kanzleramt zusammenkommen, wie Seibert mitteilte. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort werde geprüft, welche Maßnahmen nötig seien, um die Viruszirkulation einzudämmen.

RKI will Öffentlichkeit regelmäßig informieren

So würden etwa Risikogruppen identifiziert, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Das Robert Koch-Institut (RKI) werde fortan alle zwei Tage die Öffentlichkeit per Pressebriefing unterrichten. Die in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wegen der dortigen Fälle eingerichteten Krisenstäbe würden vom Gesundheitsressort und dem RKI unterstützt. Auf die Frage, ob die Gesundheitsämter personell besser ausgestattet werden sollten, sagte die Sprecherin, deren Ausstattung sei Sache der Länder und Kommunen. Mit den Ländern stehen man aber in konstantem Kontakt.

Die Europäische Union setzt derweil alles daran, ihre Bürger vor dem neuen Coronavirus zu schützen. Das versicherte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Rom. Die Lage bei der neuen Krankheit könne sich jedoch schnell ändern. Der Italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza betonte, dass es sich um eine internationale Gesundheitskrise handele, nicht so sehr um nationale. Beide hatten sich mit der Direktorin des europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), Andrea Ammon, und dem Europadirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hans Kluge, in Rom zu Beratungen getroffen.

Neue Zahlen der WHO belegen, dass es erstmals seit Ausbruch des Coronavirus mehr neu gemeldete Fälle außerhalb Chinas als in der Volksrepublik selbst gibt. Am Dienstag wurden aus China 411 neue Infektionen mit dem Virus gemeldet, außerhalb Chinas wurden am selben Tag 427 neue Fälle gemeldet, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf berichtete. Das am stärksten betroffene Land außerhalb Chinas ist Südkorea.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa/AFP