Panorama

"Es wird jetzt langsam stärker" Zweithöchste Unwetterwarnstufe für Deutschland

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Touristen kämpfen gegen die Windböen auf dem Brocken - dort herrscht bereits heftiger Sturm mit Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Auswirkungen von Sturm "Sabine" sind in Deutschland bereits zu spüren. Für große Teile des Landes gilt mittlerweile die zweithöchste Unwetterwarnstufe. Im Schwarzwald ist die Gefahr sogar noch höher. Die Deutsche Bahn kündigt den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen an.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für weite Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterwarnstufe wegen des Sturmtiefs "Sabine" herausgegeben. "Es wird jetzt langsam stärker", sagte Michael Hagen vom DWD in Offenbach. In Teilen des Schwarzwaldes gelte sogar die höchste der insgesamt vier Warnstufen.

Das Sturmtief werde die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Auf den Straßen sei dann Vorsicht geboten. Es könnten Äste herabstürzen oder auch Ziegel. Begleitet wird der befürchtete Orkan laut DWD vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern.

"Sabine" sorgt bereits für zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland. Die für heute angesetzte Bundesliga-Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln ist wegen des Sturmtiefs abgesagt worden. Die Deutsche Bahn hat den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen angekündigt. Etliche Fährverbindungen zu den Nordseeinseln wurden laut der Deutschen Bahn bereits eingestellt. Wegen des aufziehenden Orkans rechnete der Flughafen Köln/Bonn mit Ausfällen.

In Großbritannien, wo "Sabine" den Namen "Ciara" trägt, wurden zahlreiche Zugverbindungen und Flüge gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Queen Elizabeth II. sagte ihren Kirchgang im ostenglischen Sandringham aus Sicherheitsgründen für die Schaulustigen ab. In Irland kam es zu Überschwemmungen. Etwa 10.000 Haushalte hatten keinen Strom.

Heftige Stürme im Harz erwartet

Erste Ausläufer von "Sabine" waren Sonntagmittag an der deutschen Nordsee zu spüren. Im Laufe des Tages breitet sich der Sturm dann wohl mit einzelnen Orkanböen auf den gesamten Norden und die Mitte des Landes aus. Dort werde der Höhepunkt in der Nacht zum Montag erreicht, im Süden am frühen Montagmorgen. Begleitet werde der befürchtete Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern, hieß es. Es werden laut ntv-Meteorologen Björn Alexander im Flachland Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde erwartet. In Mittelgebirgen wie dem Harz können es sogar bis zu 200 Kilometern pro Stunde sein - dort allerdings nur in sehr hohen Lagen.

Die Deutsche Bahn bereitetet sich auf mögliche Probleme vor. Wer nicht reisen möchte, kann die Fahrkarte kostenfrei stornieren. "Wir haben alle Bereitschaften mobilisiert und in jeder Region doppelt verstärkt", sagte ein Bahnsprecher am Samstag. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen.

Ab Sonntagnachmittag könne es zu Unregelmäßigkeiten oder Ausfällen kommen, teilte der Flughafen Köln/Bonn auf Twitter mit. Passagiere sollten sich bei ihren Airlines darüber informieren, ob ihr Flug planmäßig abhebe. "Sabine" soll am Nachmittag auf Nordrhein-Westfalen treffen.

Die Deutsche Bahn teilte am Sonntagmorgen mit, die Küstenregionen und stark sturmgefährdete Regionen wie Emden, Norddeich, Kiel und Westerland seien ab der Mittagszeit nicht mehr mit Fernverkehrszügen zu erreichen. Diese Einschränkung betreffe beispielsweise IC-Züge zwischen Norddeich und Hannover/Koblenz, ICE-Verbindungen zwischen Hamburg und Kiel beziehungsweise Westerland sowie die Strecken des EC zwischen Hamburg und Kopenhagen/Aarhus.

Fußballspiel Köln-Gladbach abgesagt

Das ausverkaufte Bundesliga-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, das am Sonntag um 15.30 Uhr stattfinden sollte, wurde aus Sicherheitsgründen wegen des Sturmtiefs "Sabine" abgesagt. "Wir hatten um 5.45 eine Telefonkonferenz mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Deutschen Wetterdienst und haben dann nach intensiven Beratungen uns dagegen entschieden, noch länger zu warten und das Spiel in Abstimmung mit der Deutschen Fußball Liga abgesagt", sagte Borussias Mediendirektor Markus Aretz. "Während der Spielzeit wäre es wahrscheinlich ruhig geblieben, aber bei der Abreise der vielen Besucher bestand dann halt Gefahr." Das Spitzenspiel von Tabellenführer Bayern München gegen RB Leipzig findet hingegen planmäßig statt.

Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. "Sabine" sorgte für weitere Absagen von Fußballspielen: So fiel auch die für 14.00 Uhr angesetzte Nachholpartie der Frauen-Bundesliga zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln den Wetterbedingungen zum Opfer.

Darüber hinaus reagierte auch der Fußballverband Niederrhein auf die Warnungen. Der zuständige Ausschuss sagte alle Partien auf Verbands- und Kreisebene ab. Auch andere europäische Länder rüsteten sich für das Orkantief. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren. Der niederländische Fußballverband KNVB sagte für Sonntag alle Spiele der Profiligen ab. Die Fluggesellschaft KLM annullierte vorsorglich Dutzende innereuropäische Flüge ab und zum Amsterdamer Flughafen Schiphol.

"Sabine" ist ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) werde "Sabine" nicht.

Quelle: ntv.de, kst/sid/dpa