Panorama

Wirbel um "aufreizendes" Kleid Zwölfjährige fliegt aus Schachturnier

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Die Kleidervorschriften bei einem Schachturnier sorgen in Malaysia für eine öffentliche Debatte.

(Foto: imago/Westend61)

Bei einem nationalen Schachwettbewerb in Malaysia disqualifiziert der Turnierleiter ein Mädchen, weil er ihr Kleid für "aufreizend" hält. Der Fall löst in dem muslimisch geprägten Land eine hitzige Debatte aus - auch über die Grenzen religiöser Toleranz.

In Malaysia sorgt der Fall einer Zwölfjährigen für Empörung, die von einem Schachturnier ausgeschlossen worden sein soll, weil ihr Kleid zu "aufreizend" gewesen sei. Der malaysische Schachverband kündigte an, den Fall zu untersuchen und wies Vorwürfe zurück, wonach der Ausschluss des Mädchens religiös motiviert war. In Malaysia ist ein Großteil der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Der Schachlehrer der 12-Jährigen hatte zuvor in einem Facebook-Eintrag berichtet, dass seine Schülerin "belästigt und gedemütigt" worden sei, nachdem sie mitten im Turnier vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde.

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Der Fall ereignete sich demnach bereits am 14. April während des Nationalen Schülerturniers im Schach in Putrajaya südlich der Hauptstadt Kuala Lumpur. "Während der zweiten Runde des Turniers informierte der Schiedsrichter meine Schülerin, dass ihr Kleid unpassend sei und die Bekleidungsvorschriften für den Wettbewerb verletzte", schrieb Schachlehrer Kaushal Khandhar. Später seien das Mädchen und ihre Mutter vom Wettbewerbsdirektor darüber informiert worden, dass das Kleid des Kindes zu "aufreizend" sei und "aus einer bestimmten, weit entfernten Perspektive eine Versuchung" darstelle. Khandhar kritisierte, diese Einschätzung sei "absolut lächerlich".

Der Schachlehrer teilte auf Facebook ein Foto, das die Schülerin in einem blau-rot gestreiften, kurzärmeligen Kleid zeigt, dessen Saum knapp oberhalb des Knies endet. Laut Khandhar bot der Schiedsrichter dem Kind und seiner Mutter an, in einem nahegelegenen Einkaufszentrum ein paar lange Hosen zu kaufen und am nächsten Tag wiederzukommen. Zu diesem Zeitpunkt seien die Geschäfte aber bereits geschlossen gewesen. "Wir sind absolut angewidert von diesem Verhalten", erklärte der Schachlehrer. "Dieses aufgeweckte, junge Mädchen ist seit kurzem Meisterin in ihrem Bezirk und hat ein gewaltiges Potenzial als Schachspielerin. Dieser Vorfall hat sie völlig verstört - und beschämt."

Schachverband will vermitteln

Khandhar forderte den Wettbewerbsleiter auf, sich öffentlich bei der Zwölfjährigen zu entschuldigen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass so etwas nochmal passiert", so der Lehrer. Er kündigte zudem an, rechtliche Schritte zu prüfen, weil die Teilnahme des Mädchens am Turnier mit Kosten verbunden gewesen sei - etwa für Anreise, Unterkunft und Anmeldung. Auch Sieh Kok Chi, der frühere Generalsekretär des Olympischen Rats in Malaysia, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei geschockt und verstört darüber, dass ein Kleid solch ein Problem darstelle. Die Verantwortlichen rief er zum Rücktritt auf.

Mittlerweile wurde der Eintrag von Khandhar tausendfach in den sozialen Medien geteilt - und löste überwiegend Unverständnis für das Verhalten der Wettbewerbsleitung aus. Der Schachverband erklärte, die Kleiderordnung sei im speziellen Fall strenger gewesen, weil das Turnier an einer öffentlichen Schule veranstaltet worden sei. "Wir werden uns aber mit allen Parteien zusammensetzen, um die Sache zu klären", sagte ein Sprecher. "Wir haben nicht viele Schachtalente in Malaysia. Wir wollen, dass sich gute Spieler entfalten."

Quelle: n-tv.de, jug