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Rätselhafte Prüfungsfrage? 130 Schulen schreiben Abiturklausur neu

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Kategorienmodell? Viele Schüler in Baden-Württemberg kannten das Wort in der Prüfungsfrage nicht. Sie dürfen die Abiturklausur wiederholen.

(Foto: imago/Ulmer)

Während die Schüler nach einer Abiturpanne in Baden-Württemberg ihre Noten noch nicht kennen, betont das Ministerium in Stuttgart schon mal, man selbst habe alles richtig gemacht. Schüler von 130 Gymnasien dürfen ihre Abiturprüfung im Fach Gemeinschaftskunde wiederholen. Wann? Sofort.

Nach einer Abiturpanne um den sperrigen Begriff "Kategorienmodell" im Fach Gemeinschaftskunde stehen Abiturienten in Baden-Württemberg vor der Wahl: neu schreiben oder schlechte Note riskieren. Das Kultusministerium in Stuttgart wies zwar jeden Fehler von sich. Trotzdem bot die Behörde den Schülern von etwa 130 Gymnasien an, die Prüfungen zu wiederholen.

So erhielten betroffene Abiturienten am gestrigen Mittwoch eine Erklärung aus Stuttgart mit zwei Wahlmöglichkeiten. Entweder sie akzeptieren die Bewertung der Klausur, ohne Kenntnis der Note oder sie schreiben die Prüfung neu. Die Frist war kurz: Am morgigen Freitag müssten die Wiederholer zur Prüfung antreten. Bisher wollen demnach fünf Prozent der Schüler, die nachschreiben könnten, von dem Vorschlag des Ministeriums zur Nachprüfung Gebrauch machen.

Nach der Abiturklausur hatten Schüler mehrerer Schulen sich beschwert, dass ein Begriff der Prüfungsfrage im Unterricht gar nicht behandelt worden sei. In der Abiturteilaufgabe mussten die Prüflinge die Bedeutung des Verteidigungsbündnisses Nato für die Friedenssicherung anhand eines "Kategorienmodells" erklären. Im Bildungsplan des Landes gehört der Begriff "Kategorienmodell" zum Schwerpunktthema Internationale Beziehungen, einem Teilbereich der Politikwissenschaften. Viele Schüler hatten das Wort aber wohl noch nie gehört.

Ein Ministeriumssprecher sagte, dass der Ausdruck möglicherweise nicht so gebräuchlich sei. Kultusministerin Susanne Eisenmann brachte mit einer ersten Einschätzung die Lehrer gegen sich auf. Die CDU-Politikerin sagte dem SWR: "Wir weisen darauf hin, dass es keine Frage ist, ob man Lust hat, das zu unterrichten - man muss es unterrichten." Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, entgegnete daraufhin, dass das Kultusministerium versuche, die Schuld den eigenen Lehrern zuzuschieben. "Bei der GEW melden sich Lehrkräfte, die übereinstimmend berichten: Die Abi-Aufgabe war falsch formuliert." Das Verhalten des Ministeriums sei eine Frechheit, teilte Moritz mit.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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