Politik

Afghanistan-Liveticker +++ 20:00 Biden wohnt Ankunft der Särge der getöteten Soldatinnen und Soldaten bei +++

US-Präsident Joe Biden hat sich mit Hinterbliebenen der 13 bei dem Terroranschlag in Kabul getöteten US-Soldatinnen und Soldaten getroffen. Im Anschluss wohnten Biden, First Lady Jill Biden, Außenminister Antony Blinken, Verteidigungsminister Lloyd Austin und ranghohe Vertreter der Streitkräfte der Ankunft der Särge der getöteten Soldatinnen und Soldaten bei. Bidens Gespräch mit den Angehörigen fand hinter verschlossenen Türen statt. Die vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz kommenden Särge, jeweils bedeckt mit einer amerikanischen Flagge, wurden von Soldaten am Stützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware für die weitere Überführung aus einem Transportflugzeug entladen. Die Vertreter des Militärs salutierten den Gefallenen, Biden und die übrigen politischen Vertreter hielten ihre rechte Hand ans Herz.

+++ 19:49 Türkei will keine weiteren afghanischen Flüchtlinge aufnehmen +++
Die Türkei ist nach Angaben von Außenminister Mevlüt Cavosoglu nicht bereit, weitere afghanische Flüchtlinge aufzunehmen. "Die Türkei hat ihre ethische Verantwortung übernommen", sagt Cavusoglu nach einem Treffen mit Außenminister Heiko Maas in Antalya. "Wir können keine zusätzlichen Migrationslasten aufnehmen." Das Land hatte in den letzten Jahren bereits einige hunderttausende afghanische Migranten aufgenommen.

+++ 19:35 Maas will noch Zehntausende Schutzbedürftige nach Deutschland holen +++
In Afghanistan befinden sich nach Angaben von Außenminister Heiko Maas noch zehntausende Menschen, die nach Deutschland ausgeflogen werden sollen. "Es gibt noch zehntausende Ortskräfte inklusive ihrer Familien", sagte Maas. Zudem gebe es noch an die Zehntausend Schutzbedürftige. "Das sind noch viele Menschen, die eine Aufnahmenzusage von uns haben", fügt der SPD-Politiker hinzu. Für diesen Personenkreis versuche man nun Wege zu organisieren, wie diese legal das Land verlassen könnten. In Regierungskreisen war in den vergangenen Tagen von mehr als 40.000 Personen inklusive der Familienangehörigen die Rede gewesen.

+++ 19:17 Blinken: Diplomatische US-Vertretung in Afghanistan unwahrscheinlich +++
Die Vereinigten Staaten werden ab September aller Voraussicht nach erst einmal keine diplomatische Vertretung in Afghanistan haben. Dies sei "nicht wahrscheinlich", sagte US-Außenminister Antony Blinken dem TV-Sender NBC. Ähnlich äußerte sich der nationale Sicherheitsberater von Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, gegenüber dem Sender CBS: Der gegenwärtige Plan sei es, keine Botschaft in Kabul zu haben. Außenminister Blinken betonte jedoch, dass die USA über den September hinaus Menschen dabei helfen würden, Afghanistan zu verlassen.

+++ 18:41 Mehr als 21.000 Evakuierte in Ramstein gelandet +++
Mehr als 21.000 Evakuierte aus Afghanistan sind bis zu diesem Sonntag auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas und das US-Konsulat in Frankfurt mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan. Mehr als 6000 Evakuierte seien von dort bereits weitergeflogen. Schutzsuchende kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

+++ 18:07 Taliban sichern geordnete Ausreise von Ortskräften zu +++
Die Taliban haben mehreren Ländern versichert, dass ihre Staatsbürger und Ortskräfte aus dem Land ausreisen dürfen. Man habe von den Taliban Zusicherungen erhalten, dass "alle ausländischen Staatsangehörigen und alle afghanischen Staatsbürger mit einer Reisegenehmigung aus unseren Ländern sicher und geordnet zu Abflugorten sowie aus dem Land reisen dürfen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von mehr als 20 Ländern, darunter die USA und auch Deutschland. Man werde bestimmten Afghanen weiterhin Reisedokumente ausstellen, und man habe die klare Erwartung und Zusage der Taliban, dass diese in die jeweiligen Länder reisen könnten, heißt es in der Erklärung weiter. In den vergangenen Tagen hatten mehrere hochrangige Taliban-Mitglieder öffentlich versichert, dass Afghanen weiterhin über legale Wege aus dem Land ausreisen könnten.

+++ 17:36 USA wollen noch rund 300 ihrer Bürger evakuieren +++
In Afghanistan befinden sich derzeit noch rund 300 US-Bürger, die auf ihre Ausreise warten. Dies sagte Außenminister Antony Blinken dem Fernsehsender ABC. Es werde alles getan, "um sie herauszubekommen". Die US-Armee will am Dienstag ihre letzten Soldaten aus Kabul abziehen und damit die derzeit laufende Evakuierungsmission beenden. Einige US-Bürger hätten sich entschieden, über Dienstag hinaus in dem Land zu bleiben, berichtete Blinken. Diese würden aber "nicht in Afghanistan festhängen". Die USA hätten "einen Mechanismus, um sie herauszubekommen".

+++ 17:17 Pentagon: Mit Rakete beschossenes Auto war mit Sprengstoff beladen +++
Das Fahrzeug, das bei einem US-Drohnenangriff in Kabul getroffen wurde, war nach Angaben des Pentagons mit Sprengstoff beladen. Der "defensive" Angriff habe der Beseitigung einer "akuten Gefahr" für den Flughafen der Stadt durch den Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K) gedient, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Durch den Angriff ausgelöste Explosionsgeräusche aus dem Fahrzeug hätten bewiesen, dass in diesem eine "große Menge an Sprengstoff" gewesen sei.

+++ 16:38 USA verüben Luftangriff auf verdächtiges Fahrzeug in Kabul +++
Die USA haben einen Luftangriff auf verdächtiges Fahrzeug in Kabul ausgeführt. Das bestätigt ein US-Militärvertreter. Zuvor hatte es in der Nähe des Flughafens laut Zeugenaussagen eine Explosion gegeben. Mehr dazu lesen Sie hier.

+++ 16:18 Regierungskreise: USA führen Militärschlag gegen IS in Kabul aus +++
Die US-Streitkräfte haben nach Angaben aus Regierungskreisen erneut einen Militärschlag durchgeführt. Ziel des Angriffs in Kabul seien mutmaßliche Mitglieder der Extremisten der IS-K gewesen, sagt ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei handele es sich allerdings um erste Informationen, die sich noch ändern könnten. Zuvor hatten Augenzeugen von einer Explosion nahe dem Flughafen Kabul berichtet. Anscheinend handle es sich um einen Raketenangriff, sagten zwei Augenzeugen.

+++ 15:58 Biden trifft Familien der bei Anschlag getöteten Soldaten +++
US-Präsident Joe Biden trifft sich mit Hinterbliebenen und Angehörigen der 13 bei dem Terroranschlag in Kabul getöteten US-Soldaten. Biden flog am Morgen (Ortszeit) zum Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware, um die Familien zu treffen und der Ankunft der Särge beizuwohnen, wie das Weiße Haus mitteilte. Sein Zeitplan sah für das Treffen mit den Angehörigen fast zweieinhalb Stunden vor. Die getöteten Soldatinnen und Soldaten waren zwischen 20 und 31 Jahre alt. Unter den Opfern waren elf Marineinfanteristen und je ein Soldat des Heeres und der Marine, wie das Verteidigungsministerium bekanntgab. Fünf der Marineinfanteristen waren gerade mal 20 Jahre alt. Unter den Opfern waren auch eine 23 sowie eine 25 Jahre alte Soldatin.

+++ 15:12 Beamter: Haus in Kabul offenbar von Rakete getroffen +++
Augenzeugen berichten von einer Explosion nahe dem Flughafen Kabul. Fernsehbilder zeigen, wie schwarzer Rauch aufsteigt. Anscheinend handle es sich um einen Raketenangriff, berichten zwei Augenzeugen. Ein Beamter der ehemaligen afghanischen Regierung sagte, die Explosion sei von einer Rakete verursacht worden, die nach ersten Informationen "ein Haus getroffen" habe. Mehr dazu lesen Sie hier.

+++ 14:40 Explosion in Kabul zu hören +++
In Kabul ist eine Explosion zu hören gewesen. Das berichten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP. Über die Ursache ist noch nichts bekannt. Das Pentagon hatte am Freitag erklärt, dass bis zum Abzug der letzten US-Truppen am Dienstag weitere kontrollierte Sprengungen durch das Militär möglich seien. Dabei geht es darum, Teile militärischer Ausrüstung zu zerstören, die nicht den militant-islamistischen Taliban hinterlassen werden soll. Gleichzeitig ist die Gefahr eines weiteren Terroranschlags durch Islamisten dem Weißen Haus zufolge hoch. US-Präsident Joe Biden hält einen Anschlag vor dem endgültigen Abzug für "sehr wahrscheinlich".

+++ 14:25 300 weitere Menschen ausgeflogen, darunter Ortskräfte und Deutsche +++
Mit Unterstützung aus Deutschland sind nach dem Ende der Bundeswehrflüge noch mehr als 300 weitere Schutzbedürftige aus Kabul ausgeflogen worden. Darunter waren nach Angaben aus der Bundesregierung in der Nacht zum Sonntag etwa 140 Deutsche sowie Ortskräfte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes. "Zeit" und "Spiegel" berichteten zudem, dass 189 Schutzbedürftige organisiert von der Rettungsinitiative Luftbrücke Kabul zum Flughafen gebracht und ausgeflogen wurden, darunter auch Mitarbeiter deutscher Medien. Die Bundeswehr hatte ihren Evakuierungseinsatz am Donnerstag beendet. Die US-Streitkräfte sollen bis Dienstag abgezogen sein.

+++ 13:50 USA fliegen weitere Ortskräfte deutscher Firma aus +++
Die USA haben in der Nacht nach Angaben aus Diplomatenkreisen knapp 150 weitere Menschen mit Deutschlandbezug vom Flughafen Kabul ausgeflogen, darunter frühere Ortskräfte und Mitarbeiter einer Firma in Deutschland.

+++ 13:19 Umstrittene Aktion: 150 Tiere aus Kabul in London gelandet +++
Ein Evakuierungsflug mit mehr als 150 Katzen und Hunden aus Afghanistan ist laut einem Medienbericht in Großbritannien angekommen. Wie die "Daily Mail" berichtete, landete das Charterflugzeug am Morgen am Londoner Flughafen Heathrow. Die Organisation Nowzad bestätigte der BBC, dass die Tiere gemeinsam mit Gründer Paul Farthing Afghanistan verlassen konnten. Der britische Ex-Soldat hatte sich zuvor in einer Kampagne für die Evakuierung der Tiere aus einem von ihm gegründeten Tierheim eingesetzt. Nach anfänglichem Zögern erhielt er die Unterstützung der britischen Regierung.

Der Fall löste in Großbritannien eine heftige Kontroverse aus. Bei der britischen Rettungsoperation aus Afghanistan, die am Wochenende zu Ende ging, wurden nach Regierungsangaben mehr als 15.000 Menschen evakuiert. Angesichts von bis zu 1000 Ortskräften, die wegen der knappen Zeit zurückgelassen werden mussten, empörten sich viele Briten jedoch über die Evakuierung von Haustieren.

+++ 13:10 Kriegsherren fordern Regierungsbeteiligung von Taliban +++
In Afghanistan fordern Stammesführer und regionale Herrscher von den Taliban eine Beteiligung an der künftigen Regierung in Kabul. Eine Gruppe afghanischer Führer, sagte Chalid Nur, Sohn von Atta Mohammad Nur, dem einst mächtigen Gouverneur der nordafghanischen Provinz Balkh. Nach seinen Angaben besteht die Gruppe aus dem usbekischen Führer Abdul Raschid Dostum und anderen, die gegen die alleinige Machtübernahme durch die Taliban seien. Die Taliban haben angekündigt, in den nächsten Tagen das vollständige Kabinett bekannt zu geben.

"Wir ziehen es vor, gemeinsam zu verhandeln, weil das Problem Afghanistans nicht von einem von uns allein gelöst werden kann", sagte Chalid Nur Reuters. Es sei wichtig, dass insbesondere die traditionellen Führer in die Regierungsbildung einbezogen würden, sagte Chalid Nur. Der 27-Jährige warnte vor einem Scheitern der Verhandlungen mit dem Taliban. Denn dann würde sich die Gruppe auf den bewaffneten Widerstand gegen die Taliban vorbereiten. "Eine Kapitulation kommt für uns nicht in Frage."

+++ 12:53 Flüchtlingshilfswerk fordert vereinfachten Familiennachzug +++
Angesichts der dramatischen Situation in Afghanistan fordert das UN-Flüchtlingswerk UNHCR von der Bundesregierung Erleichterungen beim Familiennachzug für Flüchtlinge. "Wir hoffen, dass Deutschland jetzt auch Verfahren für die Aufnahme, insbesondere beim Familiennachzug, vereinfacht", sagte die deutsche UNHCR-Vertreterin, Katharina Lumpp, der "Augsburger Allgemeinen". Wenn man schon mehr als ein Jahr warten müsse, nur um einen Termin bei der deutschen Botschaft für den Familiennachzug zu bekommen, verkenne das die Lebensrealität von Flüchtlingen. "Unsere Sorge gilt vor allem den vielen Binnenvertriebenen in Afghanistan, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen", so Lumpp. Fluchtbewegungen und die humanitäre Krise fänden derzeit vor allem innerhalb Afghanistans statt. Innerhalb des Landes seien allein in diesem Jahr über eine halbe Million Menschen zur Flucht gezwungen worden.

+++ 12:35 Maas will weitere Ausreisen über Nachbarländer ermöglichen +++
Bundesaußenminister Heiko Maas will mit seiner Reise in Afghanistans Nachbarländer auf die Ausreise weiterer Deutscher und schutzbedürftiger Afghanen hinarbeiten. Mit seinen für Sonntag angesetzten Gesprächen in der Region wolle er deutlich machen: "Deutschlands Engagement endet nicht mit dem Abschluss der militärischen Evakuierungsmission", erklärte Maas vor Beginn seiner Reise in die Türkei, nach Usbekistan, Tadschikistan, Pakistan und Katar. In Afghanistan hofften "weiterhin unzählige Menschen auf Ausreise", doch die dortige Lage sei "extrem unbeständig und gefährlich". Maas will sich nach eigenen Angaben mit Afghanistans Nachbarstaaten darüber verständigen, "wie Deutsche, unsere Ortskräfte und weitere schutzbedürftige Afghaninnen und Afghanen schnell und sicher nach Deutschland gelangen können".

+++ 12:07 Schwerer Vorwurf: Auswärtiges Amt soll Rettungsflug "aktiv blockiert" haben +++
Mit gewaltigem Aufwand hatte die private Initiative Kabulluftbrücke einen Rettungsflug aus der afghanischen Hauptstadt organisiert. Tatsächlich schafften die Organisatoren es, mit einem gecharterten Flugzeug auf dem noch von den US-Truppen kontrollierten Airport zu landen. Auch der Transport von 170 gefährdeten Menschen mithilfe katarischer Sicherheitskräfte zum Flughafen war den Organisatoren zufolge vorbereitet. Letztlich musste das Flugzeug jedoch nahezu leer abheben. Nun gibt die Inititative dem deutschen Auswärtigen Amt die Schuld am Scheitern der Aktion. Sie veröffentlichte folgendes Statement: "Wir haben als zivilgesellschaftliche Kabulluftbrücke angekündigt, Schutzbedürftigen, die bisher auf offiziellen Listen nicht berücksichtigt oder evakuiert wurden, bei der Evakuierung zu helfen und haben es trotz großer Herausforderungen und massiver Widerstände seitens der deutschen Bundesregierung geschafft. Mit immensem Aufwand konnten wir 18 gefährdete Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit bringen. 18 Menschenleben, dabei hätten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert worden wäre." Mehr dazu lesen Sie hier.

+++ 11:43 Gefahr für Deutschland durch afghanischen IS "hoch" +++
Schon vor dem verheerenden Anschlag am Kabuler Flughafen warnten deutsche Sicherheitsbehörden vor dem erstarkten Ableger des IS in Afghanistan. Die sich selbst als "Islamischer Staat in der Provinz Khorasan" (ISPK) bezeichnende Gruppe hat nach dem Verlust des IS-Territoriums in Syrien und dem Irak an Bedeutung gewonnen, wie unter anderem aus einem Lagebericht der Sicherheitsbehörden hervorgeht aus dem die "Welt" zitiert. Laut den Experten verfügt der IS-Ableger trotz Rückschlägen über die Mittel zu "Komplexanschlägen und gezielten Tötungen". Auch sei der "Gefährdungsaspekt für Deutschland hoch", heißt es in dem Lagebericht, der vor wenigen Wochen verfasst wurde. Nachdem dies in Syrien und im Irak nicht mehr möglich sei, sei Afghanistan in den vergangenen Jahren zum Ziel ausländischer Extremisten geworden, die sich der Terrormiliz anschließen und in Trainingscamps ausbilden lassen wollten.

+++ 11:03 Johnson: Opfer der Soldaten nicht vergeblich +++
Nach dem Ende der britischen Rettungsmission in Afghanistan hat Premierminister Boris Johnson Bilanz des 20 Jahre währenden Militäreinsatzes in dem Land gezogen. "Ihr Leid und Ihre Entbehrungen waren nicht vergeblich", sagte der Regierungschef an die Hinterbliebenen getöteter Militärangehöriger gerichtet. Es sei kein Zufall, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten kein westliches Land zum Ziel von in Afghanistan geplanten Terrorangriffen geworden sei. "Das haben wir der Tapferkeit unserer Streitkräfte zu verdanken, die gekämpft haben, um die Netzwerke bin Ladens auszuschalten", so Johnson in einer Videobotschaft, die per Twitter veröffentlicht wurde.

Zudem seien 3,6 Millionen Mädchen in den Genuss von Bildung gekommen, fügte der konservative Politiker hinzu. Am Samstagabend war das letzte Flugzeug mit britischen Soldaten in Kabul gestartet. Die britischen Streitkräfte hatten in den vergangenen zwei Wochen nach Angaben Johnsons mehr als 15.000 Menschen aus Afghanistan evakuiert.

+++ 10:15 Afghanistan-Veteran und Paralympics-Athlet: Einsatz war "umsonst" +++
Der 2010 in Afghanistan angeschossene Para-Sportschütze Tim Focken empfindet den Bundeswehr-Einsatz in dem von den Taliban zurückeroberten Land als Fehler. "In Anbetracht der jetzigen Lage fühlt es sich so an, als wäre der Einsatz umsonst gewesen", sagte der erste kriegsversehrte deutsche Paralympics-Teilnehmer im Interview mit der "Bild am Sonntag". "Das kann ich nicht anders deuten. Ich denke, diese Frage stellt sich jeder Soldat, der das verfolgt hat." Der 37 Jahre alte Focken erklärte zudem, dass die Idee, einen einsatzversehrten Bundeswehr-Soldaten zum Paralympics-Teilnehmer zu machen, vom früheren Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière kam. Er habe "den Wunsch geäußert", sagte Focken. Der in die Sportfördergruppe in Warendorf eingegliederte Soldat schießt heute um die Paralympics-Medaillen.

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Nicole Gee liebte ihren Beruf als Soldatin, wie sie kurz vor ihrem Tod auf Instagram schrieb.

(Foto: picture alliance/dpa/U.S. Marine Corps via AP)

+++ 09:36 Elitesoldatin wurde mit Baby-Foto bekannt - bei Anschlag getötet +++
Die Marineinfanteristin Nicole Gee hält auf dem Flughafen Kabul schützend ein afghanisches Baby im Arm, wie ein vom US-Verteidigungsministerium verbreitetes Foto zeigt. Auf der Plattform Instagram postete die 23-jährige Unteroffizierin US-Medien zufolge das gleiche Foto und schrieb: "Ich liebe meinen Beruf." Wenige Tage später ist die aus dem Bundesstaat Kalifornien stammende Frau tot: Sie war am Flughafen Kabul im Dienst, als sich vor dem Tor des Geländes am Donnerstag ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Dabei wurden Dutzende Zivilisten und 13 US-Soldaten getötet, die an dem Evakuierungseinsatz in Kabul teilnahmen. Gee war eine von ihnen.

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte die vollen Namen der getöteten Soldaten am Samstag. Gee war demnach einer Einheit der Marineinfanteristen ("Marines") aus dem Bundesstaat North Carolina zugeordnet. Die Särge mit den getöteten Soldatinnen und Soldaten sollten noch am Wochenende auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware ankommen, wie das Pentagon mitteilte.

+++ 08:50 Habeck warnt vor Terrorgefahr durch Afghanen aus Bundeswehr-Maschinen +++
Grünen Co-Chef Robert Habeck hat in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" vor einer wachsenden Terrorgefahr, auch in Deutschland, durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan gewarnt. Darauf müsse sich eine künftige Bundesregierung einstellen. "Eine erhöhte Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden und Geheimdienste ist geboten", sagte Habeck. Gefährder müssten engmaschig überwacht werden. "Und wir müssen sehr genau hinschauen, wer in den hier ankommenden Maschinen saß und sitzt - auch im Interesse der Schutzsuchenden."

+++ 08:06 Taliban warten auf "Kopfnicken" der USA, um Flughafen zu übernehmen +++
Die USA und die Taliban haben nach Angaben der Islamisten eine rasche Übergabe des Flughafens vereinbart. "Wir warten auf das abschließende Kopfnicken der Amerikaner, um die vollständige Kontrolle über den Kabuler Flughafen zu übernehmen", sagt ein Sprecher Reuters. Nach seinen Worten verfügen die Taliban über ein Expertenteam, das in der Lage sei, die Flughafen-Technik zu bedienen.

+++ 07:21 Bundeswehr flog wohl nur rund 100 Ortskräfte aus +++
Mit den Evakuierungsflügen der Bundeswehr wurden einem Zeitungsbericht zufolge offenbar nur wenige Ortskräfte aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Entsprechende erste Zahlen habe das Bundesinnenministerium in dieser Woche unter anderem im Bundestag präsentiert, berichtet die "Welt am Sonntag". Demnach befanden sich unter den bis Mitte der Woche etwa 4500 Ausgeflogenen nur knapp mehr als 100 Ortskräfte mit ihren Familien. Insgesamt mache diese Gruppe rund 500 der 4500 ausgeflogenen Menschen aus. Angesichts der unübersichtlichen Evakuierungen aus Kabul werde allerdings davon ausgegangen, dass sich mehrere Ortskräfte derzeit womöglich noch in anderen europäischen Ländern aufhielten. Eine Anfrage dazu habe das Bundesinnenministerium unbeantwortet gelassen, schrieb die "WamS". Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin wurden demnach mittlerweile 5300 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht.

+++ 06:54 Söder fordert neue Waffen und Strategie für Bundeswehr +++
Angesichts der Entwicklungen in Afghanistan hat CSU-Chef Söder eine neue Strategie für Militäreinsätze gefordert. "Der Glaube, nur mit Ausbildung und Sanitätsdienst an internationalen Einsätzen teilzunehmen, hat sich als sicherheitspolitischer Trugschluss erwiesen", sagte Söder der "Bild am Sonntag". Um politisch relevant zu sein und ernst genommen zu werden, müsse Deutschland an robusten Einsätzen teilnehmen.

"Dazu brauchen wir endlich auch neue Waffensysteme wie zum Beispiel bewaffnete Drohnen", sagte der CSU-Vorsitzende. Europa stehe "am Rande des Weltgeschehens" und sei "nicht in der Lage, Schutzgarantien selbst für eigene Bürger in Kabul zu geben", kritisierte Söder. "Wir reden in Europa von mehr Eigenständigkeit, können aber nicht mal einen Flughafen sichern." Die Ausgaben für Verteidigung will Söder nach der Bundestagswahl erhöhen: "Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Wehretat und die neuen Einsatztaktiken werden wir in einem Koalitionsvertrag einfordern."

+++ 06:27 Baerbock will alle Bundeswehreinsätze überprüfen +++
Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will alle Auslandseinsätze der Bundeswehr auf den Prüfstand zu stellen. "Wir brauchen angesichts der vielen Fehler in Afghanistan eine unabhängige Evaluierung aller Auslandseinsätze mit Fachleuten aus der Bundeswehr, mit Friedensforscherinnen und Entwicklungsexperten", sagte Baerbock den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Baerbock kritisierte das Verhalten der Bundesregierung beim Abzug aus Afghanistan. "Hals über Kopf die Truppen rauszuziehen, war ein Fiasko mit Ansage", sagte sie. Die Regierung müsse alle noch in Afghanistan verbliebenen Deutschen, Ortskräfte und besonders gefährdete Menschen wie Journalistinnen, Fraurechtlerinnen und Menschenrechtsverteidiger und ihre Familien aus dem Land in Sicherheit zu bringen.

+++ 06:08 US-Truppen in letzter Evakuierungsphase +++
Die US-Truppen befinden sich in der letzten Phase der Evakuierungen. Etwas mehr als tausend Zivilisten warteten am Flughafen Kabul zurzeit darauf, ausgeflogen zu werden, teilt ein westlicher Sicherheitsbeamter mit. Die Menschenmenge an den Flughafentoren habe sich nach der Warnung vor einem erneuten Attentat militanter Extremisten gelichtet.

+++ 05:35 Macron will "sichere Zone" in Kabul schaffen +++
Frankreich und Großbritannien wollen sich bei den Vereinten Nationen für die Schaffung einer "sicheren Zone" in der afghanischen Hauptstadt Kabul einsetzen, um humanitäre Einsätze fortsetzen zu können. Das kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron in einem Interview mit der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" an. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China - beraten heute über die Lage in Afghanistan. London und Paris arbeiten laut Macron an einem Resolutionsentwurf, der darauf abziele, eine geschützte Zone "unter Kontrolle der UNO in Kabul zu definieren". Dies könne einen UN-Rahmen für Notfälle schaffen, Zuständigkeiten klären und "es der internationalen Gemeinschaft erlauben, Druck auf die Taliban aufrechtzuerhalten", sagte Macron.

+++ 04:49 EU-Kommission fordert konkrete Angebote für die Aufnahme von Geflüchteten +++
Die Europäische Kommission ruft die EU-Mitgliedstaaten vor dem geplanten Sondertreffen der EU-Innenminister am Dienstag auf, konkrete Angebote für die Aufnahme von Geflüchteten zu machen. "Bis Mitte September erwarten wir von den Mitgliedstaaten Zusagen für das kommende Jahr. Da geht es um Menschen aus verschiedenen Regionen, aber natürlich wird nun Afghanistan auch besonders im Fokus stehen", sagte der zuständige Sprecher der EU-Kommission für Innen- und Migrationspolitik, Christian Wigand, der "Welt am Sonntag". Das Ziel seien sichere und legale Wege für besonders gefährdete Menschen, um in Europa Schutz zu erhalten. Es gehe dabei um klar definierte Gruppen von Menschen, die besonders gefährdet seien, wie Journalisten oder Menschenrechts-Aktivisten, insbesondere Frauen und Mädchen.

+++ 04:12 Maas reist für Gespräche in afghanische Nachbarländer, nach Katar und in die Türkei +++
Nach dem Ende der Rettungsaktion der Bundeswehr für deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul bricht Bundesaußenminister Heiko Maas am heutigen Sonntag zu einer mehrtägigen Reise nach Tadschikistan, Usbekistan, Pakistan, Katar sowie in die Türkei auf. In den Ländern werde er Gespräche führen, "damit Afghaninnen und Afghanen von der Grenze schnell und sicher zu unseren Botschaften gelangen können", teilte Maas auf Twitter mit.

+++ 03:09 US-Truppen evakuieren 2000 weitere Menschen +++
Die USA und Verbündete haben innerhalb von zwölf Stunden weitere 2000 Menschen aus Afghanistan evakuiert. Das teilt ein Mitarbeiter der amerikanischen Regierung mit.

+++ 02:10 Söder: EU-Mission soll Evakuierungen schützen +++
Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte die Bundeswehr im Rahmen einer EU-Mission zum Schutz des Flughafens in Kabul einsetzen, um die Evakuierungsflüge wieder aufzunehmen. "Das Ziel für Afghanistan könnte sein, in naher Zukunft auf dem Flughafen in Kabul eine eigene europäische Schutzzone zu etablieren",sagte Söder der "Bild am Sonntag". Er forderte sofortige Verhandlungen dazu. Europa müsse sich endlich auch militärisch konsequent koordinieren. Dafür brauche es einen europäischen Sicherheitsrat und eine schlagkräftige militärische Einheit, die deutsche und europäische Staatsbürger in Notlagen schütze.

+++ 00:57 Seehofer: Grenzkontrollen bei großen Fluchtbewegungen verschärfen +++
Bundesinnenminister Horst Seehofer will im Fall neuer großer Fluchtbewegungen aus Afghanistan, Syrien und Irak die Grenzkontrollen verschärfen. "Nicht jeder, der in unser Land will, darf einreisen", sagt der CSU-Politiker laut einem Vorabbericht der "Bild am Sonntag". Man beobachte die Flüchtlingsbewegungen aus diesen Ländern sehr genau. Sieben Afghanen seien bei Kontrollen nach den Evakuierungsflügen der Bundeswehr aus Kabul in Deutschland den Sicherheitsbehörden aufgefallen. Drei hätten gefälschte Dokumente dabei gehabt, bei vier anderen handele es sich um Straftäter, die bereits schon einmal nach Afghanistan abgeschoben worden seien.

+++ 00:39 Auch Großbritannien beendet Evakuierungseinsatz +++
Nach der Bundeswehr und anderen westlichen Verbündeten hat auch Großbritannien seine letzten Streitkräfte aus Afghanistan abgezogen. Das britische Verteidigungsministerium teilte über Twitter mit, der letzte Flug mit Soldaten habe Kabul verlassen. Dank gelte all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient hätten, um die am stärksten gefährdeten Zivilisten sicher zu evakuieren. Der britische Premier Boris Johnson hatte gestern den Zeitpunkt des Abzugs westlicher Truppen aus Afghanistan öffentlich bedauert. "Das Timing ist definitiv nicht das, was sich dieses Land ausgesucht hätte." Johnson hatte sich vor dem G7-Sondergipfel in dieser Woche bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung der westlichen Evakuierungsmission eingesetzt - was dieser jedoch ablehnte.

+++ 23:26 Letzter britischer Militärflieger verlässt Kabul +++
Der letzte britische Flieger mit militärischem Personal hat Kabul verlassen. Das teilt das Verteidigungsministerium in London mit. Premierminister Boris Johnson dankte den an der Evakuierungsmission beteiligten Soldaten und erklärte, mit den britischen Rettungsflügen seien in weniger als zwei Wochen mehr als 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Zugleich dankte er den tausenden Soldaten, die in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten in Afghanistan dienten.

Alle früheren Entwicklungen lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de, mau/hul/AFP/dpa/rts

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