Politik

Corona-Debakel in Bayern 46 positiv Getestete noch nicht gefunden

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Fast 950 Personen wurden bei der Einreise in Bayern positiv auf das Virus getestet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch Tage nach Bekanntwerden der Test-Panne in Bayern wissen nicht alle Betroffenen über ihr positives Ergebnis Bescheid. Die Behörden schaffen es nicht, alle getesteten Reiserückkehrer zu identifizieren. Die Kritik an Ministerpräsident Söder wächst immer weiter.

Nach der Corona-Test-Panne hat das Land Bayern eigenen Angaben zufolge inzwischen den Großteil der positiv Getesteten erreicht - 46 fehlen aber weiterhin. Von 949 Personen, denen die positiven Test-Ergebnisse zunächst nicht mitgeteilt werden konnten, seien nun 903 informiert, teilt das bayerische Gesundheitsministerium mit. "Es mussten Zigtausende Dokumente gesichtet werden, um die Getesteten ermitteln zu können." Zu den übrigen positiven Tests erklärte das Ressort von Ministerin Melanie Huml: "Bei lediglich 46 positiven Befunden liegen keine passenden Personendaten vor."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich für die Panne entschuldigt, bei der insgesamt 44.000 Getestete zunächst keine Nachricht über das Ergebnis erhalten hatten. Auch negative Test-Ergebnisse werden übermittelt. Söder hatte den von seiner Parteikollegin Huml angebotenen Rücktritt abgelehnt. Die Panne brachte dem bayerischen Regierungschef selbst scharfe Kritik von Linken, SPD und FDP in Bayern und auf Bundesebene ein.

Die Grünen üben Kritik an der Regierung in Berlin. "Die Bundesregierung hat es verschlafen, zusammen mit den Ländern eine einheitliche Teststrategie zu koordinieren und sich damit bestmöglich auf den Umgang mit den Reiserückkehrern vorzubereiten", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter dem "Handelsblatt". "Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen ist es nun allerhöchste Zeit dafür." Hofreiter warf Bayerns Regierungschef Söder demnach vor, "mit seinem unkoordinierten Vorpreschen und dem Angebot von massenhaften Tests ohne klare Strategie", die Behörden überfordert zu haben - "mit möglichen Auswirkungen auf Infektionen im ganzen Bundesgebiet".

Gesundheitsministerin soll Rede und Antwort stehen

Auch die oppositionelle FDP-Fraktion im bayerischen Landtag kritisiert Söder harsch. Die Staatsregierung habe sich heillos in ihrem Test-Chaos verheddert, sagt FDP-Fraktionschef Martin Hagen. Die FDP habe gemeinsam mit Grünen und SPD für Mittwoch eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag beantragt. "Wir erwarten, dass die Ministerin dann Rede und Antwort steht", erklärt Hagen mit Blick auf Gesundheits-Ressortchefin Huml. "Söders planloses Vorpreschen mag seinem Image als entschlossener Macher nützen, in der Sache hat es sich als schädlich erwiesen", so der FDP-Politiker. Statt Aktionismus brauche es eine zwischen Bund und Ländern koordinierte Strategie für das Reiserückkehrer-Management. Reisende aus Risikogebieten müssten Priorität haben.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Ergebnisse von 44.000 Tests, die meist an den mobilen Testzentren an Autobahnraststätten von Urlaubsrückkehrern genommen worden waren, noch nicht bei den Betroffenen gelandet waren. Die Nachricht hatte ein politisches Erdbeben ausgelöst, weil die Infizierten Tausende weitere Menschen anstecken könnten, ohne es zu wissen. Die Regierung hatte die Probleme auf fehlende Software und eine unerwartet große Zahl von Freiwilligen zurückgeführt, die sich den Tests unterzogen hatten.

Auch wegen infizierter Rückkehrer hatte die tägliche Zahl der Neuinfektionen in Deutschland jüngst die Marke von 1000 wieder deutlich überschritten. Zwar meldete das Robert Koch-Institut am frühen Sonntagmorgen deutlich weniger neue Ansteckungen als an den beiden Tagen zuvor. Das war allerdings zu erwarten, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten übermitteln. Die Gesundheitsämter in Deutschland hatten dem RKI jüngst 625 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden übermittelt. Am Freitag und Samstag hatte das RKI jeweils noch mehr als 1400 Neuinfektionen gemeldet. Das Institut weist außerdem darauf hin, dass nur noch weniger als 30 Kreise binnen sieben Tagen keine Fälle übermittelt haben - einen Monat zuvor waren es noch mehr als 100 der rund 400 Kreise und kreisfreien Städte gewesen. "Dieser Trend ist sehr beunruhigend."

Quelle: ntv.de, chf/dpa/rts