Kritik an ReformplänenAOK: Warken schöpft Sparpotenzial bei Kliniken nicht aus

Der Kostendruck in Krankenhäusern ist immens. Reformpläne von Gesundheitsministerin Nina Warken sollen die Ausgaben der Kliniken bremsen. Doch eine Analyse zeigt, dass ein großes Sparpotenzial noch nicht ausgeschöpft ist.
Die Vorstandschefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, übt Kritik an den Reformplänen der Gesundheitsministerin Nina Warken. "Wir müssen mehr tun, um die sogenannte Ambulantisierung - also die Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich - voranzubringen", so Reimann. Die aktuell geltende Krankenhausreform werde bei diesem Thema nicht viel erreichen können. Die Verlagerung von Krankenhausbehandlungen in den ambulanten Bereich sei aber dringend notwendig, betonte sie. "Denn dort können Patientinnen und Patienten bei gleicher Qualität zu geringeren Kosten für die Versichertengemeinschaft behandelt werden".
Dass ambulante Behandlungen an Kliniken ein großes Sparpotenzial bergen, zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der "Krankenhaus-Report 2026". Demnach könnten in allen 16 Bundesländern mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle ambulant versorgt oder vermieden werden. Auf Bundesebene wären demnach von den insgesamt 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 etwa 8,6 Millionen "ambulantisierbar" oder vermeidbar.
Damit könnten der Auswertung zufolge rund 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und 39 Prozent der Klinikausgaben eingespart werden. Besonders groß ist das Potenzial für eine ambulante Versorgung dabei mit jeweils über 60 Prozent der Fälle in der Inneren Medizin und der Allgemeinen Chirurgie.
In den einzelnen Bundesländern reicht das Spektrum des sogenannten Ambulantisierungspotenzials von 53 Prozent in Bremen bis zu 58 Prozent in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In keinem Bundesland sei es bislang gelungen, das Potenzial "in einem strukturell relevanten Ausmaß zu heben", erklärte dazu WIdO-Geschäftsführer und Studienautor David Scheller-Kreinsen. Eine ambulante Versorgung führe im Vergleich zu einer stationären aber zu deutlich geringeren Kosten, da vor allem der "teure Bedarf" einer Betreuung rund um die Uhr entfalle.
Krankenhausreform verfehlt notwendige Maßnahme
"Das Thema wird mit der aktuellen Krankenhausreform nicht konsequent angegangen", kritisierte Scheller-Kreinsen. "Die Reform enthält praktisch keine Maßnahmen zur Ambulantisierung, die angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Kosten im Krankenhausbereich aber dringend notwendig wäre." Hier müsse die Politik nachjustieren.
Die vor über einem Jahr in Kraft getretene Krankenhausreform zielt auf eine stärkere Spezialisierung der deutschen Kliniken. Vor allem kleinere Häuser sollen weniger Leistungen anbieten und sich auf jene Eingriffe beschränken, die sie gut beherrschen. In Kraft getreten war die Reform noch unter dem ehemaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach.
Experten plädieren seit Jahren für Ambulantisierung
Die amtierende Gesundheitsministerin Nina Warken will nachbessern, Anfang März machte der Bundesrat den Weg für eine Anpassung der Reform frei. In der vergangenen Woche brachte das Kabinett schließlich eine umfassende Gesundheitsreform auf den Weg, die für stabile Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen sorgen soll. Insgesamt spricht die Regierung von Maßnahmen in einem Volumen von 16,3 Milliarden Euro - auch Ausgaben von Kliniken sollen gebremst werden.
Das Problem vermeidbarer Krankenhausaufenthalte ist dabei seit Jahren bekannt. Lauterbach selbst wollte zu seiner Amtszeit Behandlungen in Krankenhäusern in bestimmten Fällen auch ohne Übernachtung möglich machen. Es gebe in Deutschland zu viele Fälle stationärer Behandlungen, die gar nicht stationär gemacht werden müssten, sagte Lauterbach etwa im Jahr 2022.
Auch in vorherigen Analysen der AOK plädierten Experten für mehr ambulante Behandlungen. So hieß es beispielsweise im Krankenhaus-Report 2023, dass das Ambulantisierungspotenzial besser ausgeschöpft werden müsste, um für Entlastung zu sorgen.