Politik

Umweltminister regeln Abschuss Ab wann der Wolf ein "Problemwolf" ist

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Menschenfutter schon, Wolfsfutter nicht: Weidetierhalter demonstrieren gegen zu lasche Abschussregeln von Wölfen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Rund 1400 Wölfe leben derzeit in Deutschland. Was Naturschützer freut, ärgert die Weidetierhalter. Während die Umweltministerkonferenz über die Definition des "Problemwolfs" streitet und einen Abschussleitfaden debattiert, nennen Bauern Zahlen: Fast 3000 Nutztiere wurden in einem Jahr gerissen.

Das Streitthema Wolf bestimmt die Umweltministerkonferenz, die unter Vorsitz von Mecklenburg-Vorpommern begonnen hat. Die Ressortchefs wollen sich auf einen Praxisleitfaden für die Behörden in Deutschland verständigen, damit diese bundesweit einheitlich über Anträge für den Abschuss von sogenannten Problemwölfen entscheiden können. Es müsse Rechtssicherheit geschaffen werden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns sozialdemokratischer Umwelt- und Agrarminister Till Backhaus in Schwerin.

Das Bundesnaturschutzgesetz ermöglicht seit einer Änderung im Februar, Wölfe zu jagen, die Nutztiere reißen. Umstritten ist jedoch, wann genau ein Wolf als Problemwolf betrachtet werden darf. Bisher lande jeder Fall vor Gericht oder der Staatsanwalt ermittele, sagte Backhaus. Er appellierte an seine Amtskollegen, namentlich an die von den Grünen, den Praxisleitfaden mitzutragen. Naturschützer wollen die Hürden möglichst hoch legen, Weidetierhalter möglichst unkompliziert eingreifen können.

Vor dem Schweriner Umweltministerium demonstrierten unmittelbar vor Beginn des virtuellen Ministertreffens rund 30 Weidetierhalter aus dem Nordosten Deutschlands für eine Eindämmung der wachsenden Wolfspopulation. Allein in Mecklenburg-Vorpommern wurden im vergangenen Jahr bei Wolfsangriffen 441 Nutztiere getötet. Bundesweit waren es laut Backhaus 2891. Betroffen seien neben Schafen auch Rinder, Pferde und Gatterwild.

Regeln für Abschuss: Bitte kein Verhinderungsleitfaden

Nach Backhaus' Einschätzung leben aktuell etwa 1400 Wölfe in Deutschland, die meisten in Ostdeutschland und in Niedersachsen. Er erwarte, dass es spätestens im kommenden Jahr Aussagen dazu geben werde, wie viele Wölfe in einer biogeografischen Region einen "günstigen Erhaltungszustand" der Art darstellen. Wenn die Bestandszahlen darüber hinaus gingen, könne eingegriffen werden. Landwirte fordern seit Langem die Festlegung solcher Zahlenwerte. Der Wolf ist in Europa streng geschützt.

Der Praxisleitfaden zum Abschuss von Problemwölfen dürfe nicht zu einem Verhinderungsleitfaden werden, forderte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Manfred Leberecht, bei der Demonstration in Schwerin. Dies aber sei zu befürchten. Die Weidetierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern sei in Gefahr, wenn dem Wachstum der Wolfspopulation von jährlich bislang 30 Prozent nicht Einhalt geboten werde. Leberecht betonte, dass die Weidetierhaltung ökologisch positiv sei und zur Artenvielfalt beitrage.

Die Agenda der bis Freitag dauernden Online-Umweltministerkonferenz umfasst insgesamt 29 Themen. Eines davon ist die künftige Finanzierung von Großschutzgebieten, wie Nationalparks und Biosphärenreservaten. Backhaus will die Naturschutzleistungen dieser Gebiete mithilfe einer "Gemeinschaftsaufgabe Natur-, Arten- und Klimaschutz" bezahlen lassen. Dafür solle jährlich eine Milliarde Euro je zur Hälfte von Bund und Ländern aufgebracht werden, schlug er vor. Er verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern mit einem Anteil von 42 Prozent den höchsten Flächenanteil an Schutzgebieten habe.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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