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Strenger Schutz untermauert EuGH: Wölfe dürfen auch in Siedlungen

Ein Wolf liegt auf dem Waldboden. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Mehrere Hundert Wölfe leben mittlerweile wieder in Deutschland.

(Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild)

Wölfe sorgen auch in Deutschland immer wieder für Konflikte mit Bauern und Tierhaltern. Europäische Richter legen nun fest, was sie als "natürliches Verbreitungsgebiet" des Raubtiers sehen. Kritikern dürfte das Urteil nicht gefallen.

Wölfe sind laut europäischem Umweltrecht auch in Siedlungen streng geschützt und dürfen nur ausnahmsweise eingefangen werden. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Demnach ist das Einfangen eines Tiers auch außerhalb von Schutzgebieten immer nur erlaubt, wenn der Fall unter eine "von der zuständigen nationalen Behörde gewährte Ausnahme" fällt. Der Schutz für die Tiere gelte "unabhängig davon, ob sie sich in ihrem gewöhnlichen Lebensraum, in Schutzgebieten oder aber in der Nähe menschlicher Niederlassungen befinden", teilte der EuGH mit.

In dem Rechtsstreit ging es um einen Fall aus Rumänien aus dem Jahr 2016. Tierschützer hatten eigenmächtig einen Wolf eingefangen und weggebracht, der sich in einem Dorf neben einem Schutzgebiet auf einem Grundstück aufhielt. Dies führte zu einem Strafprozess. Das zuständige rumänische Gericht legte den Fall dem EuGH vor um zu klären, wie die EU-Regeln in dieser Konstellation auszulegen seien.

Laut EuGH befinden sich demnach auch Wölfe, die sich in der Nähe von Siedlungen aufhalten oder diese betreten, weiterhin innerhalb ihres "natürlichen Verbreitungsgebiets". Sie sind daher entsprechend durch die Bestimmungen der europäischen Habitatrichtlinie geschützt. Auch außerhalb von Schutzgebieten greift somit das Fang- und Jagdverbot.

Die Kompetenz zur Regelung von Konfliktfällen liege dabei zugleich bei den Mitgliedsstaaten, ergänzten die Richter. Diese hätten das Recht, einen "vollständigen gesetzlichen Rahmen" zu schaffen, um Gefahren etwa für die öffentliche Sicherheit oder Schäden im Bereich der Tierhaltung abzuwenden. Das Einfangen eines Tiers sei dann aber im Umkehrschluss nur auf Basis dieser nationalen Regelungen gestattet.

Mehr als 100 Rudel in Deutschland

Auch in Deutschland sorgt der Wolf gelegentlich für Konflikte. So gibt es immer wieder "Problemwölfe", die Schafe oder auch Rinder reißen. In solchen Fällen sind bereits mehrere Abschussgenehmigungen erteilt worden. Für bundesweites Aufsehen sorgte etwa in Niedersachsen das Tier mit der Nummer GW717m. Monatelang wurde Jagd auf den Wolf gemacht, weil er bis zu 40 Nutztiere getötet haben soll. Mittlerweile wurden die Hatz wegen Erfolglosigkeit aufgegeben. Eine Gefahr für den Menschen stellen die Raubtiere im Normalfall nicht dar, betonen Tierschützer.

Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzbund (Nabu) feiern die Wiederansiedlung des Wolfes in hiesigen Gefilden dagegen als einen der "größten Erfolge". Demnach lebten im Monitoring-Jahr 2018/19 insgesamt 105 Rudel, 25 Paare und 13 Einzeltiere in Deutschland, dabei besonders häufig in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Ein Rudel besteht aus zwei erwachsenen Tieren mit Nachwuchs. In den vergangenen 20 Jahren starben nach Nabu-Angaben mehr als 300 Wölfe im deutschen Straßenverkehr, mehr als 40 wurden illegal getötet.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP