Krise trifft Kinder und FrauenÄrzte ohne Grenzen: Israel lässt Menschen in Gaza absichtlich hungern

Die Zustände im Gazastreifen sind katastrophal. Das liegt laut einer Hilfsorganisation nicht nur an der flächendeckenden Zerstörung. Israel halte absichtlich überlebenswichtige Güter zurück. Die Unterernährung führt zu vielen toten Säuglingen und einem starken Anstieg von Fehlgeburten.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Israel vorgeworfen, im Gazastreifen durch das absichtliche Zurückhalten von Lebensmitteln und Hilfsgütern eine "Unterernährungskrise erzeugt" zu haben. Betroffen seien vor allem Kinder, Schwangere und stillende Frauen, erklärte die Organisation in einem Bericht.
Die NGO stützte ihre Angaben auf eine Untersuchung der Lage in vier von ihr unterstützten Gesundheitseinrichtungen in dem Palästinensergebiet zwischen Ende 2024 und Anfang dieses Jahres. Demnach gab es in diesem Zeitraum eine deutlich höhere Zahl an Frühgeburten, an verstorbenen Säuglingen unterernährter Mütter sowie einen starken Anstieg der Zahl von Fehlgeburten. MSF verwies dabei auf die israelische Blockade des Gazastreifens und auf Angriffe auf zivile Infrastruktur.
Ärzte ohne Grenzen forderte die israelischen Behörden auf, ungehindert Hilfsgüter in den Gazastreifen zu lassen. Die MSF-Vertreterin Merce Rocaspana erklärte, vor dem Gaza-Krieg sei Mangelernährung im Gazastreifen "nahezu nicht existent" gewesen.
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg ausgelöst. Seit Oktober vergangenen Jahres ist eine maßgeblich von den USA vermittelte Waffenruhe in Kraft; allerdings werfen sich Israel und die Hamas gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Die Lage im Gazastreifen bleibe "äußerst fragil", erklärte Ärzte ohne Grenzen. Seit Beginn der Feuerpause sind mehr als 800 Palästinenser im Gazastreifen getötet worden.
Die Hilfsorganisation kritisierte auch die Folgen des Verteilens von Hilfsgütern durch die umstrittene GHF-Stiftung, die von den USA und Israel unterstützt wurde und mittlerweile ihre Arbeit im Gazastreifen beendet hat. Die Ausgabestellen seien "tödlich" gewesen, erklärte José Mas von Ärzte ohne Grenzen.
Während der Zeit, in der die GHF tätig gewesen sei, sei in den von MSF unterstützten Einrichtungen in dem Palästinensergebiet ein "starker" Anstieg der Zahl von Menschen verzeichnet worden, "die wegen Gewalt an den Verteilstellen sowie der mit Nahrungsmittelmangel verbundenen Unterernährung medizinische Hilfe suchten". Die Zahl der Ausgabestellen für Nahrungsmittel im Gazastreifen sei bis Ende Mai 2025 unter der GHF von rund 400 auf vier gesunken.
Die GHF hatte ab Mai vergangenen Jahres die zuvor zuständigen UN-Organisationen als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst. Ihr Einsatz wurde unter anderem von den Vereinten Nationen kritisiert. Eineinhalb Monate nach Inkrafttreten des Waffenstillstands im Gazastreifen im Oktober beendete die Stiftung im November ihre Hilfsmission in dem Palästinensergebiet.