Politik

Kritik an "Personenkult" AfD-Funktionäre stellen sich gegen Höcke

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Dass die AfD "keine Björn-Höcke-Partei" werde, halten die Unterzeichner fest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Richtungsstreit innerhalb der AfD spitzt sich zu: Nach einer Rede des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke stellen sich mehrere prominente Parteimitglieder gegen den Wortführer des rechtsnationalen Flügels. In einem Appell werfen sie dem 47-Jährigen vor, die Partei zu spalten.

Der Thüringer AfD-Fraktionschef und Partei-Rechtsaußen Björn Höcke hat den Zorn zahlreicher prominenter Parteifreunde auf sich gezogen. In einem Appell "für eine geeinte und starke AfD", der am Morgen veröffentlicht wurde, heißt es: "Mit seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen am Sonnabend hat Björn Höcke die innerparteiliche Solidarität verletzt und ist damit unseren Wahlkämpfern und Mitgliedern in den Rücken gefallen." 

Der überwiegende Teil der Mitgliedschaft lehne zudem den "exzessiv zur Schau gestellten Personenkult" um Höcke ab, wie er bei dem Treffen des Flügels am Samstag zelebriert worden sei. Die Unterzeichner, zu denen mehrere Dutzend Mandatsträger zählen, halten fest: "Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei". Höcke solle sich auf seine Aufgaben in Thüringen beschränken.

Meuthen teilt Kritik

Zu den rund hundert Unterzeichnern gehören unter anderem der Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann, die Partei-Vize Albrecht Glaser, Kay Gottschalk, Georg Pazderski. Auch mehrere Bundestagsabgeordnete schlossen sich dem Appell an, darunter Joana Cotar, Verena Hartmann, Marc Jongen und Volker Münz. Auch der rheinland-pfälzische Landeschef Uwe Junge und die niedersächsische AfD-Chefin Dana Guth haben unterschrieben.

Nicht zu den Unterzeichnern gehören hingegen Parteichef Alexander Gauland sowie Parteisprecher Jörg Meuthen. Der EU-Abgeordnete zeigte jedoch Verständnis für die Kritik. "Dieser Aufruf wundert mich nicht, denn der Unmut und die massive Kritik über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sind in der Partei sehr vernehmlich", sagte Meuthen. "Der Appell bestätigt letztlich meinen sicheren und schon oft geäußerten Eindruck, dass Björn Höcke mit seiner auch aus meiner Sicht unzutreffenden Kritik an der Arbeit des Bundesvorstandes und der Schiedsgerichte über keinerlei Mehrheiten in der Partei verfügt."

Höcke schimpft auf den Bundesvorstand

Gauland hatte am Samstag beim jährlichen Kyffhäusertreffen des von Höcke gegründeten rechtsnationalen Flügels in der AfD erklärt, die AfD sei nicht gegründet worden, um "einen Raum zu schaffen, in dem jeder alles sagen kann". Höcke nutzte seine anschließende Rede vor 800 Flügel-Anhängern und Gästen für eine Breitseite gegen den Bundesvorstand der Partei. Außerdem kritisierte er das bayerische Landesschiedsgericht der Partei, das dem Flügel bescheinigt hatte, er stehe in einem "Konkurrenzverhältnis" zur AfD. 

Höcke hatte beim Flügel-Treffen auf den Bundesvorstand und die "Spalter" in der Partei geschimpft. Seinen Anhängern rief er zu: "Ich kann euch garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird." Er verlieh ein Flügel-Abzeichen für treue Dienste. Ein Image-Film unterstrich seine dominante Rolle in der Vereinigung, die der Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich des Rechtsextremismus einstuft.

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Quelle: n-tv.de, jpe/dpa