Politik

Austritt, Neugründung, Abrechnung? AfD zittert Luckes Plänen entgegen

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Bernd Lucke hatte nicht so recht Spaß bei der AfD-Wahlparty in Bremen.

(Foto: dpa)

AfD-Anhänger gehen mit einem ungewissen Gefühl aus dem Wochenende: Was hat Parteichef Lucke vor? Co-Chef Adam streut Gerüchte über seinen Austritt. In anderen Medienberichten ist dagegen die Rede von einem letzten großen Befreiungsschlag.

Nur eines ist sicher: Die Alternative für Deutschland (AfD) steht vor dem großen Knall. Der Streit in der Führung belastet die Partei schon seit Langem. Jetzt gibt es mehrere Spekulationen über neue Pläne von Gründer- und Übervater Bernd Lucke. Egal, an welchen davon etwas dran ist, es stehen ziemlich turbulente Tage vor der AfD.

Wie "Bild"-Zeitung und die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Luckes Ko-Vorsitzenden Konrad Adam melden, gebe es Indizien dafür, dass Lucke seinen Austritt aus der AfD und die Gründung einer neuen Partei vorantreibe. Dazu solle er schon mit Vertrauten im Gespräch sein. Die Pläne wolle er noch in diesem Monat öffentlich verkünden, falls sich abzeichnen sollte, dass beim Bundesparteitag in Kassel Mitte Juni auch einige seiner Widersacher in den Vorstand gewählt werden.

Der "Spiegel" wiederum will erfahren haben, dass ein Austritt Luckes nicht bevorstehe, der Wirtschaftsprofessor vielmehr einen Befreiungsschlag gegen seine parteiinternen Rivalen Frauke Petry und Marcus Pretzell plane. Er wolle bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hans-Olaf Henkel am 18. Mai mit dem rechten Flügel der Partei abrechnen.

Henkel, der jüngst erst seinen Posten im AfD-Bundesvorstand niedergelegt hatte, weil ihm die Partei zu sehr nach rechts gerückt war, bestätigte die Pläne dem Bericht zufolge indirekt. "Die AfD-Basis muss erfahren, was da an der Spitze gespielt wird, wie einige wenige Funktionsträger dieser Partei mit ihrem Rechtskurs empfindlich schaden", sagte er demnach dem "Spiegel". Denn die "überwältigende Mehrheit" der Mitglieder sei gerade nicht den Rechten zuzurechnen. Sie unterschätzten nur die rechte Gefahr.

Lucke selbst sagt nichts

Zuletzt hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem nationalkonservativen und dem bürgerlich-liberalen Flügel der Partei gegeben, zu dem Lucke gehört. In der "Welt" forderte Adam Lucke nun auf, bei allen Verdiensten um den Aufbau der AfD zu sagen, ob er "auch derjenige sein möchte, der die Zerstörung der Partei anführt". Zugleich distanzierte sich Adam von Lucke: "Wenn die AfD sich zu einer Partei entwickelt, die aus Brüssel geführt und von Berlin aus privat finanziert wird, ist sie nicht mehr meine Partei."

Henkel vom liberalen Flügel forderte seinerseits Adam zum Rücktritt auf: "Erst fordert er meinen Rücktritt, jetzt sagt er Luckes Rücktritt voraus? Der ist völlig von der Rolle", sagte Henkel dem "Handelsblatt". "Er soll selbst gehen und zwei weitere aus dem Vorstand gleich mitnehmen", fügte Henkel mit Blick auf Co-Parteichefin Frauke Petry und Parteivize Alexander Gauland hinzu. Beide gehören zum nationalkonservativen Flügel und zu Luckes Kritikern.

Gauland hatte Lucke mehrfach vorgeworfen, er fokussiere sich stark auf den bürgerlichen Mittelstand, obwohl die AfD unter den "kleinen Leuten" ein größeres Wählerpotenzial habe. Die AfD war Anfang 2013 von Gegnern der Eurorettungspolitik der Bundesregierung gegründet worden. Später war die Kritik an der aktuellen Asylgesetzgebung als weiteres wichtiges Thema hinzugekommen.

Bernd Lucke selbst schweigt zu seinen Plänen. Bei der Wahlparty der AfD in Bremen antwortete er auf das Gerücht seines Austritts: "Kein Kommentar."

Quelle: n-tv.de, jog/dpa/AFP

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