Politik

Warteten auf Evakuierung Afghanen während Aufnahmeverfahren gestorben

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Nach der Machtübernahme der Taliban im August evakuierte die Bundeswehr Menschen aus Afghanistan.

(Foto: picture alliance/dpa/Bundeswehr)

Bis Mitte Februar erteilte Deutschland rund 30.000 Menschen in Afghanistan eine Aufnahmezusage, bislang konnte nicht einmal die Hälfte von ihnen einreisen. Während sie auf ihre Evakuierung warteten, sind mehrere Afghanen gestorben. Die Bundesregierung spricht von "einzelnen Todesfällen".

Mehrere Afghanen, die eine Aufnahmezusage der deutschen Bundesregierung hatten oder sich im Aufnahmeverfahren befanden, sind offenbar ums Leben gekommen, bevor sie nach Deutschland ausgeflogen werden konnten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, wie der "Spiegel" berichtet.

"Die Bundesregierung hat Kenntnis von einzelnen Todesfällen", heißt es darin auf eine entsprechende Frage zur Evakuierung von Ortskräften und anderen gefährdeten Personen aus Afghanistan. Bestehende Aufnahmezusagen für die Familienangehörigen seien "in diesen Fällen aufrechterhalten" worden. Genauere Angaben macht die Bundesregierung nicht.

Bis heute warten Tausende gefährdete Afghaninnen und Afghanen darauf, nach Deutschland gebracht zu werden. Aus den Antworten der Bundesregierung geht hervor, dass die deutsche Regierung bis Mitte Februar rund 30.000 Menschen eine Aufnahmezusage erteilt hatte. Dabei handelt es sich um ehemalige Ortskräfte, ihre Angehörigen sowie andere besonders gefährdete Personen. Von ihnen konnten erst rund 14.000 Personen, also nicht einmal die Hälfte, nach Deutschland einreisen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Clara Bünger kritisierte die Regierung für die Verzögerungen bei der Evakuierung. "Wir wissen nun, dass das unbeschreibliche Versagen der Bundesregierung bereits tödliche Folgen hatte", sagte sie dem "Spiegel". "Die Vorstellung ist schier unerträglich, dass Afghaninnen und Afghanen, die auf den Schutz der Bundesrepublik vertraut haben, den Taliban zum Opfer gefallen sind, weil trotz eindrücklicher Warnungen zu spät mit Evakuierungen begonnen und an zu bürokratischen Verfahren festgehalten wurde."

Die militant-islamistischen Taliban hatten im vergangenen Jahr nach Beginn des Abzugs der internationalen NATO-Truppen weite Teile Afghanistans erobert. Mitte August zogen sie kampflos in die Hauptstadt Kabul ein und regieren seitdem. Zuvor hatten sie bereits von 1996 bis 2001 in dem Land geherrscht.

Quelle: ntv.de, chf

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