Politik
Ali B. bei seiner Vorführung vor den Haftrichter.
Ali B. bei seiner Vorführung vor den Haftrichter.(Foto: imago/onemorepicture)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Pflichtverteidiger benannt: Ali B. verzichtet auf Anwalt

Im Mordfall Susanna will der Verdächtige keinen anwaltlichen Beistand. In der Vernehmung gesteht er den Mord und bestreitet die Vergewaltigung. Inzwischen ist ihm ein Anwalt zwangsweise beigeordnet.

Der Verdächtige im Mordfall Susanna hat bei seinen Vernehmungen auf einen Anwalt an seiner Seite verzichtet. "Er hat ausdrücklich erklärt, dass er keinen Verteidiger möchte", sagte eine Sprecherin der Behörde in Wiesbaden. Ali B. sei zuvor ausführlich über seine Rechte aufgeklärt worden, sagte die Sprecherin. Er war nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst von der Polizei und dann von einer Richterin vernommen worden.

Inzwischen sei ein Pflichtverteidiger für Ali B. bestellt worden, sagte die Sprecherin. Dies sei rechtlich auch erst dann verbindlich vorgesehen, wenn Untersuchungshaft angeordnet werde. Dies sei am Sonntag am Ende der Vernehmung durch eine Ermittlungsrichterin der Fall gewesen. Ali B. hatte dabei gestanden, Susanna getötet zu haben. Er bestritt aber, sie vergewaltigt zu haben.

Innenminister verteidigt Ermittler

Unterdessen nehmen Landesinnenminister Peter Beuth und Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn die hessischen Ermittlungsbehörden in Schutz. Die Polizei sei bereits kurz nach der Vermisstenmeldung in die Ermittlungen der Mainzer Kollegen eingebunden gewesen, sagte Beuth in einer Sondersitzung von Innen- und Rechtsausschuss im hessischen Landtag in Wiesbaden. Konkret sei es um die Ortung des Handys der 14-jährigen Schülerin aus Mainz sowie die Befragung von Zeugen gegangen, erklärte Landespolizeipräsident Udo Münch.

Susanna war Ende Mai in Wiesbaden vergewaltigt und umgebracht worden. Tatverdächtig ist der Iraker Ali B., der in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft lebte und nun in Frankfurt in Untersuchungshaft sitzt. Er hat die Tötung der 14-Jährigen bei einer Vernehmung gestanden, leugnet jedoch die Vergewaltigung. Offiziell war die Federführung bei den Ermittlungen erst von Mainz nach Wiesbaden gewechselt, nachdem es einige Tage nach dem Verschwinden Hinweise auf den Leichenfund in Hessen gab.

 Landespolizeipräsident Münch und Generalstaatsanwalt Fünfsinn erklärten, dass es trotz mehrerer Verdachtsfälle für Straftaten keine hinreichenden Anhaltspunkte für die Unterbringung von Ali B. in Untersuchungshaft gegeben habe. Nach Vorwürfen des schweren Raubs sei kurz vor dem Verschwinden Susannas eine Durchsuchungsaktion in der Flüchtlingsunterkunft geplant gewesen, sagte Münch. Diese sollte jedoch erst im Juni vollzogen werden. Ein Zusammenhang bei der Ansetzung der Durchsuchung und der Täterschaft von Ali B. sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen.

Quelle: n-tv.de