Politik

Vertrag aus dem Kalten KriegAltes Militärabkommen gibt den USA in Grönland bereits viel Macht

08.01.2026, 12:08 Uhr
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US-Vizepräsident JD Vance bei seinem Besuch auf der Pituffik Space Base im März 2025. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

US-Präsident Donald Trump will Grönland unter US-Kontrolle bringen. Ein Abkommen aus dem Kalten Krieg zeigt jedoch: Militärisch hat Washington auf der Insel bereits nahezu freie Hand. Experten sind überzeugt, dass die USA selbst für den Zugriff auf Grönlands Rohstoffe keine Übernahme benötigen.

Die USA verfügen laut einem Medienbericht bereits seit Jahrzehnten über umfassende militärische Befugnisse in Grönland. Wie die "New York Times" meldet, erlaubt ein Abkommen aus der Zeit des Kalten Krieges den Vereinigten Staaten, Militärbasen auf der gesamten Insel zu errichten und zu betreiben. Zudem kann Washington Personal stationieren sowie Landungen, Starts, Ankerplätze, Bewegungen und den Betrieb von Schiffen, Flugzeugen und Wasserfahrzeugen kontrollieren.

Dem Bericht zufolge wurde der Vertrag 1951 von den USA und Dänemark unterzeichnet, das die Insel vor mehr als 300 Jahren kolonisiert hatte. "Die USA haben in Grönland so freie Hand, dass sie praktisch alles machen können, was sie wollen", sagte Mikkel Runge Olesen, Forscher am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen, der Zeitung. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass die USA nicht nahezu alles bekommen könnten, was sie wollen, wenn sie nur höflich fragen würden."

Die Wurzeln des Abkommens reichen bis in den Zweiten Weltkrieg zurück, als Dänemark von Hitler-Deutschland besetzt war. Washington befürchtete damals, dass die Wehrmacht Grönland als Sprungbrett nach Nordamerika nutzen könnte. Die Deutschen hatten bereits meteorologische Stationen an der Ostküste der Insel errichtet. US-Truppen vertrieben sie und bauten mehrere Stützpunkte mit Tausenden Soldaten. Auch nach 1945 betrieben die USA zahlreiche Basen und Radaranlagen. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion schloss Washington alle Standorte bis auf die Pituffik Space Base.

Das vergleichsweise unkomplizierte Militärabkommen wurde 2004 erweitert, um die halbautonome Regierung Grönlands einzubeziehen und ihr ein Mitspracherecht bei den Auswirkungen amerikanischer Truppenaktivitäten auf die lokale Bevölkerung einzuräumen. Seitdem sind die USA verpflichtet, Dänemark und Grönland zu konsultieren, bevor sie "wesentliche Änderungen" ihrer Militäroperationen auf der Insel vornehmen.

"Unser Land steht nicht zum Verkauf"

"Das ist eine Höflichkeitsformel", sagte der dänische Verteidigungsanalyst Peter Ernstved Rasmussener der Zeitung. In der Praxis würde Washington bei begründeten Anfragen stets grünes Licht erhalten. Ähnlich äußern sich andere Experten. Sollte die US-Regierung die Sicherheit Grönlands verstärken wollen, könnte sie dies jederzeit tun, sagt der frühere Beamte des dänischen Parlaments, Jens Adser Sørensen. "Warum nutzt man nicht einfach den Mechanismus des bestehenden Verteidigungsabkommens? Der Rahmen ist längst vorhanden."

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt wiederholt betont, er wolle Grönland unter seine Kontrolle bringen. Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte sind die Sorgen in Europa gewachsen, Trump könnte es mit seinen Drohungen ernst meinen. Nach Angaben des Weißen Hauses diskutiert Trump derzeit mit seinem nationalen Sicherheitsteam, ob die USA Grönland von Dänemark kaufen könnten. Der Präsident sei überzeugt, dass ein solcher Schritt im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten liege, heißt es.

Laut Olesen ist ein Verkauf Grönlands durch Dänemark allerdings "unmöglich". Dänischen Regierungsvertretern zufolge liegt die Entscheidung über die Zukunft der Insel bei den 57.000 Einwohnern. Denn die Grönländer haben das Recht, ein Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten. Eine Umfrage aus dem letzten Jahr ergab, dass 85 Prozent der Bevölkerung eine Übernahme durch die USA ablehnen. "Unser Land steht nicht zum Verkauf", sagte Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen vergangene Woche. Neben seiner geostrategisch günstigen Lage verfügt Grönland unter dem Eis auch über wertvolle Bodenschätze. Experten sagten allerdings der "New York Times": Auch in diesem Fall müsste Trump die Insel nicht übernehmen, um an die Rohstoffe zu kommen.

Quelle: ntv.de, jpe

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