Politik

Muss die Pflicht noch sein? Altmaier stellt Ende für Masken in Aussicht

Ist der Mund-Nasen-Schutz angesichts niedriger Infektionszahlen noch notwendig? Die meisten Experten sind sich einig, dass es noch zu früh ist, die Maskenpflicht abzuschaffen. Wirtschaftsminister Altmaier nennt nun jedoch erstmals eine Schwelle, ab der ein Verzicht auf die Maßnahme denkbar wäre.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellt bei sinkenden Neuinfektionszahlen eine Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel in Aussicht. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte der CDU-Politiker: "Wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind, müssen Mediziner und Politik neu nachdenken." Damit nennt erstmals ein Mitglied der Bundesregierung eine konkrete Schwelle, von der an die Maskenpflicht zur Disposition gestellt werden soll.

Gleichzeitig mahnte Altmaier zur Vorsicht: "Solange wir im Durchschnitt täglich mehrere hundert neue Infizierte haben, wird sie überall bleiben müssen, wo der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten wird." Übermut und dadurch ausgelöste neue Infektionswellen schadeten der Wirtschaft am Ende am meisten.

Der Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns Harry Glawe hatte in der vergangenen Woche angekündigt, angesichts der niedrigen Infektionszahlen in seinem Bundesland die Maskenpflicht im Handel Anfang August lockern zu wollen. Dieser Vorstoß war auf breite Kritik gestoßen. Schließlich einigten sich Anfang der Woche die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darauf, die Maskenpflicht zunächst beizubehalten.

Spahn und Lauterbach warnen vor übereiltem Schritt

Spahn sprach sich wiederholt dafür aus, das wichtige Instrument in der Pandemiebekämpfung zunächst nicht anzutasten. Aus seiner Sicht gelte: "Lieber drei Wochen zu spät aufgehoben als drei Wochen zu früh." Masken zu tragen sei nicht immer angenehm, es sei aber im Vergleich zu anderen Beschränkungen ein "relatives mildes Mittel". Wichtig sei dies vor allem, wenn Abstände nicht einzuhalten seien wie etwa im öffentlichen Nahverkehr oder beim Einkaufen.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte kürzlich vor einer Aufhebung der Regelung: "Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus. Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Rheinischen Post". Eine Abkehr davon erhöhe das Risiko für eine zweite Infektionswelle.

Damit liegen Spahn und Lauterbach auf der Linie des Robert-Koch-Instituts und der WHO. Es gibt jedoch auch aus der Wissenschaft anderslautende Stimmen: Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagte, Masken hätten nur dort Sinn, wo Menschen auf engem Raum längere Zeit zusammen seien. "Wenn ich den Zugang so regele, dass entsprechend wenig Leute im Geschäft sind, die die Abstände dann einhalten, ist eine Maske auch nicht sinnvoll", sagte Schmidt-Chanasit dem "Hamburger Abendblatt". Schmidt-Chanasit sieht die Gefahr "einer Dauer-Aufgeregtheit", die zu "einer Corona-Müdigkeit" führen könne. "Und das ist hochgefährlich", meinte Schmidt-Chanasit.

Quelle: ntv.de, jog/dpa