Politik

Angriff auf Putins KriegskasseRussischer Ostsee-Ölhafen Ust-Luga brennt erneut

29.03.2026, 10:31 Uhr
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Eine riesige Anlage: das Ölterminal am russischen Ostseehafen Ust-Luga im Jahr 2019. (Foto: picture alliance / Visually)

Die USA lockern nach dem Angriff auf den Iran ihre Sanktionen gegen Russland, um den Ölpreis zu senken. Die Ukraine möchte den unerwarteten Geldregen für die russische Kriegskasse unbedingt stoppen: Sie greift unvermindert russische Ölinfrastruktur an.

Die Ukraine hat erneut den russischen Ostseehafen Ust-Luga mit Drohnen angegriffen. Der Hafen sei beschädigt und ein Brand ausgelöst worden, schreibt Alexander Drosdenko, der Gouverneur der nordwestrussischen Region Leningrad, auf Telegram. Einsatzkräfte seien dabei, den Brand zu löschen. Insgesamt habe die russische Flugabwehr 31 Drohnen im Leningrader Gebiet abgeschossen.

Die ukrainischen Streitkräfte strapazieren somit unvermindert die Infrastruktur der russischen Energieindustrie. Seit Tagen nehmen sie mit Drohnen die russischen Ostseehäfen Primorsk und Ust-Luga ins Visier, um das russische Ölgeschäft zu stoppen - offenbar erfolgreich: Russland musste die Ölverladung wiederholt stoppen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sind in dieser Woche mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten zum Erliegen gekommen. Dafür sind nicht allein die ukrainischen Angriffe verantwortlich: Eine beschädigte Pipeline und die Beschlagnahmung von Tankern behindern den russischen Ölexport ebenfalls.

Verladung bis Mitte April gestoppt

Insidern zufolge warnten russische Ölproduzenten ihre Kunden bereits, dass die ukrainischen Angriffe zu Lieferausfällen führen könnten. Für Exportprobleme in wichtigen Ostseehäfen könnten sie höhere Gewalt geltend machen, sagen zwei Insider. Die Ölverladung in Ust-Luga sei seit Mittwoch gestoppt. Einem der Insider zufolge kann sie frühestens Mitte April wieder aufgenommen werden.

Auch Primorsk, ein weiterer wichtiger russischer Ostseehafen, wurde bei den jüngsten Angriffen beschädigt. Dort wurden die Verladungen am Donnerstag zumindest teilweise wieder aufgenommen. Zudem konnte die große russische Ölraffinerie Kirischi in der Region so stark beschädigt werden, dass sie den Betrieb einstellen musste. Die Raffinerie ist eine der größten des Landes. Sie produziert Insidern zufolge sieben Millionen Tonnen Diesel, zwei Millionen Tonnen Benzin, sechs Millionen Tonnen Heizöl und rund 600.000 Tonnen Bitumen im Jahr. Der Gouverneur der nordwestlichen Region Leningrad, Alexander Drosdenko, sagt, die Region sei seit dem 22. März "beispiellosen" Drohnenangriffen ausgesetzt.

Auch Kasachstan betroffen

Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nutzt die Ukraine die Langstreckenangriffe, um den ökonomischen Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Sie erfolgen vor dem Hintergrund, dass die USA die Ölsanktionen gegen Moskau gelockert haben. Die US-Regierung möchte auf diese Weise die Ölpreise senken, die wegen der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran und der Schließung der Straße von Hormus um 50 Prozent gestiegen waren. Russland kann seitdem wieder mehr Geld mit Ölexporten verdienen.

Ölexporte Kasachstans sind von dem Angriff auf Ust-Luga zunächst nicht betroffen. Die Lieferungen laufen normal, teilte das kasachische Energieministerium in Astana mit. Die Lage werde weiter beobachtet. Kasachstan verschifft einen Teil seiner Rohölexporte über russische Häfen an der Ostsee, darunter Ust-Luga.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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