Politik

Drohnen senken ExportkapazitätUkraine setzt russische Hoffnung auf steigende Ölgewinne in Brand

27.03.2026, 19:25 Uhr
00:00 / 04:10

Weil der Iran-Krieg die globale Energieversorgung erschwert, kann Russland auf Entlastung für seinen gebeutelten Staatshaushalt hoffen: Die Rohölpreise gehen durch die Decke, die USA lockern Sanktionen. Ukrainische Drohnenangriffe aber machen Moskau einen Strich durch die Rechnung.

Seit Tagen strapaziert die Ukraine die russische Energieindustrie mit Drohnenangriffen: Mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten sind diese Woche zum Erliegen gekommen. Das zeigen Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf Grundlage von Marktdaten. Insidern zufolge warnten russische Ölproduzenten bereits ihre Kunden, die ukrainischen Angriffe könnten zu Lieferausfällen führen. Für Exportprobleme in wichtigen Ostseehäfen könnten sie höhere Gewalt geltend machen, sagten zwei Insider.

Eine ukrainische Drohnenbrigade berichtete am Donnerstag von einem Dreifachschlag gegen die Ölbranche im Nordwesten Russlands. Seit Montag habe man:

  • Öltanks und Verladeanlagen im Hafen Primorsk in Brand geschossen

  • den für den Export von Erdöl und Flüssigerdgas wichtigen Hafen Ust-Luga attackiert

  • die große Raffinerie von Kirischi im Umland von St. Petersburg angegriffen

Der Gouverneur der nordwestlichen Region Leningrad, Alexander Drosdenko, sagte, die Region sei seit dem 22. März "beispiellosen" Drohnenangriffen ausgesetzt.

Laut Militär sollen die ukrainischen Angriffe russische Ölexporte über die Ostsee stoppen und den Kreml so von einer wichtigen Geldquelle für seinen Krieg gegen die Ukraine abschneiden. Weil die USA wegen des Iran-Kriegs Sanktionen gegen Moskau gelockert haben, kann Russland derzeit mehr Geld mit Energieexporten verdienen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte diese Woche, man nutze Langstreckenangriffe, um den ökonomischen Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Offenbar mit Erfolg: Zwei russische Insider berichteten, im Hafen von Ust-Luga werde wegen der Angriffe seit Mittwoch kein Öl mehr verladen. Einer der Insider sagte, diese könnten frühestens Mitte April wieder aufgenommen werden.

Nach den Angriffen waren jeweils Brände und kilometerlange Rauchsäulen zu beobachten. Gesicherte Angaben zu Schäden an den Anlagen gibt es aber nicht. In Primorsk sei es nach drei Tagen gelungen, den Brand der Öltanks einzudämmen, teilte Gouverneur Drosdenko am Donnerstag mit. Es bestehe keine Gefahr mehr, dass das Feuer sich ausbreite. Verladungen wurden zumindest teilweise wieder aufgenommen.

Dem ukrainischen Internetportal Exilenova zufolge brachen am Donnerstag erneut Brände in den Häfen aus. Auf Satellitenbildern der US-amerikanischen Feuerbeobachtungsstelle FIRMS war in der Anlage bei Primorsk auch am Ende der Woche noch ein weitflächiger Brand zu sehen.

Russlands Konjunkturaussichten trüben sich

Der russische Staatshaushalt leidet unter sinkenden Einnahmen aus Öl- und Gasexporten sowie einer schwächelnden Konjunktur, die die Steuereinnahmen aus anderen Wirtschaftsbereichen schmälert. Die Regierung hat deshalb bereits die Mehrwertsteuer angehoben. Die Konjunkturaussichten trüben sich ein, obwohl die Kriegswirtschaft auf Hochtouren läuft. Die Industriestaaten-Organisation OECD rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in Russland von 0,6 Prozent, nach 1,0 Prozent im Vorjahr.

Insidern zufolge bereitet die russische Regierung bereits eine mögliche Kürzung aller nicht sicherheitsrelevanten Ausgaben um zehn Prozent vor. Die endgültige Entscheidung hänge jedoch von der Dauerhaftigkeit des durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisanstiegs ab. Das Land profitiert davon wegen der erfolgreichen ukrainischen Attacken derzeit nur in begrenztem Ausmaß.

Die Angriffe erfolgen auch vor dem Hintergrund, dass die internationalen Ölsanktionen gegen Moskau gelockert wurden. Grund dafür ist die Sorge, dass der Krieg im Iran weltweite Engpässe verursacht.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/rts

RusslandErdölförderungWolodymyr SelenskyjAngriff auf die UkraineÖlpreisDrohnen