Nach Israels EvakuierungsaufrufAngriffe mit Toten und Verletzten im Südlibanon gemeldet

Ungeachtet einer Waffenruhe-Vereinbarung greift das israelische Militär wohl weiter im Südlibanon an. Im Zentrum der Attacken steht libanesischen Sicherheitskreisen zufolge erneut die Küstenstadt Tyrus. Israels Aufruf zur Evakuierung gilt für alle Bewohner.
Bei einem Angriff am Stadtrand der Küstenstadt Tyrus wurden nach vorläufigen Angaben des Gesundheitsministeriums 8 Menschen getötet und 32 weitere Personen verletzt. Kurz nach dem Angriff erteilte die israelische Armee einen Fluchtaufruf für die gesamte Stadt. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, rund um die Stadt käme es zu israelischem Beschuss. Eine Stellungnahme zu den Angriffen gibt es aus Israel bisher nicht.
Das israelische Militär rief ausdrücklich auch die Bewohner und Verbliebenen in den christlichen Teilen der Stadt zur Flucht auf. Viele Menschen hatten dort in den vergangenen Tagen Zuflucht gesucht, nachdem die restlichen Teile der Stadt bereits immer wieder unter Beschuss standen. Christen im Libanon stehen der Hisbollah zum Teil ablehnend gegenüber. Das israelische Militär wirft der Hisbollah vor, sich in den Vierteln vor Angriffen zu verstecken.
Israel hatte Tyrus in den vergangenen Monaten wiederholt beschossen und dies mit Angriffen auf Stellungen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz begründet. Nun wurden erstmals nicht nur die Bewohner einzelner Viertel, sondern der ganzen Stadt zur Evakuierung aufgerufen. Die Menschen sollten sich in Gebiete jenseits des 30 Kilometer nördlich gelegenen Sahrani-Flusses begeben, erklärte ein israelischer Armeesprecher.
Eigentlich gilt im Libanon seit Mitte April eine Waffenruhe. Israel und die von Teheran unterstützte Hisbollah greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Der Iran hatte am Montag damit gedroht, Israel abermals anzugreifen, sollte es den Libanon weiter beschießen.
Hisbollah stimmt Bedingungen nicht zu
Vergangene Woche hatten sich Israel und der Libanon auf einen neuen Plan zur Umsetzung einer bisher unwirksamen Waffenruhe geeinigt. Die Vereinbarung sieht das Einstellen der gegenseitigen Angriffe, den Rückzug der Hisbollah bis hinter den Litani-Fluss, also etwa 30 Kilometer hinter die israelische Grenze, und eine Entwaffnung der Hisbollah vor.
Die vom Iran unterstützte Organisation hat den Bedingungen jedoch nicht zugestimmt. Auch Israel will den Beschuss gegen die Schiitenmiliz im Südlibanon nach eigenen Angaben fortsetzen. Es wertet allein die Präsenz von Hisbollah-Kämpfern im Gebiet südlich des Litani-Flusses als De-facto-Verstoß gegen die Waffenruhe. Das israelische Militär ist weiterhin mit Truppen im Libanon präsent und rückte zuletzt auch immer weiter vor.
Israel will Angriffe fortsetzen
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Montag erklärt, die israelische Armee werde die Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Libanon ungeachtet iranischer Drohungen weiter fortsetzen. Der Iran hatte am Sonntagabend erstmals seit Inkrafttreten einer brüchigen Waffenruhe Anfang April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel von Beirut im Libanon an, die Hochburgen der proiranischen Hisbollah-Miliz sein sollen. Israel griff als Reaktion auf die iranischen Raketenangriffe militärische Ziele im Iran an.
Am Montag stellten der Iran und Israel die Kämpfe wieder ein. Beide Seiten drohten jedoch mit einer Wiederaufnahme, sollte die jeweils andere Seite erneut angreifen.
Der Libanon, von dessen Boden aus die Hisbollah aktiv ist, war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Israel fliegt derweil Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.