Politik

Taliban machen Drohung wahr Anschläge überschatten Afghanistan-Wahl

imago93561505h.jpg

Mitarbeiter der afghanischen Wahlkommission tragen Wahlurnen.

(Foto: imago images/Xinhua)

Gleich zweimal verschiebt Afghanistan aus Sicherheitsgründen die Präsidentschaftswahl. Im dritten Anlauf findet die Abstimmung statt, aber die radikalislamischen Taliban haben an Frieden kein Interesse. Sie überziehen das Land mit Anschlägen.

Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist landesweit von mehreren Anschlägen überschattet worden. Bei einer Bombenexplosion vor einem Wahllokal in der südlichen Stadt Kandahar wurden mindestens 15 Menschen verletzt. Präsident Aschraf Ghani, der erneut für das Amt des Staatschefs kandidiert, rief die 9,6 Millionen registrierten Wähler auf, trotz der Drohungen der radikalislamischen Taliban ihre Stimmen abzugeben.

Landesweit sichern nach Regierungsangaben rund 72.000 Soldaten die rund 5000 Wahllokale ab. Trotzdem gab es nach offiziellen Angaben bereits wenige Stunden nach Wahlbeginn im ganzen Land Anschläge. Die 15 Verletzten des Anschlags in Kandahar wurden in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben des Krankenhausdirektors handelte es sich bei allen Verletzten um Männer.

Ghani sagte in seinem Wahllokal in einer Schule in der Hauptstadt Kabul, Frieden sei der "größte Wunsch" des afghanischen Volkes. Er forderte die Afghanen zur Stimmabgabe auf, um seiner Regierung "den Auftrag und die Legitimität" zu erteilen, den bereits fertigen "Fahrplan" voranzutreiben.

124875848.jpg

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani (r.) gibt in einer Kabuler Schule seine Stimme ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anschläge schon im Wahlkampf

Die Taliban hatten vor der Wahl mit Attacken auf Wahllokale gedroht. Bereits während des zweimonatigen Wahlkampfes hatten Taliban-Kämpfer Veranstaltungen der Präsidentschaftskandidaten mit Anschlägen überzogen. Erst in der vergangenen Woche wurden bei einem Taliban-Anschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung von Präsident Ghani in der zentralen Region Parwan 26 Menschen getötet.

Insgesamt treten bei der Wahl 18 Kandidaten an. Amtsinhaber Ghani und sein Erzrivale Abdullah Abdullah gelten als Favoriten. Mit Ergebnissen wird nicht vor dem 19. Oktober gerechnet. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für November eine Stichwahl vorgesehen.

Angesichts von Anschlagsdrohungen, aber auch wegen Berichten über Wahlbetrug rechneten Beobachter mit einer niedrigen Wahlbeteiligung. In Kabul waren am Samstag viele der sonst vielbefahrenen Straßen nahezu leer.

Wahlfälschung und Betrug

Der frühere afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta beklagte im Deutschlandfunk Wahlfälschungen. Präsident Ghani kontrolliere alle staatlichen Institutionen einschließlich der Wahlkommission, sagte Spanta dem Sender. Den demokratischen Reformprozess bezeichnete der Ex-Diplomat als gescheitert.

Auch die US-Botschaft in Kabul zeigte sich "beunruhigt über zahlreiche Beschwerden über die Sicherheit, einen Mangel an Fairness sowie über Betrug". Ein Sprecher von UN-Generalsekretär Antóntio Guterres betonte, "jegliche gegen den Wahlprozess gerichtete Gewalt, einschließlich auf Wahllokale, Wahlhelfer und Wähler" sei "inakzeptabel".

Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan sollte ursprünglich bereits im April stattfinden, wurde jedoch zwei Mal verschoben. Grund dafür waren unter anderem die inzwischen abgebrochenen Friedensverhandlungen zwischen den USA und den Taliban.

Quelle: ntv.de, chr/AFP