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Ultimatum läuft ab, keine Lösung Arabische Staaten stehen ratlos vor Katar

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Die Kataris lassen sich von den Drohgebährden ihrer Nachbarn wenig beeindrucken, scheint es.

(Foto: picture alliance / Maggie Hyde/A)

Mit einem Ultimatum versuchen Saudi-Arabien und seine Verbündeten, das isolierte Katar auf Linie zu bringen. Doch der Wüstenstaat erfüllt keine der Forderungen. Es passiert: nichts. Denn die anderen Araber wissen nicht, was sie wollen.

In der Krise am Golf hat sich das arabische Bündnis nicht zu neuen Sanktionen gegen das Emirat Katar durchgerungen. Obwohl ein Ultimatum von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Ägypten und Bahrain ausgelaufen ist und Katar offensichtlich nicht auf die Forderungen seiner Nachbarstaaten eingeht, werden die bestehenden Sanktionen nicht weiter verschärft.

Die Außenminister der arabischen Allianz äußerten in Kairo ihre Enttäuschung über das Verhalten Katars. Die negative Antwort auf die Forderungen zeige die Nachlässigkeit und ein Fehlen der Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Problemen, sagte Ägyptens Außenminister Sameh Schukri. Jede Entscheidung müsse aber ernsthaft abgewogen werden.

US-Präsident Donald Trump sprach am Mittwoch mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi über die Krise. Trump rief alle Seiten dazu auf, "konstruktiv zu verhandeln, um den Disput zu lösen", wie das Weiße Haus mitteilte. Zugleich wiederholte er seine Forderung, dass alle Länder die Finanzierung von Terrorismus einstellen und extremistische Ideologien diskreditieren müssten.

Die vier arabischen Staaten hatten vor einem Monat ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Blockade gegen das Land verhängt. Die Staaten forderten das kleine, aber reiche Wüstenemirat unter anderem auf, die Beziehungen zum schiitischen Iran zurückzufahren und seinen TV-Sender Al-Dschasira zu schließen. Sie werfen Katar vor, Terrorgruppen zu unterstützen.

Gabriel vorsichtig optimistisch

Vor der Entscheidung der Blockadestaaten hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am Ende einer Reise an den Golf gesagt, er erwarte keine schnelle Lösung der Krise. "Es kann auch nochmal schwierige Phasen geben", sagte Gabriel. Er sei aber "vorsichtig optimistisch, dass es gelingen kann, in den nächsten Wochen diesen Konflikt zumindest mal in geordnete Bahnen zu bekommen". Der SPD-Politiker war am Montag zunächst nach Saudi-Arabien und in die VAE, danach nach Katar und am Mittwoch nach Kuwait gereist, das in dem Streit vermittelt.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hatte den offiziellen Vorwurf der Terrorfinanzierung als Vorwand bezeichnet, damit die Allianz international Sympathie für ihre Maßnahmen bekomme. Es gilt aber zum Beispiel im Syrien-Krieg als offenes Geheimnis, dass aus Katar Geld an die radikalsten Gegner von Präsident Baschar al-Assad fließt - es soll vor allem von Privatleuten kommen.

Dabei sieht sich nicht nur Katar mit dem Vorwurf konfrontiert, islamischen Terrorismus zu fördern, sondern auch Saudi-Arabien. Das Land habe in den vergangenen 50 Jahren über Stiftungen mindestens 67 Milliarden Pfund (gut 76 Milliarden Euro) ausgegeben, um den Wahhabismus - eine streng-konservative Lesart des Islam - zu exportieren, schrieb die Denkfabrik Henry Jackson Society in einer Studie. Der saudische Wahhabismus gilt unter anderem auch als Quelle der Dschihad-Ideologie.

In Kairo kündigten die Außenminister der vier arabischen Staaten an, demnächst erneut in Bahrains Hauptstadt Manama zusammenkommen zu wollen, um weitere Schritte zu beraten.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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