Politik

"Teurer Irrweg"Arbeitgeber pochen auf Ende der abschlagsfreien Frührente

04.06.2026, 00:32 Uhr
00:00 / 02:44
Ein-Rentnerpaar-macht-eine-Pause-von-ihrer-e-bike-Tour-und-sitztzum-Sonnenuntergan-auf-einer-Parkbank-Neuharlingersiel-23-05-2026
Für die SPD ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren eine Frage der Gerechtigkeit. (Foto: picture alliance / Jochen Eckel)

Arbeitnehmer, die besonders lange in die Rentenkasse einzahlen, können derzeit schon vor dem eigentlichen Regeleintrittsalter ohne Abschläge in Rente gehen. Die Arbeitgeber laufen angesichts absehbarer Probleme der gesetzlichen Rente Sturm gegen diese Regelung - und berufen sich auf eine neue Studie.

Die deutschen Arbeitgeber verlangen eine Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für besonders langjährig Versicherte. "Die abschlagsfreie Frühverrentung ist ein teurer Irrweg, den sich unser Sozialstaat angesichts des demografischen Wandels nicht länger leisten sollte", sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung BDA, Steffen Kampeter, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Er reagierte damit auf Berechnungen, wonach die Staatskasse mit einer Abschaffung dieser Regelung um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlastet werden könnte. Laut Bertelsmann Stiftung nutzen jedes Jahr 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige die Möglichkeit, nach mindestens 45 Beitragsjahren vorzeitig ohne Abschläge in Rente zu gehen. Aus einer Kalkulation des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gehe hervor, dass eine Abschaffung ein Beschäftigungspotenzial von 125.000 Vollzeitkräften bedeuten würde.

"Während Fachkräfte fehlen, müssen die Beitragszahler mit der sogenannten "Rente ab 63" weiterhin den vorzeitigen Ausstieg erfahrener Beschäftigter aus dem Arbeitsmarkt finanzieren - das ist das falsche Signal zur falschen Zeit", sagte Kampeter. "Wer die Rentenversicherung stabilisieren, Beitragszahler entlasten und Wachstum sichern will, kommt an der Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung nicht vorbei."

SPD: Es geht nicht um Privilegien, sondern um Gerechtigkeit

Auch aus der Union kommen schon seit längerem Forderungen, die abschlagsfreie Frührente im Zuge der geplanten Reformen abzuschaffen. Die SPD lehnt das jedoch ab. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte dem RND: "Viele Menschen können schlicht nicht bis ins hohe Alter weiterarbeiten, gerade in körperlich oder psychisch belastenden Berufen und bei gesundheitlichen Einschränkungen." Eine Abschaffung der abschlagsfreien Frührente würde diese Menschen besonders hart treffen. Es gehe nicht um Privilegien, sondern um Gerechtigkeit nach einem langen Arbeitsleben.

Quelle: ntv.de, dsc/dpa

RentenkassenRenteRentenpolitikRente mit 63Deutsche Rentenversicherung