Politik

"Niedriger Blutzucker" Ärzte: Nawalny leidet an Stoffwechselstörung

imago0089618248h.jpg

Alexej Nawalny kämpft seit Donnerstag um sein Leben.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Im Omsker Klinikum erklären die behandelnden Ärzte des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, sie hätten kein Gift im Körper des Patienten gefunden. Ihre Diagnose: Der 44-jährige Politiker leide unter einer Stoffwechselstörung - ausgelöst durch niedrigen Blutzucker.

Im Körper des schwer erkrankten russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny wurde nach Angaben seiner behandelnden Ärzte im russischen Omsk kein Gift nachgewiesen. "Bisher wurde kein Gift im Blut und Urin gefunden", hieß es vonseiten der Klinikleitung. Vielmehr leide der 44-Jährige laut Klinikleiter Alexander Murachowski an einer Stoffwechselstörung, die durch einen zu niedrigen Blutzucker-Wert verursacht worden sei.

Zwar bestätigte Murachowski auch, dass an Kleidung und Finger des Patienten Spuren von "industriellen chemischen Substanzen" gefunden worden seien. Das sei aber ein üblicher chemischer Stoff, der auch bei der Produktion von Plastikbechern eingesetzt werde. Nawalnys persönliche Ärztin, Anastasia Vasilyeva, twitterte, Stoffwechselstörungen könnten bei vielen Erkrankungen auftreten. Auch der Blutzuckerabfall sei keine Diagnose. "Wieder einmal halten sie uns für Idioten", schrieb Vasilyeva.

Nawalnys Team geht nach wie vor davon aus, dass der Oppositionelle absichtlich vergiftet wurde. Kurz zuvor hatte es geheißen, es sei ein vermutlich "tödliches Mittel" bei Nawalny gefunden worden. Die Polizei habe den Ärzten mitgeteilt, dass sie diesen gefährlichen Stoff gefunden habe, hatte der Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds, Iwan Schdanow, erklärt. Das Gift sei demnach nicht nur gefährlich für Nawalny, sondern auch für die Umgebung, weshalb das Tragen von Schutzanzügen angewiesen worden sei. Wegen laufender Ermittlungen sei nicht mitgeteilt worden, um welchen Stoff es sich handele.

Bundesregierung äußert sich skeptisch

80fd348b643e948f05b51956b86ec07e.jpg

Alexander Murachowski, Chefarzt am Klinikum in Omsk, vor Journalisten.

(Foto: dpa)

Seit einem Tag liegt der Oppositionelle auf der Intensivstation im Koma. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch kritisierte, dass die Ärzte in Omsk bisher keinen Transport des Patienten zur Behandlung im Ausland erlaubten. Sie rief die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf, um den Transport zu erzwingen. Am Morgen hatte Chefarzt Murachowski erklärt, Nawalny könne derzeit nicht nach Deutschland ausgeflogen werden. Zunächst müsse dessen Zustand stabilisiert werden.

Anhänger Nawalnys hatten ein Rettungsflugzeug organisiert, das ihn zur Behandlung in eine Berliner Klinik bringen soll. Die Maschine war am frühen Morgen in Nürnberg gestartet und zwischenzeitlich auch in Omsk gelandet. Die Stadt liegt 2200 Kilometer östlich von Moskau. Der Kreml stellt sich nach eigenen Angaben nicht gegen einen Transport Nawalnys ins Ausland. "Das ist ausschließlich eine medizinische Angelegenheit", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Wahrscheinlich gibt es irgendwelche Formalitäten, die noch notwendig sind. Aber es gibt für niemanden irgendwelche Hindernisse. Das ist die Entscheidung des behandelnden Arztes."

Die Bundesregierung äußerte zumindest vorsichtige Zweifel an der Einschätzung der behandelnden Ärzte zur Transportfähigkeit Nawalnys. Aus dessen Umfeld habe es den Vorschlag gegeben, dass auch Ärzte seines Vertrauens in die Klärung dieser Frage einbezogen werden. "Das findet die Bundesregierung nachvollziehbar", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er betonte zudem, dass eine Behandlung in einem deutschen Krankenhaus weiterhin möglich sei, wenn dies aus seinem Umfeld gewünscht werde. Die entsprechenden Vorkehrungen seien bereits getroffen worden.

Quelle: ntv.de, jug/rts/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen