Politik

Angriff trotz Waffenstillstand Aserbaidschan schießt nach "Provokationen"

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Ein aserbaidschanischer Panzer rollt über eine Straße, nachdem eine Region in Berg-Karabach in aserbaidschanische Kontrolle übergeben wurde.

(Foto: dpa)

Einen Monat nach Ende der blutigen Kämpfe in der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus werden dort bei einer Schießerei wieder einmal mehrere Soldaten verletzt. Die Behörden des Gebiets sprechen von einem Angriff Aserbaidschans auf einen ihrer Militärposten.

Die russische Armee hat einen Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen in der Südkaukasus-Region Berg-Karabach gemeldet. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass der Vorfall sich am Freitag im Bezirk Hadrut ereignet habe.

Das regionale Verteidigungsministerium hatte zuvor Angriffe auf zwei Dörfer durch aserbaidschanische Streitkräfte gemeldet. Das Verteidigungsministerium in Aserbaidschan erklärte, nach "Provokationen" seien "angemessene Gegenmaßnahmen" ergriffen worden. Inzwischen werde der Waffenstillstand wieder respektiert.

Ein Sprecher der russischen Truppen in der Region bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, dass es "Schusswechsel mit automatischen Waffen" gegeben habe. Beide Konfliktparteien seien aufgefordert worden, die Waffenruhe zu respektieren.

Drei pro-armenische Kämpfer verletzt

Nach Angaben des regionalen Verteidigungsministeriums in Berg-Karabach wurden drei pro-armenische Kämpfer bei einem Feuergefecht mit aserbaidschanischen Streitkräften verwundet. Demnach wurden armenische Kämpfer am Freitagabend von aserbaidschanischen Truppen angegriffen.

Nach sechswöchigen schweren Kämpfen zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan war unter russischer Vermittlung am 9. November ein Waffenstillstandsabkommen erzielt worden, das für Armenien bedeutende Gebietsverluste zur Folge hat. Während der Kämpfe wurden nach Angaben von Armenien und Aserbaidschan mehr als 5000 Menschen getötet. Derzeit sind rund 2000 russische Soldaten in der Region stationiert, um die Einhaltung des Abkommens zu kontrollieren.

Republik wird nicht anerkannt

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Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Unterdessen trafen am Samstag Vertreter der sogenannten Minsk-Gruppe mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew in Baku zusammen. Am Sonntag wurden der Franzose Stephane Visconi und der US-Vertreter Andrew Schofer in der armenischen Hauptstadt Eriwan erwartet.

Die USA, Frankreich und Russland leiten gemeinsam die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1992 zur Entschärfung des Konflikts um Berg-Karabach eingerichtet worden war.

Quelle: ntv.de, tno/AFP