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IS-Miliz zieht ab Assad-Regime erklärt Damaskus für sicher

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Soldaten nahe des Flüchtlingslagers Jarmuk.

(Foto: REUTERS)

IS-Kämpfer verlassen die von ihnen besetzten Gebiete südlich von Damaskus. Die ganze Hauptstadtregion sei wieder unter der Kontrolle der Regierung, verkündet das Militär. Dem sollen Verhandlungen mit dem IS vorausgegangen sein.

Nach dem Abzug der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus ihrer letzten Bastion im Süden von Damaskus hat die Regierung die syrische Hauptstadt für "komplett sicher" erklärt. "Die syrische Armee verkündet heute, dass Damaskus, seine Randgebiete und die umliegenden Städte komplett sicher sind", sagte ein Militärsprecher den Staatsmedien. Erstmals seit 2012 ist damit die gesamte Region wieder unter Kontrolle der Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuvor berichtet, dass in der Nacht eine zweite Gruppe IS-Kämpfer aus dem Flüchtlingslager Jarmuk und dem Viertel Tamadun im Süden von Damaskus abgezogen sei. Schon am Sonntag hatte demnach eine erste kleinere Gruppe Dschihadisten die Stadt in Richtung einer Wüstenregion im Osten Syriens verlassen, die noch unter Kontrolle der sunnitischen Extremistengruppe steht.

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Laut der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle hat sich die IS-Miliz mit der Regierung auf eine Waffenruhe und den Abzug ihrer Kämpfer geeinigt. Von Seiten der Regierung wurde dies nicht bestätigt. Ein Militärvertreter sagte aber der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, dass eine Waffenruhe bis Montagmittag vereinbart worden sei, um Frauen und Kinder aus den umkämpften Vierteln in Sicherheit zu bringen.

Aktivisten: Busse bringen IS-Kämpfer fort

Ein Militärsprecher sagte später, die Armee habe "eine große Zahl Kämpfer" der IS-Miliz "eliminiert" und damit die Kontrolle über Jarmuk und Tadamun zurückerlangt. Laut der Beobachtungsstelle wurden 1600 Kämpfer und Zivilisten in 32 Bussen fortgebracht. Die Räumung erfolgte demnach "in der Nacht und im Geheimen", weil die Regierung nicht bestätigen wollte, mit der IS-Miliz zu verhandeln.

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Ende April: Blick auf Jarmuk.

(Foto: REUTERS)

Die Regierungstruppen hatten am 19. April eine Offensive auf die letzten IS-Bastionen in Damaskus gestartet. Seitdem wurden bei Kämpfen in Jarmuk, Tadamun, Kadam und Hadschar al-Aswad laut der Beobachtungsstelle 250 Regierungskämpfer, 233 Dschihadisten und 60 Zivilisten getötet. Die oppositionsnahe Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort; für Medien sind sie nur schwer überprüfbar.

Letzte Rebellengebiete in Nordsyrien

Mitte April hatte die Regierung bereits die Region Ost-Ghuta nach einer zweimonatigen blutigen Offensive vollständig von den Rebellen eingenommen. Anschließend waren die Aufständischen unter dem Druck der Armee gezwungen, auch weitere Städte im Umland der Hauptstadt zu räumen. Die meisten Kämpfer und ihre Angehörigen zogen nach Verhandlungen mit der Regierung in die letzten Rebellengebiete in Nordsyrien ab.

Laut der Beobachtungsstelle kontrolliert die IS-Miliz inzwischen nur noch drei Prozent des syrischen Territoriums, darunter drei Dörfer an der irakischen Grenze. Ihren Angaben zufolge rückte die kurdisch-arabische SDF-Allianz am Sonntag mit Unterstützung französischer und US-Streitkräfte weiter auf diese letzte IS-Bastion östlich des Euphrat vor. Abgesichert wurde die Offensive auf der anderen Seite der Grenze von der irakischen Armee.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP

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