Politik

Nach Prügelattacke in Amberg Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben

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Kritiker warnen noch immer vor der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am frühen Morgen trifft in Kabul ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland ein. Unter den 26 Afghanen an Bord befindet sich auch einer der wegen der Prügelattacke in Amberg verurteilten Asylbewerber.

Knappe zwei Wochen nach seiner Verurteilung wegen der Prügelattacke von Amberg ist ein abgelehnter afghanischer Asylbewerber abgeschoben worden. Der am 10. Mai zu sechs Monaten Jugendhaft verurteilte Heranwachsende habe sich in einem von München nach Kabul gestarteten Abschiebeflug befunden, teilte das bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen mit. Beamte am Flughafen bestätigten, die Maschine sei mit 26 abgeschobenen Afghanen an Bord um 7.00 Uhr Ortszeit gelandet.

Den Angaben zufolge beteiligten sich neben Bayern auch die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an der Sammelabschiebung. Mit insgesamt 14 Abgeschobenen lebten die meisten zuletzt in Bayern. Unter diesen seien sechs rechtskräftig verurteilte Straftäter, erklärten die bayerischen Behörden.

Bei der Prügelattacke in der oberpfälzischen Stadt Amberg hatten vier junge Asylbewerber kurz vor dem Jahreswechsel unter Einfluss von Alkohol und Drogen wahllos Passanten und Polizisten angegriffen, der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Der nun Abgeschobene wurde unmittelbar nach dem Urteilsspruch in Abschiebehaft genommen.

Sicherheitslage weiter angespannt

Bei den bisherigen 23 Abschiebungen hatten Bund und Länder 565 Männer nach Afghanistan zurückgebracht. Nach einer Sammelabschiebung im Juli vergangenen Jahres beging einer der 69 Männer kurz nach seiner Ankunft in Kabul Suizid - und befeuerte damit die Debatte über die umstrittenen Abschiebungen.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Sicherheitslage in Afghanistan weiter angespannt ist. Der Krieg gegen die radikalislamischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fordert täglich Opfer. Insgesamt starben einem UN-Bericht zufolge von Januar bis Ende März 581 Zivilisten in dem Konflikt, 1192 wurden verletzt. Das waren 23 Prozent weniger Opfer als im gleichen Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gibt es Bemühungen, den Konflikt politisch zu lösen. Bisher gab es mehrere Gesprächsrunden zwischen Vertretern der USA und hochrangigen Taliban. Diese sollen zu direkten Gesprächen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban führen. Die Bemühungen um eine politische Lösung gerieten in den vergangenen Wochen allerdings etwas ins Stocken.

Quelle: n-tv.de, vck/AFP/dpa

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