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Donnerstag, 12. April 2018

Raketen gegen Assad: Atommächte auf Konfrontationskurs

US-Präsident Trump kündigt einen Militärschlag gegen Syrien an. Genau davor hat Russland ihn zuvor gewarnt. Gleichzeitig appellieren beide Seiten an die Vernunft. Derweil schickt Großbritannien U-Boote in Stellung und der Iran stellt sich an die Seite Damaskus.

Die USA stehen vor einer militärischen Ausweitung ihrer Aktionen im Bürgerkriegsland Syrien. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime hat US-Präsident Donald Trump einen Raketenangriff auf das Land angekündigt. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, die Situation in der Welt sei besorgniserregend. Er hoffe auf einen Sieg der Vernunft. Der Kreml hatte Washington Stunden zuvor deutlich vor einem solchen Schritt gewarnt und Gegenmaßnahmen angekündigt.

Großbritannien bringt seine U-Boote für einen etwaigen Militärschlag in Stellung. Premierministerin Theresa May habe ihnen befohlen, sich in Reichweite für einen Angriff mit "Tomahawk"-Marschflugkörpern zu bringen, berichtet der "Daily Telegraph" unter Berufung auf Regierungskreise. Der Angriff könne Donnerstagnacht beginnen. May berief zudem für den Lauf des Tages eine eine Kabinettssitzung zu Syrien ein.

Derweil hat der Iran dem Verbündeten Syrien seine Solidarität gegen die USA und Israel zugesichert. "Der Iran unterstützt Syrien in seinem Kampf gegen Amerika und das zionistische Regime", sagte Ali Akbar Welajati, der Spitzenberater des geistlichen und politischen Oberhaupts.

"Mach dich bereit Russland"

Trump hatte zuvor getwittert: "Mach dich bereit Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und 'intelligent!'". Später legte er nach und erklärte, das Verhältnis beider Staaten sei noch nie so schlecht gewesen wie jetzt, nicht mal im Kalten Krieg. Zugleich sprach er sich für eine Zusammenarbeit mit Russland aus, in der Wirtschaft und beim Stopp des Rüstungswettlaufs. "Eine tolle Idee", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums dazu. Man sollte mit den Chemiewaffen der USA beginnen.

Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol warnte Fluggesellschaften, im östlichen Mittelmeer könnten innerhalb der nächsten 72 Stunden Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden. Das russische Militär erklärte, es registriere Aktivitäten von US-Marineeinheiten im Golf. Man beobachte die Situation um Syrien herum genau. Nach Informationen der oppositionsnahen Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte räumten regierungstreue Truppen Flugplätze und Luftwaffenstützpunkte, die mögliche Angriffsziele sein könnten.

Direkte Konfrontation droht

Russlands Botschafter im Libanon, Alexander Sasypkin, hatte angekündigt, sollten die USA Syrien mit Raketen angreifen, dann würden diese abgeschossen und auch die Abschussvorrichtungen ins Visier genommen. Damit droht eine direkte militärische Konfrontation der beiden Atommächte.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte, "intelligente Raketen" sollten Terroristen treffen und nicht rechtmäßige Regierungen. Der Einsatz solcher Waffen könne ein Versuch sein, Beweise für einen mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen in Syrien zu zerstören. Das russische Militär warf Aktivisten in der Rebellenbastion Duma vor, den angeblichen Giftgasangriff inszeniert zu haben. Gesammelte Proben hätten keinen Hinweis auf eine giftige Substanz gegeben. US-Verteidigungsminister Jim Mattis erklärte, die Auswertung der Erkenntnisse über den Giftgasangriff sei noch nicht abgeschlossen.

Der Westen macht Syriens Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: "Es gibt schwere Indizien, die auf das syrische Regime weisen." Ähnlich äußerte sich die britische Premierministerin Theresa May. Der Angriff dürfe nicht unbeantwortet bleiben, sagte sie.

Syriens Außenministerium warf dagegen den USA vor, mit Lügen einen Vorwand zu schaffen, um das Land ins Visier zu nehmen. Syrien hat Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeladen, im Ort der mutmaßliche Attacke Duma die Vorwürfe zu überprüfen. Die OPCW will Inspektoren entsenden.

Angesichts der Spannungen warnt UN-Generalsekretär António Guterres die Mitglieder des Weltsicherheitsrates davor, die Lage außer Kontrolle geraten zu lassen. Er habe die Botschafter der fünf ständigen Mitglieder des höchsten UN-Gremiums kontaktiert, um seine Sorge über die Pattsituation im Rat zu bekräftigen, teilte Guterres mit. Er erinnerte daran, dass es letzten Endes um ein Ende des «schrecklichen Leidens der Syrer» gehen müsse.

Quelle: n-tv.de