Politik

Der Übervater der FPÖ Aufstieg und Fall von Heinz-Christian Strache

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Strache machte die Rechtspopulisten in Österreich zur Regierungspartei.

(Foto: dpa)

Über Jahre ist Heinz-Christian Strache FPÖ-Chef, führt die Partei zu Wahlsiegen und an die Macht. Er selbst ist schließlich Vizekanzler, bis er wegen eines Videos zu Fall kommt.

Ohne Heinz-Christian Strache ist die Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) nicht denkbar. Er ist die Seele der Partei, ihr Gesicht, ihr Übervater. Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter und gelernte Zahntechniker übernahm 2005 die von Jörg Haider geprägte FPÖ. Deren Umfragewerte lagen zu diesem Zeitpunkt bei etwa vier Prozent.

Haider, der 2008 bei einem Verkehrsunfall um Leben kam, war Straches politischer Ziehvater. Einig waren sich die beiden dennoch nicht immer. Als Haider 2005 die FPÖ verließ und das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) gründete, war der Weg für Strache frei. Seitdem steht Strache an der Spitze der vor allem durch ihre Kritik an der Zuwanderung bekannten FPÖ.

Strache wurde früh Vater von zwei Kindern mit seiner damaligen Ehefrau, die einer prominenten Wiener Gastronomen-Familie entstammt. Inzwischen ist der starke Raucher erneut verheiratet und wurde vor wenigen Monaten zum dritten Mal Vater. Anlässlich der Geburt nahm er sich einen "Papa-Monat" und damit dienstfrei.

Seine Parteikarriere startete Strache​ mit 21 Jahren als jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße. Später angelte er sich ein Mandat im Wiener Landtag und galt rasch als Hoffnungsträger der traditionell starken Landesgruppe, deren Chef er seit eineinhalb Jahrzehnten ist.

Im Dezember 2017 erfüllte er sich seinen politischen Traum: die Regierungsbeteiligung der FPÖ unter seiner Führung. Fast 26 Prozent der Österreicher hatten der Partei ihre Stimme gegeben. Das war zwar insgesamt nur Platz drei, doch es reichte zur Rolle als Königsmacher. Strache selbst wurde Vizekanzler und Sportminister. Kurzzeitig war er sogar als Innenminister im Gespräch. Das Wiener Wochenblatt "Falter" zeigte damals ein Bild des jungen Heinz-Christian Strache in Uniform. Im Gesicht hat er eine schwarze Sturmhaube, in der Hand ein Gewehr, vermutlich eine Paintball-Waffe.

Kein Neonazi?

Unstrittig ist, dass Strache engen Kontakt zu Schlüsselfiguren der österreichischen Neonazi-Szene hatte, mehrfach von der Polizei auf rechtsradikalen Demonstrationen festgesetzt wurde und auch an Wehrsport-Übungen teilnahm. Strache betonte immer, er sei nie Neonazi gewesen und sei auch heute keiner. Erst nach weiteren Enthüllungen 2009 gab Strache nach und nach zu, was sich nicht mehr leugnen ließ - und sprach von "kindlichen Dummheiten". Explizit nicht ausschließen wollte er, dass "Juxfotos" von ihm auftauchen könnten, auf denen er den Hitlergruß zeigt.

Geschadet hat ihm das in seiner Karriere nicht. Strache versuchte trotzdem, Kritik zu entkräften, die FPÖ sei zumindest in Teilen antisemitisch. Nach dem Vorbild anderer rechtspopulistischer Parteien in Europa, verkündete er, die FPÖ habe sich nicht zuletzt dem Kampf gegen politischen Islam verschrieben. Verbunden sind diese Aussagen mit deutlicher Kritik an der EU.

Zum Verhängnis wurde ihm schließlich ein Video, das offenbar mitten im Wahlkampf im Juli 2107 auf Ibiza aufgenommen wurde. Strache zeigt sich darin nicht abgeneigt, als Gegenleistung für finanzielle Unterstützung im Wahlkampf öffentliche Aufträge an eine angebliche Nichte eines russischen Oligarchen zu vergeben. Am Tag nach der Veröffentlichung tritt er als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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