Ausreise aus Nahost-RegionErster Evakuierungsflug der Bundesregierung startet am Mittwoch

Infolge der Angriffe auf den Iran und dessen Reaktion bleibt der Luftraum über Nahost tagelang gesperrt. Allein rund 30.000 deutsche Urlauber sitzen fest. Die Bundesregierung will "vulnerable Gruppen" bei der Rückreise unterstützen und stellt nun den ersten Charterflug in Aussicht.
Die erste von der Bundesregierung gecharterte Maschine zum Ausflug der in den Golfstaaten gestrandeten Touristen startet nach Angaben von Außenminister Johann Wadephul am Mittwoch. Damit sollen zunächst hilfsbedürftige Menschen ausgeflogen werden, darunter Kinder, Kranke und Schwangere. Das Flugzeug werde die omanische Hauptstadt Maskat ansteuern, bestätigte Wadephul im Interview mit Welt TV. Weitere Flüge sollen demnach in den kommenden Tagen folgen, die Bundesregierung sei dafür mit Lufthansa und Condor im Gespräch.
"Morgen wird es einen ersten Flug nach Maskat im Oman geben, wo wir versuchen wollen, diese Personengruppe - vulnerabel nennen wir sie, also Alte, Kranke, Schwache, Schwangere, Kinder. Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können, um diese Gruppe mit nach Hause zu nehmen - nach Deutschland", sagte Wadephul. Es seien "weitere Flüge dieser Art" geplant. Er hoffe, dass diese in den nächsten Tagen erfolgen können.
"Zudem stellen wir ja fest, dass glücklicherweise jetzt auch die kommerziellen Fluglinien aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dort Flüge zurückbringen, ein erster Flug ist heute da. Weitere sind zu erwarten und daran arbeiten wir jetzt sehr intensiv, konsularisch vor Ort mit unserem Personal", sagte Wadephul. Er sei dazu sowohl mit den Emiraten als auch "mit allen Reiseveranstaltern" in engem Kontakt.
Wie viele Menschen an Bord des ersten Fliegers sein werden, richtet sich laut Wadephul nach der Art des genutzten Flugzeuges: "Es wird eine ganz klassische Maschine der Größenordnung sein, die Touristen auf diese weitere Entfernung transportieren kann." Außerdem sei noch unklar, welche Personen rechtzeitig vor Abflug am Flughafen sein werden. Dies hänge auch davon ab, wer sich ein Fahrzeug besorgen und den Landweg aus den Emiraten in den Oman zurücklegen könne.
"Da sind wir auf die Zusammenarbeit angewiesen, die sehr eng ist mit den Reiseverkehrsunternehmen. Der eine oder die andere wird vielleicht auch individuell dort anreisen", erklärte der Außenminister. Allen Touristen, die nicht zur vulnerablen Gruppe zählen, müsse man "noch einen entweder längeren Aufenthalt zumuten oder eben anbieten - und das geschieht jetzt ja sehr schnell -, dass sie direkt von den VAE abfliegen nach Deutschland", sagte Wadephul. "Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen und die allermeisten der deutschen Touristen endlich zurückkommen können nach Deutschland."
Das Auswärtige Amt will neben den Charterflugzeugen auch Krisenunterstützungsteams nach Maskat, Doha und Dubai schicken. Weitere Teams sollen die Lage an den Grenzübergängen erkunden. Eine militärische Evakuierung schloss Wadephul bereits aus.
Erste Flieger aus Dubai zurück in Deutschland
Deutsche Reiseveranstalter arbeiten parallel weiter an der Rückreise festsitzender Urlauber. "Es geht darum, die Gäste zu beruhigen, Sachlichkeit, transparente Kommunikation mit ihnen zu haben, damit eben keine Panik ausbricht", sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen, im rbb-Inforadio. Zugleich warnte sie vor wirtschaftlichen Folgen, falls mit Dubai und Doha wichtige internationale Drehkreuze länger eingeschränkt bleiben. "Es herrscht eine große Unsicherheit."
Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) setzt auf eine enge Abstimmung mit den Behörden. DRV-Sprecher Thorsten Schäfer bekräftigte im Deutschlandfunk die Empfehlung des Auswärtigen Amts, "im Hotel zu bleiben und sich nicht auf eigene Faust in ein anderes Land oder zum Flughafen zu begeben".
Nach tagelangem Ausharren sind erste Urlauber aus der Golfregion bereits am Dienstagmittag nach Hause zurückgekehrt: In Frankfurt am Main landete ein erstes Flugzeug aus Dubai, ein weiteres startete am späten Vormittag mitteleuropäischer Zeit in Abu Dhabi. Am frühen Nachmittag hob eine weitere Maschine von Dubai nach München ab. Von Samstag bis Montag waren wegen der Angriffe auf den Iran in der Region rund 13.000 Flüge gestrichen worden - allein aus Deutschland sitzen dort rund 30.000 Pauschalurlauber fest, dazu kommt eine unbekannte Zahl Individualreisende.