Politik

Fall von Kabul BND lieferte offenbar völlig falsche Prognose

921ccdedd703fca22fb9ffbe7cae4aad.jpg

Taliban-Patrouille in Kabul. Für einheimische Mitarbeiter der Bundeswehr und westlicher Organisationen ist der Weg zum Flughafen nicht sicher.

(Foto: AP)

Der deutsche Auslandsgeheimdienst ging einem Bericht zufolge noch am vergangenen Freitag davon aus, dass Kabul frühestens im September an die Taliban fallen würde. Zwei Tage später hatten die Gotteskrieger die afghanische Hauptstadt unter Kontrolle.

Der Bundesnachrichtendienst hat einen unmittelbar bevorstehenden Einmarsch der radikal-islamischen Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul noch vor einer Woche so gut wie ausgeschlossen. In einer Sitzung des Afghanistan-Krisenstabs der Bundesregierung vom 13. August sei die Position des BND gewesen, die Übernahme Kabuls durch die Taliban vor dem 11. September sei "eher unwahrscheinlich", berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf ein Protokoll des Treffens. Am 11. September - dem zwanzigsten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center - wollten die USA ihren Abzug aus Afghanistan offiziell beendet haben.

Dem Bericht zufolge ging der BND davon aus, dass die Taliban-Führung "derzeit kein Interesse" an einer Eroberung der Hauptstadt habe. Allerdings habe der Geheimdienst darauf hingewiesen, dass eine Ausreise der afghanischen Eliten den "Prozess beschleunigen" könnte.

Die Taliban hatten Kabul am Sonntag erobert und damit die Macht im ganzen Land übernommen. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani war wenige Stunden zuvor ins Ausland geflohen. Die Fehleinschätzung des Bundesnachrichtendienstes dürfte ein Grund dafür sein, dass die Evakuierungsaktion für Deutsche und afghanische Ortskräfte zu spät eingeleitet wurde.

Mehr zum Thema

Bereits am Montag hatte das Magazin "Business Insider" berichtet, BND-Vertreter hätten im Juni die Einschätzung geäußert, dass es bis zu einer Machtübernahme der Taliban noch lange dauern würde. In einer vertraulichen Sitzung mit Bundestagsabgeordneten sagten die BND-Mitarbeiter demnach, dass sie zwar mit einem Sieg der Taliban rechnen würden, aber erst in 18 bis 24 Monaten.

Selbst am Freitag habe die Bundesregierung die Lage in Kabul noch so eingeschätzt, dass ein Zeitfenster bis Ende März bleibe, in dem deutsche Staatsangehörige und Ortskräfte ausgeflogen werden könnten. Quellen für diese Informationen nannte "Business Insider" nicht.

Quelle: ntv.de, hvo/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen