Politik

Milliardenkosten für Krankenhäuser Bagatellfälle verstopfen Notaufnahmen

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In den Notaufnahmen machen die Krankenhäuser große Verluste und fordern deshalb ein neues Vergütungssystem.

(Foto: dpa)

Mehr als 20 Millionen Menschen suchen jährlich die Notaufnahme eines Krankenhauses auf. Dabei wäre ein Drittel von ihnen bei einem niedergelassenen Arzt besser aufgehoben. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern gefährdet das Leben anderer Menschen.

Die Notaufnahmen in Deutschlands Krankenhäusern werden nach einer neuen Studie durch Millionen Patienten mit leichteren Erkrankungen verstopft. Lebensbedrohlich erkrankte Patienten drohen deshalb oft zu spät behandelt zu werden. "Viele Patienten wissen heute nicht, an wen sie sich im Notfall wenden sollen", sagte die Vorsitzende des Ersatzkassenverbands vdek, Ulrike Elsner, bei der Vorstellung einer neuen Studie. Krankenhäuser tendierten zudem dazu, leichtere Fälle stationär aufzunehmen, obwohl das eigentlich gar nicht nötig sei.

Mehr als 20 Millionen Menschen landeten so mittlerweile jedes Jahr in der Notaufnahme, sagte Ulrike Elsner. Laut der Studie des Instituts Aqua nimmt die Zahl zwischen vier und neun Prozent pro Jahr zu. Bei bis zu zwei Drittel der Patienten reiche eine rein ambulante Betreuung, sagte Aqua-Geschäftsführer Joachim Szecsenyi.

"Wir brauchen transparentere Strukturen in der Notfallversorgung", erklärte Elsner. Unklare Sprechstundenzeiten und Anlaufstellen der niedergelassenen Ärzte, undurchsichtige Zuständigkeiten zwischen ambulantem und stationärem Notdienst sowie die Unsicherheit der Patienten seien die Hauptgründe dafür, dass immer mehr als Notfall die Klinik ansteuern. Viele erwarten in der Klinik aber auch eine schnelle und bessere Versorgung.

Portalpraxen sollen Patienten einteilen

Der Ersatzkassenverband, zu dem unter anderem die Techniker Krankenkasse, Barmer GEK und DAK-Gesundheit gehören, fordern die flächendeckende Einrichtung sogenannter Portalpraxen an allen Krankenhäusern. Dort sollen Patienten in einer festen Anlaufstelle zunächst einmal begutachtet werden. Damit soll abgeklärt werden, ob es sich um eine Bagatellerkrankung oder einen lebensbedrohlichen Notfall handelt.

Je nach Dringlichkeit sollen die Patienten dann entweder an eine niedergelassene Arztpraxis oder in die ambulante Notdienstpraxis im Krankenhaus, die auch außerhalb der Sprechstundenzeiten behandelt, beziehungsweise in die Notaufnahme weitergeleitet werden. Die Portalpraxen seien "Dreh- und Angelpunkt" der Notfallversorgung, heißt es in einem Gutachten des Aqua-Instituts für den Ersatzkassenverband.

Neues Vergütungssystem gefordert

Zudem fordern die Kassen gemeinsame Rettungsleitstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Rettungsdienste, um Anrufer unter der 112 und der Rufnummer der KVen (116117) an den geeigneten Notdienst zu vermitteln. Viele Patienten sei der ärztliche Notdienst unbekannt - oder sie könnten den Behandlungsbedarf nur schlecht einschätzen.

Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) ist die ambulante Notfallversorgung für die Kliniken ein milliardenteures Minusgeschäft. "Einem durchschnittlichen Erlös von rund 40 Euro pro ambulanten Notfall stehen Fallkosten von mehr als 100 Euro gegenüber", sagte DKG-Geschäftsführer Georg Baum. Dies summiere sich insgesamt auf eine Milliarde Euro nicht gedeckter Kosten. Ein neues Vergütungssystem sei nötig, doch Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung stünden hier auf der Bremse.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/dpa

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