Politik

"Donald Trump kann es nicht" Barack Obama greift in den Wahlkampf ein

Es ist nicht üblich, dass frühere Präsidenten ihre Nachfolger kritisieren. Auch Barack Obama übte sich lange in Zurückhaltung. Damit ist es nun vorbei.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump ungewöhnlich scharf angegriffen. "Donald Trump ist nicht in den Job hineingewachsen, weil er es nicht kann. Und die Folgen dieses Versagens sind schwerwiegend", hieß es in vorab veröffentlichten Auszügen von Obamas Redebeitrag beim Parteitag der Demokraten.

Trump konterte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, er sei nur Präsident geworden, weil Obama selbst versagt habe. "Präsident Obama hat keinen guten Job gemacht. Und der Grund, warum ich hier bin, ist wegen Präsident Obama und Joe Biden." Biden war unter Obama Vizepräsident. Der 77- Jährige tritt dieses Jahr bei der Präsidentenwahl am 3. November für die Demokraten gegen den drei Jahre jüngeren Trump an.

Obama sollte sich im Rahmen des dritten Abends des Parteitags der Demokraten äußern, der wegen der Corona-Pandemie weitgehend virtuell abgehalten wird. Ein weiterer Höhepunkt ist die Nominierung und anschließende Rede der demokratischen Vize-Kandidatin Kamala Harris. Sie will den Amerikanern in ihrem Beitrag ein besseres Land in Aussicht stellen. Trump wirft ihr vor, Tragödien zu instrumentalisieren. Es ist die bislang wichtigste politische Rede der 55-Jährigen. Biden hatte sich vergangene Woche für die Senatorin und Juristin aus Kalifornien als seine mögliche Stellvertreterin entschieden.

Auch die frühere Außenministerin, Senatorin und First Lady Hillary Clinton soll zu Wort kommen. Sie unterlag Trump bei der Präsidentenwahl 2016. Obama hat sich mit Kritik an seinem Nachfolger bislang zurückgehalten, während Trump ihn ständig attackiert. Generell ist es nicht üblich, dass ein Ex-Präsident den Amtsinhaber scharf angreift - auch nicht im Wahlkampf.

Obama sorgt sich um die Demokratie

"Ich hatte gehofft - im Interesse unseres Landes -, dass Donald Trump etwas Interesse daran zeigen würde, den Job ernstzunehmen; dass er das Gewicht dieses Amtes spüren und etwas Ehrfurcht vor der Demokratie entdecken würde, die ihm anvertraut wurde. Aber er hat es nie getan", soll Obama sagen. Der 59-Jährige ruft die Amerikaner dazu auf, mit ihrer Stimmabgabe bei der Wahl am 3. November dafür zu sorgen, "dass die Grundprinzipien unserer Demokratie fortbestehen". "Denn genau das steht jetzt auf dem Spiel. Unsere Demokratie."

Trump habe die Macht seines Amtes lediglich dafür genutzt, sich selbst und seinen Freunden zu helfen. Die Präsidentschaft habe er behandelt wie "eine weitere Reality-Show, mit der er die Aufmerksamkeit bekommen kann, nach der er sich sehnt", heißt es in Obamas vorbereiteter Rede. Unter Trump seien während der Corona-Pandemie nicht nur 170.000 Amerikaner gestorben, sondern auch Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Obama macht den Republikaner zudem dafür verantwortlich, dass die USA in der Welt an Ansehen verloren hätten und die demokratischen Institutionen "wie nie zuvor" bedroht seien.

Trump sagte, hätten Obama und dessen Vizepräsident Biden bessere Arbeit geleistet, wäre er möglicherweise gar nicht ins Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen. "Ich wäre sehr glücklich gewesen, ich habe mein vorheriges Leben sehr genossen." Obama habe dem Land "Schrecken" hinterlassen, Trump führte aber nicht aus, was er damit meinte.

Auf Twitter schob der Republikaner an Obama und Hillary Clinton gerichtet nach: "Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld." Dazu veröffentlichte er ein Video, in dem der Obama-Regierung vorgeworfen wird, dass sie aus Verbitterung über die Wahlniederlage alles habe tun wollen, um die Regierung Trumps zu untergraben.

Hillary Clinton soll am Mittwochabend (Ortszeit) ihrerseits vor einer Wiederwahl Trumps warnen. "Wählen Sie, als stünden unsere Leben und unsere Lebensgrundlagen auf dem Spiel, denn das tun sie", hieß es in vorab veröffentlichten Auszügen des Redebeitrags. "Ich wünschte, Donald Trump wäre ein besserer Präsident gewesen. Aber leider ist er, wie er ist", sagte die 72-Jährige. Amerika brauche einen Präsidenten, der im Weißen Haus Mitgefühl, Entschlossenheit und Führungsstärke zeige.

Quelle: ntv.de, ino/dpa