Politik

Ominöses Telefonat von 2006Befragung von Ex-Polizeichef bringt Trump wegen Epstein in Bedrängnis

10.02.2026, 12:05 Uhr
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Trump behauptet, er habe sich aus dem Staub gemacht, als Teenager anwesend waren. (Foto: picture alliance / Captital Pictures)

Der heutige US-Präsident behauptet stets, er habe nichts vom Missbrauch Minderjähriger durch Jeffrey Epstein gewusst. Der Ex-Polizeichef von Palm Beach weist das FBI aber schon 2019 auf ein Telefonat Jahre zuvor hin, in dem Trump sich anders äußert.

Die Befragung des ehemaligen Polizeichefs von Palm Beach wirft ein neues Licht auf die Beziehung zwischen Donald Trump und Jeffrey Epstein. Der "Miami Harold" veröffentlichte das Dokument einer FBI-Befragung von Michael Reiter aus dem Jahr 2019. Reiter leitete von 2001 bis zu seiner Pensionierung 2009 das Palm Beach Police Department.

Aussagen Reiters legen nahe, dass der heutige US-Präsident Kenntnis von Epsteins Sexualstraftaten hatte. Das hatte Trump zuvor allerdings vehement bestritten. Reiter berichtet dem FBI von einem Telefonat aus dem Juli 2006. Trump habe ihn damals angerufen und ihm mitgeteilt, dass sowohl in Palm Beach als auch in New York jeder von seinen Aktivitäten mit Mädchen wisse. Zu dieser Zeit wurde eine Anklage wegen Sexualdelikten gegen Epstein öffentlich.

Trump soll Reiter damals gesagt haben: "Gott sei Dank, dass Sie ihn stoppen. Jeder wusste, dass er das tut". Reiter sagte den FBI-Agenten weiter, Trump soll Ghislaine Maxwell als Epsteins "Mitarbeiterin" oder "Helferin" bezeichnet haben. "Sie ist böse, konzentrieren Sie sich auf sie", sollen seine Worte gewesen sein. Zudem habe Trump gesagt, dass "er einmal in Epsteins Nähe war, als Teenager anwesend waren". Trump habe "sich aus dem Staub gemacht". Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Trump an Veranstaltungen mit Epstein und sehr jungen Frauen teilgenommen hat. Es gibt ebenfalls Vorwürfe von Frauen, dass dies so war. Ob das allerdings minderjährige Frauen waren, ist nicht gesichert. Reiters Befragung durch das FBI liefert allerdings auch keine konkreten Erkenntnisse.

Zudem soll Trump Reiter erklärt haben, dass er Epstein aus seinem Anwesen geworfen habe. In welchem Zusammenhang das geschehen ist, geht aus der FBI-Befragung nicht hervor. Trump hatte in der Vergangenheit erklärt, dass er Epstein Hausverbot in Mar-a-Lago erteilt hatte. Als Grund gab er jedoch an, dass Epstein ihm Personal abgeworben hätte. Virginia Giuffre, eine der Hauptbelastungszeugen gegen Epstein, soll darunter gewesen sein. Allerdings soll Epstein Giuffre bereits im Jahr 2000 abgeworben haben, Trump soll das Hausverbot allerdings erst Jahre später ausgesprochen haben.

Die Aussagen Reiters gegenüber dem FBI legen zwar nahe, dass Trump versuchte, auf Distanz zu Epstein zu gehen. Allerdings widerspräche sich der heutige US-Präsident auch selbst. Denn 2019 wurde er von Reportern zu seiner Kenntnis von Missbrauch durch Epstein befragt und sagte: "Nein, ich hatte keine Ahnung". Laut Reiter begannen die Ermittlungen gegen Epstein bereits 2003. Damals gab es Hinweise an die Polizei, dass in Epsteins Villa junge Frauen ein und aus gingen.

In einem Interview mit dem "New York Magazine" im Jahr 2002 bezeichnete Trump Epstein zudem noch als "tollen Kerl" und merkte an: "Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind eher jünger." Auch eine E-Mail Epsteins lässt Zweifel an der Behauptung Trumps aufkommen. Epstein schrieb demnach 2019: "Natürlich wusste er von den Mädchen, denn er bat Ghislaine, damit aufzuhören."

Allerdings bezweifelt das FBI, dass es das Telefonat Trumps mit Reiter überhaupt gab. "Uns sind keine Beweise bekannt, die belegen, dass der Präsident vor 20 Jahren Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden aufgenommen hat", sagte ein Beamter dazu. Reiter hatte 2019 seinerseits Kontakt zum FBI aufgenommen. Der Grund war, dass er den Agenten zwei Kisten mit Akten übergeben wollte. Die befanden sich im Haus von Joe Recarey, der leitende Ermittler im Epstein-Fall. Der starb im Mai 2018. Eine der Kisten enthielt laut FBI einen Laptop, auf dem Telefonanrufe dokumentiert waren.

In dem Zusammenhang sprach Reiter mit dem FBI und tat seinen Unmut über die lange ausgebliebene Festnahme des Sexualstraftäters kund. So sagte Reiter dem FBI, dass sich Staatsanwalt Barry Krischer 2006 etwa weigerte, Epstein festnehmen zu lassen. Weil in der Folge nichts geschah, wandte sich Reiter 2007 an den Bundesstaatsanwalt von Miami, Alex Acosta. Der soll Reiter gesagt haben, dass die Verteidiger Epsteins die Staatsanwaltschaft behindert hätten. Nach Reiters Empfinden wollte man "diesen Fall schnell aus der Welt schaffen". Im selben Jahr sei Epstein Immunität vor Strafverfolgung gewährt worden. Im Gegenzug bekannte er sich in zwei Fällen der Anstiftung zur Prostitution schuldig, in einem Fall ging es um eine Minderjährige. Epsteins verbüßte 13 Monate im Gefängnis, den Großteil allerdings im Rahmen von Freigang.

Quelle: ntv.de, als

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