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13 Festnahmen nach Anschlägen Behörden in Sri Lanka gehen von Terror aus

Bei einer Serie von Anschlägen in Sri Lanka sterben mindestens 200 Menschen, mehrere Hundert werden verletzt. Insgesamt acht Detonationen erschüttern Hotels und drei Kirchen zur Zeit der Ostermesse. Die Behörden sprechen von Terror. 13 Verdächtige werden festgenommen.

Nach der verheerenden Anschlagsserie auf Kirchen und Touristenhotels in Sri Lanka sind 13 Menschen festgenommen worden. Bei den Verdächtigen handle es sich um Einwohner des Inselstaats, allerdings gingen die Behörden auch möglichen Verbindungen ins Ausland nach, sagte Regierungschef Ranil Wickremesinghe in einer Fernsehansprache. Die Polizei hatte zunächst nur von drei Festnahmen gesprochen.

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Zugleich erklärte Wickremesinghe, der Geheimdienst habe zuvor "Informationen" über mögliche Angriffe gehabt. Deshalb müsse auch geklärt werden, "warum keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen wurden". Vorrangiges Ziel sei es jedoch zunächst, "die Terroristen zu fassen". Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach bei einer Pressekonferenz von einem "terroristischen Vorfall" und von "extremistischen Gruppen". Er bestätigte, dass die meisten Anschläge von Selbstmordattentätern ausgeführt wurden.

Die Zahl der Opfer bei der Anschlagsserie in Sri Lanka war mehrfach gestiegen: Zuletzt meldete die Polizei mindestens 215 Tote. Mehr als 450 weitere Menschen wurden verletzt. Die Ermittler gingen derzeit Hinweisen nach, dass alle Anschläge von Selbstmordattentätern ausgeführt worden seien, sagte Polizeisprecher Ruwan Gunasekera vor Journalisten in Colombo.

Bei den Anschlägen auf christliche Kirchen und Luxushotels am Ostersonntag starben auch 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten nach Angaben der Tourismusbehörde Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei. Auf mögliche deutsche Opfer gab es keine Hinweise. Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise.

Schreckliche Szenen in Kirchen und Luxushotels

Die Explosionen fanden fast zeitgleich statt. In einer Kirche in Colombo habe es "schreckliche Szenen" gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Insgesamt gab es acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Bei den Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt.

Dort gab es die meisten Opfer. Nach Polizeiangaben wurde die Attacke auf die Kirche in Negombo vermutlich von einem Selbstmordattentäter ausgeführt. Außerdem gab es Explosionen in den Fünf-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein.

Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort der Hauptstadt Colombo mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort Colombos. Dort wurden drei Polizisten von einer einstürzenden Wand erschlagen. Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus der Kirche in Colombo gemeldet, die übrigen fünf alle innerhalb von nur 30 Minuten. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen.

Behörden verhängen Ausgangssperre

Staatspräsident Maithripala Sirisena hatte zunächst lediglich von "Angriffen" gesprochen. Die Streitkräfte und die Polizei würden der "Verschwörung" auf den Grund gehen. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab, wie der Minister Harsha de Silva auf Twitter schrieb. Als Reaktion verhängte die srilankische Polizei eine sofortige Ausgangssperre. Sie solle bis auf weiteres gelten. Die Nutzung von Online-Netzwerken wurde einstweilen untersagt.

Die Hintergründe der Explosionen waren zunächst unklar. In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte die Polizei vor Plänen der radikalislamischen Gruppe NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben. Sie berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Die NTJ soll hinter der Beschädigung buddhistischer Statuen in Sri Lanka im vergangenen Jahr stehen. Von Angriffen ausländischer Islamisten blieb das Land bislang verschont.

Diskriminierung und Gewalt gegen Christen

Die Kirchenverwaltung NCEASL, die mehr als 200 Kirchen und andere christliche Organisationen in Sri Lanka vertritt, hatte sich jüngst besorgt über vermehrte Übergriffe geäußert. Im vergangenen Jahr habe es 86 bekannte Vorfälle von Diskriminierung, Drohungen und Gewalt gegen Christen und ihre Einrichtungen gegeben. In diesem Jahr seien es bislang 26 gewesen. So hätten buddhistische Mönche wiederholt versucht, christliche Gottesdienste zu stören.

Nach statistischen Daten von 2012 sind unter den rund 22 Millionen Einwohnern Sri Lankas 70 Prozent Buddhisten, gut zwölf Prozent Hindus, knapp zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent Christen. Die Angriffe sind die schwersten seit Ende des Bürgerkrieges, der nach 26 Jahren 2009 zu Ende gegangen war.

Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

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Quelle: n-tv.de, mau/jaz/dpa/AFP

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